Semsrott kündigt Sonneborn: Provokanter Humanismus in der Krise?

Ein Paukenschlag erschüttert die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, allgemein bekannt als Die PARTEI. Die Vorzeigepersonalie Nico Semsrott ist raus. Dies verkündete er in einer Stellungnahme zum gestrigen Datum des 13.01.2021, einzusehen auf seiner Homepage (nicosemsrott.eu) und begründet seinen Austritt mit einer schwerwiegenden Kritik an Mitbegründer und Parteivorsitzenden Martin Sonneborn MdEP, in welcher er seinen einstigen Parteifreund und Kollegen im Europäischen Parlament eines vorsätzlichen rassistischen sowie reaktionären Verhaltens beschuldigt. Sonneborn reagierte bereits mit einer öffentlichen Entschuldigung. Ob sich die Abwendung Semsrotts zu einer Zerreißprobe für die humanistische Satirepartei Die PARTEI entwickeln wird, bleibt abzuwarten.

Humorist und PARTEImitglied

Seit seiner Teilnahme als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2017 für die Berliner Landesliste beflügelte der ausgezeichnete Kabarettist, Satiriker und Slam-Poet Nico Semsrott, das politisch-aktivistische Rettungsboot des Satire-Magazins Titanic. Nicht nur seine gefühlskalte Miene und eine stets halb ins Gesicht geschlagene Kapuze verschafften Semsrott in den Folgejahren Bekanntheit innerhalb des politischen Spektrums Deutschlands und über die Landesgrenzen hinaus. Sowohl als niedergestimmtes Mitglied des Ensembles der Nachrichtensatiresendung ZDF-heute-show (2017 bis 2019), wie durch die Inszenierung schwarzhumoriger Wahlkampfaktionen schaffte es der bühnenerprobte Demotivationstrainer, anhaltende Akzente zu setzen und vor allem seinen politischen Gegenspielern hartnäckig in Erinnerung zu bleiben. So setzte sich Semsrott maßgeblich für eine stärkere Auseinandersetzung älterer Politiker mit jüngeren Generationen ein und wusste dahingehend gekonnt Nadelstiche zu setzen. Beispielhaft tat er dies in einem streitbaren Wahlwerbespot zur Europawahl 2019, in dem er ein Höchstwahlrecht von 62 Jahren forderte, da sogenannte Letztwähler über eine Zukunft entscheiden dürften, welche sie selbst nicht mehr erleben würden.

Am 26. Mai 2019 erlangte er ein Mandat im Europäischen Parlament nebst seinem nun in der Kritik stehenden Ex-Kollegen Martin Sonneborn. Die PARTEI erreichte in Deutschland 2,4 % der Stimmen. Im Gegensatz zu Sonneborn (fraktionslos) schloss er sich der Grünen-Fraktion an und untermauerte seinen Beschluss mit einem Bestreben, primär realpolitische Ziele verfolgen zu wollen. Auch in seiner Zeit als Mandatsträger sorgte Nico Semsrott für eindrucksvolle Performances, wie etwa seinem ungehorsamen Einspruch im mit den Logos von Beraterfirmen gespickten Pullover, welcher Ursula von der Leyens aufgedeckte Berateraffäre sarkastisch kommentierte und einem aufsehenerregenden Video, mit welchem er eine Diebstahlserie im Europäischen Parlament während der COVID-19-Pandemie in den Fokus rückte.

Ernsthaft gestrige Witze

Zum Zerwürfnis mit Sonneborn kam es nach einem Tweet, welcher eine Anspielung auf Donald-Trump-Fanartikel sein sollte, die trotz dessen anti-chinesischer Politik in China hergestellt wurden. Er formulierte seine Kurznachricht in gebrochenem Englisch – eine Persiflage auf den vorurteilsbehafteten Mangel an Fremdsprachkenntnissen von Ost-Asiaten. Semsrott kritisierte Sonneborn als latent rassistisch, zudem ignorant und rücksichtslos im Umgang mit Feedback.

„Ich habe vor einem Jahr vergeblich zu dieser Thematik mit ihm diskutiert und ihn vor einigen Tagen gebeten, über sein Posting nachzudenken und sich zu entschuldigen. Er hat es nicht gemacht. Das ist also kein Versehen, er will das eindeutig so.“

Nico Semsrott (Humorlose Erklärung, warum ich aus Die PARTEI austrete)

Der namhafte sowie als intellektuell versierter Satiriker und antifaschistischer Politiker angesehene Ex-Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn ist weithin bekannt für seinen angriffslustigen Aktivismus. 2006 macht er durch einen Bestechungsversuch bei der FIFA von sich reden, welchen er im Rahmen der in Deutschland ausgerichteten Fußball-WM durchführte. 2011 geriet er hingegen schon einmal in die Kritik, als er auf einem Wahlplakat mit einem schwarz geschminkten Gesicht und dem Spruch „Ick bin ein Obama“ zu sehen war.

Politiksatire im Stresstest

Mit dem getadelten Vorstoß des MdEP Martin Sonneborn gerät nicht nur seine Persona erneut in die Schusslinie. Obwohl die Mitgliederentwicklung der PARTEI für eine wachsende Beliebtheit der basisdemokratischen Initiative spricht (+36,57 %, 2019) und in den letzten Jahren kontinuierliche Erfolge bei Kommunalwahlen zu verzeichnen hatte, wird sie von ihren Opponenten oft als Prestigeprojekt Sonneborns bezeichnet. In einem skeptischen Kommentar der taz beschrieb Reporter Martin Kaul die PARTEI 2017 als „snobistisch und dekadent und zu bekämpfen“ und befeuerte damit ein noch heute vorgeführtes Extrem einer realitätsfremden politischen Vereinigung, konträr zu dem progressiven Bild einer pädagogisch wertvollen Protestorganisation andersdenkender Rezensenten. Im gleichen Zeitraum berichtete Kai Stoppel für n-tv in seinem Kommentar: „Die Existenz von „Die Partei“ mag im herkömmlichen Sinne unkonkret sein, aber sie ist keine Gefahr für die Demokratie. Sie ist eine Kleinpartei, welche auf ihre ganz eigene Art den drögen Politikbetrieb bunt macht und dadurch bereichert.“

Erst im Laufe des letztens Jahres wurden Vorwürfe eines strukturellen Sexismus innerhalb der Partei laut. Diese reagierte damals selbstkritisch und mit der Einrichtung von Beschwerdestellen. Nun sieht sich die PARTEI, betreffend der Vertretung progressiver Werte, erneut dem Vorwurf der Scheinheiligkeit ausgesetzt. Der Abgang Nico Semsrotts ist ein maßgebender Verlust und wirft ein flackerndes Licht auf die sonst so meinungsstarke Kleinstpartei, welche nach außen hin gerne eine unantastbare Oberfläche kommuniziert. Schuld daran ist Martin Sonneborns spätes einlenken, da sich die PARTEI hinter ihren bissigen Wahlsprüchen an erster Stelle als sozialpolitische Instanz durchsetzen konnte. Marco Bülow (bis 2018 SPD), welcher im Herbst zur PARTEI stieß, wird sie im Bundestag als erster Abgeordneter für den Wahlkreis Dortmund I vertreten. Er positionierte sich kurze Zeit später per Twitter-Post mit einer indirekten Abweisung der Anklagepunkte Semsrotts und ließ damit wenig Hoffnung auf ein einhelliges Verständnis der vorgebrachten Bemängelungen in der Parteispitze. Sollte die Partei die PARTEI weiterhin einen Erfolgskurs anstreben wollen, wird sie beweisen müssen, dass sie ihre Verantwortung begreift und in Zukunft kein borniertes Lachen als Entschuldigung für die Lustlosigkeit an einem Politikbetrieb vorschieben wird, zu welchem sie früher oder später als anerkannte Kraft einen in gewissermaßen konformen Beitrag leisten werden muss. Schafft sie es nicht, ihren Stolz zu überwinden, der ihr bis dato ein uneingeschränktes Pöbeln gegen das verhasste Establishment erstattet, wird sie ihren schlimmsten Kritikern in die Karten spielen und sich letztendlich als populistische Luftpumpe erweisen, der langsam, aber sicher die Puste ausgeht.

Quellenangaben:

https://nicosemsrott.eu/de/my-work/humorlose-erklarung-warum-ich-aus-die-partei-austrete

https://taz.de/Rassismusstreit-um-Martin-Sonneborn/!5744181/

A soundtrack to a terrible year: 10 great music projects and releases of 2020

What a car crash of a moment in time this is. What little hope there has been brought to us in the unlikely progression of 2020. What is there left to say, except fingers crossed to the turn of the year? 2021 could be better and is just around the corner. Allegedly waiting for us, swinging a baseball bat. So, let´s shine some light on the horror we have all dragged ourselves through during the past ominous sequence of seasons and hope for the best. While governments all over the world failed in personal union to support their people financially, especially the weakest economic forces like small businesses and freelancing artists fought with a maximum of creative measures against the impending death of the passionate labor of love securing their livelihood. In this spirit, the music scene came up with lots of heart-warming ideas to pierce through the confused sorrow and suffering, not the least by supporting crew members, charitable actions, and naturally funding their survival. Late to the party, but walking in confident, this is solarstr1ker.blog’s list featuring 10 great music projects under the radar, which provided us with inspirational works throughout this staggering period.

Ghost Park

As this selection of honorable artists is not hierarchically structured, it shall not affect the reader that Ghost Park might be the most welcome find the author has to report, meaning vastly transcending beyond the recent time, being a true gem of experimental music undertaking. Described as inspired by absurdist literature, precisionist art, and the brutalist architecture of New York City Ghost Park introduced a new series named Framework amid July, focused on manipulated recordings of piano sessions, which was continued in September with another release. The few presented tracks per volume deliver monstrous orchestral undertones, visualizing the overbearing aura of the urban gorge in the mind of the listener, intimidating and comforting alike. It´s easy to draw a line from here to 2020’s municipal blight. Conclusively the Framework series is a pleasant addition to Ghost Park’s discography, yet not comparable to the immense quality and skills in shapeshifting genres between ambient soundscapes and indie rock proven with the preceding full-length outputs.

Potion

For all the ones who would like to experience the ghost of a person, that died on the world’s most thrilling rollercoaster fronting a band mixing jazzy math guitars and rock operatic passages linked with blast beat after blast beat rhythm set to full-automatic fire, my oh my, California’s Potion got you covered. After a bunch of released tracks in 2019 and a split with Those Darn Gnomes in July of this year, their latest EP Cemetary does not reinvent the already established and lovely irritating extreme expressionism but manifests its amenities with an increased grade of production and better songwriting forming Potion’s madness to an enjoyable kind of noise terror. Long story short, Cemetary is the definitive musical perception of our feelings regarding 2020.

Vansire

The word mellow might have been invented to characterize the following project titled Live from the Decorah Farmers Market, recorded by Minnesota’s dream-pop duo Vansire right on the spot. While most artists decided to produce and perform at their homes and other strongholds of isolation in an exemplary manner, Vansire chose to take it outside, while they could and entertained clueless passersby with a brilliant live gig, two instruments at a time, offering a selection of previously released songs. Where Vansire’s flamboyant studio releases lack rough edges, nothing is missing here. The overall sound quality is so rich in-depth and approachable on these tracks, that it’s predestined to calm people down. If someone requires a sedating effect, let singer Josh Augustine’s voice take care of it.

Mikazuki BIGWAVE

This spotlight goes out to the cute beats champion of Yokohama, Japan. Yes, the one and only ミカヅキBIGWAVE, the grandmaster of future funk production, unique upbeat arrangements, and putting the Kawaii into danceable electronic grooves. With two full-length albums, an ep in between and two singles promoting an upcoming LP Mikazuki released an unbelievable mass of energetic tracks, yet diverse in their style and delivery. Moreover, it´s not only this specific achievement attained alongside the challenges that have occurred and limited the agency of artists qualifying especially 海辺のSENTIMENTAL as a noteworthy release. 2020 left the world thirsty, hungry, and pleading for relief from stress. Something entertaining, funny, and lighthearted to free our burdened souls from a great big pile of built-up negativity. One can arguably dislike the omnipresent anime fanservice this project is based on as a whole, but it´s simply impossible to deny the uplifting vibes, motivational vocal performances, and liberating lust for life it is standing for. If there is an annual award for orchestrating good times this year‘s winner is Mikazuki BIGWAVE.

The Casket Lottery

Ensuing the past returns of classic emo rock bands like Mineral (2019, One Day When We Are Young) and The Get Up Kids (2019, Problems) another well-known and respected group of the scene made a comeback in 2020. With Short Songs For End Times, The Casket Lottery released their fifth full-length record in early November. While the rawness, instrumental progressiveness, and emotional ferocity of influential releases like Moving Mountains and Survival Is For Cowards has declined over time and the experimental appeal of 2012’s Real Fear seemingly was a singular occurrence, their newest LP embraces a straightforward and mature alternative rock sound, relying on renowned strengths like the charismatic vocals of singer and guitarist Nathan Ellis and a very present bass empowering the easy to grasp and authentically lethargic songwriting. Short Songs For End Times is a record to sing along and cry out to, empathetic, but poised enough to get you through an extra month of sticking it out.

Spiritbox

Female-fronted powerhouse Spiritbox, hailing from Vancouver, Canada, is popular for its explosive combination of spheric djent elements and hard-hitting metalcore topped by Courtney LaPlante’s (ex I Wrestled A Bear Once) breathtaking ability to fluently switch between her beautiful singing voice and devilish screams. Following a significant collection of singles in 2019 they released three stand-alone songs evenly distributed with the passing of 2020 including the very successful track Holy Roller offering a mix of electronic samples and massive breakdown-ridden rhythms. In that respect, the trios uprising isn´t a coincidence, it’s based on sheer talent and a fresh understanding of modern metal. The message is clear: People who like heavy music won´t be getting around Spiritbox any longer. And that´s the bottom line.

2077

The events that affected 2020 got us to take a look into the future and question what is yet to come. Concerning this matter the eagerly anticipated AAA video game Cyberpunk 2077 couldn’t please everyone with its fashionable, yet enforced superficial definition of a dystopian science-fiction scenario and its abrasive flashy citizens. Cyberpunk, Violence, and Speed inspired grindcore project 2077’s debut release Cybernetic Dreams published the first of March however proclaimed an intriguing counter draft that should heal the wounds of those disappointed. Dirty, desperate, and agonizing, completed with ailing vocals that range between extreme coughing and black metal like death rattling 2077 grinds in the vein of nerve-wracking paragons like Gridlink, but gets it done to create an alluring atmosphere at the same time by sacrificing a bit of rapidity for the integration of wailing melodic riffs. Is the spawning of 2077 in 2020 a bad omen? As it seems we´ll find out in about half a century.

livingwithnathan

Some songs simply need to make a comeback one way or the other. For that reason married emo/hardcore duo livingwithnathan released a new version of their track, We’ll See You Tomorrow, which was planned to be part of a compilation that never came together. Originally descending from 2018’s heart-wrenching EP Grief, which deals with the loss of a dearly loved one and offered a bewitching mix of melodic rock and harsh shouting, 2020’s take comes off with a more punk-ish and distorted sound. A short, but precious musical work, that is reminding us, how painful and haunting it can be to bid farewell, just now in times of a worldwide pandemic, condemning people to die and let go without the chance to say goodbye.

Cloacal Kiss / Wax Vessel

Mentioning comebacks there is no way to not bring up this year’s phenomenal releases enabled by Wax Vessel, an independent record label, committed to limited run vinyl pressings of remastered legendary math- and grindcore music (with no compromise!). So, one is advised to act quickly and check out some of the 27 classic albums, that WV granted us within 2020, like Cloacal Kiss’s Easter containing high-quality noise assaults on your ears, from the tight instrumental production to an unbelievable extreme vocal performance.

Army of Freshmen

There could not be a better swan song to this year than Promise provided by the pop-punk veterans Army of Freshmen in late March. After two decades of spreading fun on stages all around the world, not being averse to dive into the realms of melancholy, when it had to be done, AOF came up with three new singles following their latest LP Happy To Be A Live in 2012, beginning with 2019’s Well May Her World Go Round. Compared to Everything Is Beautiful released in February of this year Promise is declaring an equally optimistic mindset, battered by the hardships of it all, but willing to push back against the odds, getting us in the right mood to leave 2020 behind:

the same way they buried you

is the same way, they buried me too

ever after, this disaster

we’ll still be here

I promise you, I promise you

I promise you, I promise you

I promise you, I promise you

Promise by Army of Freshmen

The philosophers were ambient people: an interview with The Billows Burn Bright

Lucid Attention Protocol D1 activated …

Did you ever fell in your sleep? Conscious, but slumbering, possessed by the urge to find clarity beyond the veil of self-awareness. Like drifting through a stream of sensorial inspirations, attending a cinematic reprocessing of things suppressed inside yourself. Out of fear, an ominous excitement, standing on the edge at daggers drawn with your internalized understanding anent a desirable form of existing.

Yes/No? …

Yes.

So the door has been opened. Now, don´t you lose touch. It is time to take the next step. Bid goodbye to the concept of control as such, becoming intimate with a stimulating way of training your ability to embrace the seemingly mazed information transmitted in your dreams and introducing your mind to the impact of an upcoming audiovisual ambient music project named The Billows Burn Bright. Produced and explained in the following conversation by the choirmaster of philosophic experimental soundscapes himself. I welcome Daniel Armstrong.

The Billows Burn Bright is a bilateral music project that I strongly associate with its visual half. In the digital age music videos are not the most important promotional output bands rely on any longer (RIP MTV). They are still relevant, but most offer a shallow performance for the sake of declaring the plain presence of artists. When did you realize that a cinematic experience will play an important role in complementing your tracks?

It started with my fascination with the public domain and all of the beautiful works within it, most of which have been largely forgotten. I thought that maybe I could, in a small way, bring new life to these films and clips by recontextualizing them as music videos. I  used to put on animated films at night and mute the volume, then play some songs over it and see how they fit together. I thought I could use this same format in a more polished, intentionally synchronized way. I also thought (and still think) that having a „narrative“ in the absolute loosest sense of the word allows the viewer to take away their own stories and meanings while they’re watching. I definitely enjoy exploring archives, looking for new footage, and piecing it all together, so it’s stuck with me well so far.

Your first video premiered in June of this year illustrating your song ‚Unrelatable‘ (The Billows Burn Bright 2015-2020). It begins with an animated scene. A colorized man is walking down a street. Later he will convert transparent others into a colored look as well. The process is perpetually interrupted by a 1948 educational material titled ‚How to evert the Upper Lid‘ and fragments of old cartoons alike. Ironically two aspects that make your work relatable are already decisive here. It’s the symbolism and choreography nascent from the synergy of the diverse choice of moving image material. What does the word unrelatable stand for in this context?

Unrelatable stands for an emotional state that I think, ironically, many can relate to. When I wrote the song and when I put the video together, I was in a dark mindset and felt very unconfident in the things I was making. I felt that my thought processes were malformed and dysfunctional. „Unrelatable“ was very much a personal expression of feeling, well, unrelatable.

The genuine interplay between visuals and audio derives far-reaching from your intriguing original compositions of actual retro footage and a range of quaint fictional respectively elaborate works. Are there any classic or modern filmmakers that are an inspiration regarding this facet of your art?

While there are probably many short films and filmmakers that have influenced my direction and focus, I would say Don Hertzfeldt has by far had the largest impact on me. Hertzfeldt’s film ‚It’s Such a Beautiful Day‘ in particular was definitely foundational for both the way I approach art and life in general. I think you could trace a clear line from how I like to put my videos together with how Hertzfeldt paired his distinct ’stick man‘ art style with brilliant choreography and music choice. I was (and still am) drawn to the way he combined different scenes on the same screen via clever tricks like cutting holes in construction paper and layering it over the frame as to create separation. I hope one day to reach that level of mastery and vision.

Two more productions followed shortly after based on the singles ‚Consequences‘ and ‚Limbo‘ (Aimless: A Compilation). Both collages seem to aim at human deficiencies in times of emotional contingencies. I recall a person in the subway being excluded from opposing passengers in ‚Consequences‘ and the lethargic acting man in ‚Limbo‘ right at the beginning, a depiction that is accentuated by its overall melancholic tone and commenting inserts („the need for human interaction“). What interested you especially in this perspective on eye level with disoriented minds?

I believe that it’s when we are at our lowest and most disoriented state of mind, we are also at our most honest and genuine. Our brains are conditioned in such a way that we constantly tell harmless little lies to ourselves and the people around us so that we can maintain the narrative of ‚Everything is fine and nothing is bothering me‘ which while a nice gesture, is rarely truly honest. We’re basically hardwired to put up a front. It’s when we are deeply troubled that the front begins to fall because we no longer have to energy to maintain it. It’s at these moments we learn the most about ourselves because we’re forced to either be honest about our choices and flaws or else wither away in a fog of denial. I believe the disoriented mind is often both our best teacher and the stage of our most triumphant moments. This is why it’s important to me to try and not only just express this state of self, but attempt to put it on screen in such a way that the viewer can maybe relate to that kind of pain and in doing so, allow them a chance, to be honest with themselves. 

Your Bonfire Rituals EP is the first release you fully visualized. In three tracks, each one representing a separate step, you attend to give a tutorial on how to reach the state of happiness. The evident spectrum of symbolism refers a lot to the subject of natural sciences, which I’d argue is a characteristic of your work. Please turn the following list of constantly recurring objects into short statements describing their importance to your expressionism.

The eye …

The flower …

Technology …

The eye is an open book. It is the screen of every emotion and thought. The eye is the projector of the subconscious.

The flower is the creation and it is death. The flower is the art that exists for itself. The flower is peace.

Technology is the greatest double-edged sword. Technology is the potential for both enlightenment and destruction. It is at our mercy and we are at its mercy.

Your topics fluently varying between a macro field covering existential issues, questioning the doings and purpose of humanity in a wider sense, and a micro-level concerning the individual unraveling of human entanglements. On your EP The Philosophers Are Dead for instance you linked a question of vital significance to every song („Is this really all there is?“ – Spirit Walking). Instrumentally centered music genres like ambient, post-rock, or even black metal are often attributed with philosophic virtues, but not uncommonly it‘s all on the surface, reflecting from the atmospheric sound. What are things that create the urgency to make philosophy a prioritized matter?

I believe strongly that philosophy is one of the most useful tools to have in life. I cannot claim to be an expert in the field, but what little I know has helped me communicate my thoughts more clearly, has helped me come to terms with the realities of life, and understand other people’s points of view. In some ways, philosophy is also about finding and understanding our own system of morality. I feel that without this understanding, our morality is vulnerable to malicious influence or even simple atrophy until it is replaced by base instinct and flimsy justification. I think that if philosophy was more emphasized and respected, we would find problems and disagreements easier to solve both in our personal lives and even on a societal scale.

Every release implemented a new quality of sound. Last month you published your most recent release No Moon, No Stars, which is a spherical and pensive journey based on a dream. Yet its unmistakable a The Billows Burn Bright offspring. Do you have musical role models, that helped you to find your own style?

Certainly Deaf Center was an important role model to me. Their album ‚Pale Ravine‘ was the first ambient/neoclassical album I’d ever heard, and remains one of my favorites to this day. It was through this album and a bit of searching that lead me to artists like Max Richter, Olafur Arnalds, Eluvium, and the idea that music could be much more than I’d pictured as a child. Some more recent influences would have to be Blockhead and Crest of the Syndicate. Their music has been very inspirational to me, especially when it comes to drum tracks and techniques.

Daniel, thanks for the great talk! This moment is yours to keep the readers up to date with every information you’d like to let them know.

Of course, and thank you as well, Björn! I’m working on a project right now that is much larger than what I’ve done so far, I’m really excited about it! I’m hoping to have something to show in late January or perhaps February. In the meantime, check out my Twitter page for a constant stream of ambient music news and releases from artists I’m sure you’ll love!

Alex Burunovas Enter The Anime: Tokyo, Netflix und der Kult der müden Geister

An einem Bahnsteig beginnt unsere Reise, die uns den Eintritt in das Reich der japanischen Animationsfilme gewähren soll. Begleitet von weichen Lofi-HipHop-Beats tauchen wir in ein klassisches Alltagsszenario Tokyos ein. Es ist die Fahrt mit der U-Bahn, welche nach Burunova, womöglich am besten ein Gefühl für die Mentalität der Japaner wiedergibt. Ordnung, Höflichkeit und ein zurückhaltendes Wesen sind hier erwünscht. Wir akklimatisieren uns und schon ist es um uns geschehen. Wir sind ein Teil des Systems geworden, huldigen den Überresten einer traditionellen ost-asiatischen Kultur, welche an öffentlichen Plätzen wie diesem noch immer umsichtig von der Bevölkerung konserviert wird und unabänderlich in sich ruht, während sich konträr ein anderes Geistesleben in ständiger Bewegung bereit für die Zukunft zeigt. Wir können die überwältigende Bilderflut, die uns in Japans bekanntester Metropole erwarten wird, nur erahnen. Denn bis dato befindet sich unser Tour-Guide noch im amerikanischen Los Angeles. Alex Burunova stellt sich uns als Filmemacherin vor, die erst mit der Anime-Umsetzung der berühmten Videospiel-Reihe Castlevania (Netflix, 2017) so richtig auf den Geschmack gekommen ist. Beauftragt von Netflix stellt sie sich in ihrer Kultur-Dokumentation Enter The Anime der Frage, was die Essenz des japanischen Zeichentricks ist und welche Bedeutung sie für die Japaner hat. Am Ende dieses Abenteuers werden jene befriedet sein, die sich eine knappe Stunde knalligen Fan-Service und Instagram-Lifestyle versprochen haben, solange das Popcorn reicht. Enthusiasten, die eine tief greifende Erfahrung erwarten, welche einen eindringlichen Blick in das Seelenleben der Anime-Schöpfer ermöglicht, seien daher vorgewarnt. Und dennoch ist Burunovas Reportage einen Blick wert, da sie erahnen lässt, dass da noch mehr ist, irgendwo zwischen den demütigen Zeilen der Protagonisten, dem epileptischen Werbematerial für einen Tagesausflug nach Tokyo und der Ausstellung einer Corporate Culture, die Personalmanagern bei Google und Konsorten die Augen feucht werden lässt.

Bunt, laut und getrieben

Noch immer stecken wir in Los Angeles fest, aber lernen dafür den ersten Macher kennen, der sich uns nicht etwa als Creator, sondern Zeitreisender ausweist. Es ist der Produzent des Castlevania-Anime höchstpersönlich, Adi Shankar, dessen leicht aufgekratzte und sympathisch durchgeknallte Art sich schon bald als Foreshadowing herausstellen wird. Denn Anime bedeutet, wie sich im weiteren Verlauf zeigen wird, nicht nur Kreativität am Rande des Limits, sondern ein leidenschaftliches Engagement für alles Andersartige. Nach einer kurzen Abhandlung seines rasanten Aufstiegs vom talentierten Fan-Fiction-Initiatoren zum professionellen Netflix-Kinematographen kommen wir endlich in Tokyo an und treffen überraschenderweise auf einen weiteren Gaijin der japanischen Zeichentrick-Industrie. Lesean Thomas, der sich selbst als Fremdkörper in Japan betrachtet, produziert dort die Bewegtbild-Umsetzung seines Comics Cannon Busters und zeichnet uns ein Bild des Anime als ‚trans genre medium‘, welches sowohl die Möglichkeiten bietet, unterschiedliche Stilrichtungen als auch verschiedene Kulturen miteinander zu vereinen. Dies ist ein interessanter und progressiver Ansatz, welcher nicht der Letzte sein wird, den wir in der kommenden Dreiviertelstunde aufnehmen werden, doch ist er gleichermaßen ein wichtiger Hinweis auf die differierenden Blickwinkel, welcher aufzeigt, inwiefern die westlichen und östlichen Sichtweisen auf das Thema Anime voneinander abweichen. Leider wird diese Erkenntnis nicht weiter aufgegriffen, wie so mancher leise Nebenton, der Alex Burunovas Berichterstattung mehr Tiefe hätte verleihen können. Doch wir können ihr weder den Vorwurf machen, eine schlechte Filmemacherin zu sein, noch die eigentliche Zielsetzung aus den Augen verloren zu haben – Netflix als Geldgeber zufriedenzustellen. Enter The Anime ist bunt, laut und getrieben, als wäre jegliche Verringerung des anhaltenden Tempos unwürdig, um die Diversität der japanischen Popkultur zu proklamieren und unterhält als surrealer Trip, der mit dynamischen Blenden und atmosphärischen Soundeffekten eine aufregende Achterbahnfahrt darstellt. Die trotz alledem in energetisch anmutenden Interviewsequenzen und Außenaufnahmen erreichten ruhigen Momente verleihen dem Gesamtbild keine besondere Dramatik, doch sorgen hier und da für eine Wohlfühlstimmung, welche an geeigneten Stellen den Druck rausnimmt, damit wir das Erlebte für einen Augenblick einziehen lassen können. Doch es ist nicht die poppige Inszenierung allein, die uns bei der Stange hält. Ein Füllhorn an Begegnungen, gekoppelt an zahlreiche Making-of-Situationen mit monumentalen Persönlichkeiten der Anime-Szene Japans, unterbricht die teils anstrengende Effekthascherei für informative Stellungnahmen und Erzählungen jener Expert:innen.

Eskapismus vs. Establishment

Enter The Anime wird im folgenden Verlauf weder optisch noch inhaltlich langweilig, doch verpasst es Alex Burunova dem Anime als mysteriösem Patienten den korrekten Zahn zu ziehen. Während sie umherstreift und gelegentlich bedauert, nicht den richtigen Anhalt zu finden, um die Essenz der japanischen Animationskunst ein für alle Mal ersichtlich zu machen, ist klar, dass es nie dazu kommen wird. Denn jegliche Filme und Serien, die Platz in ihrer dicht besiedelten einstündigen Dokumentation finden, sind, wie sollte es anders sein, Eigenproduktionen von Netflix oder haben einen direkten Bezug zu jeweils mindestens einer Produktion, die aktuell beim Streaming-Riesen zu sehen ist. Unter anderem sind im Gespräch: die Anime-Produzenten Kōzō Morishita (Saint Seiya, Dragonball Z), Rarecho (Aggretsuko) und Rui Kuroki (B: The Beginning, Kill Bill: Vol. 1), sowie die Regisseure Masahito Kobayashi (Rilakkuma und Kaoru), Yukio Takahashi (7Seeds), Toshiki Hirano (Baki, Magic Kaito) und Shinji Aramaki (Ultraman, Ghost in the Shell SAC_2045), um nur ein paar wenige Namen der vertretenen Repräsentanten zu nennen. Geplauscht wird über ikonische Szenen und Besonderheiten des vorgestellten Anime, die uns verdienterweise anfixen. Tatsächlich wird ebenso über die Schattenseiten des Business gesprochen wie die ermüdenden Arbeitsintervalle und einstige Berufswünsche, die nichts mit Anime zutun hatten. So wird in vielen Teilsätzen bemerkbar, dass die Tätigkeit als Anime-Creator ein Segen und ein Fluch gleichermaßen zu sein scheint. Die meisten dieser Aussagen werden sogar von Burunova selbst angestoßen, doch verkommt ihre investigative Arbeit, welche ab und an den Finger in die Wunde legt, hinter ihrem Plädoyer für eine Corporate Culture, die den Versprechen der Start-ups und Großkonzerne unserer Zeit Blindlinks ins offene Messer läuft. Animes zu produzieren, sinniert sie, steht für das eingehen von Risiken, mutig seinen eigenen Weg zu gehen, Akzeptanz und Inspiration in ruhigen Momenten zu finden (Google-Hauptquartier, wärme schon einmal das Bällebad vor, meine Kreativität ist bereit, dafür in dir aufzublühen, um dann während eines 20-Stunden-Crunge vor dem Rechner vollkommen einzugehen!). Ja, bezeichnend ist gerade ihr Schlusswort, das die DNA des Anime endgültig entschlüsselt haben will. Was ist Anime? Das ist keine Frage nach dem ‚Was?‘ oder ‚Wer?‘. Es ist die Erkenntnis, ein Teil von etwas ganz Großem zu sein und als Individuum in ihm zu verschwinden. Wow! Dieses Statement zergeht auf der Zunge wie ein angewärmtes Stück Butter, doch hinterlässt es einen wahrhaft bitteren Nachgeschmack. Wir spulen noch einmal zurück und befinden uns wieder in der U-Bahn. Wir sind hier ein Teil des Systems geworden, huldigen den Überresten einer traditionellen ost-asiatischen Kultur, welche an öffentlichen Plätzen wie diesem noch immer umsichtig von der Bevölkerung konserviert wird und unabänderlich in sich ruht. Gemeint ist eine veraltete japanische Lebensphilosophie, welche sich um Ehre, Stolz und die Wahrung des eigenen Gesichtes dreht, selbst unter einer unmenschlichen Arbeitsbelastung und dabei stets zu einer Stabilisierung des großen Ganzen verpflichtet. Während sich konträr ein anderes Geistesleben in ständiger Bewegung bereit für die Zukunft zeigt, läuft Burunova in die Falle einer modernen Unternehmenskultur, in der ein Obstkorb als Köder fungiert und uns einredet, dass wir nun im Gegensatz zu damaligen autoritären Hierarchie-Modellen als Individuum unsere eigenen Ziele erreichen, unsere Arbeitszeiten selbst bestimmen und endlich einen Sinn in unserem Tun auffinden können. Work-Life-Balance! Feel-Good-Management! Corporate Identity! Denn wer brauch schon eine eigene! Das da immer noch ein ominöses großes Ganzes ist, dem wir uns mit der Unterzeichnung unseres Arbeitsvertrages anschließen, wird heute schlichtweg verschwiegen. Doch verschwinden wir nicht mit ihm, sondern erhalten das Phantom mit unserer 24/7-Gegenwart in den arbeitnehmerfreundlichen Büros inklusive Yogabereich am Leben. Wenn Rarecho und seine Mitarbeiterin Yeti nur an ein paar hinreichende Stunden Schlaf denken können, wenn sie auf das Thema Freizeit angesprochen werden, Kuroki davon berichtet, dass er keine Zeit für ein Mittagessen hatte, weil es nicht in seinen Tagesplan passt oder Morishita, der außerdem im Vorstand des japanischen Disney-Pendants Toei Animation sitzt, gleich mehrmals damit zitiert wird, dass er nichts als ein Klumpen Stress ist, wenn er einen neuen Anime inszeniert, dann sind dies keine Loblieder auf eine zu glorifizierende Aufopferungsbereitschaft, sondern die Mahnmale einer vom Kapitalismus gezeichneten Industrie. Das viele der teilnehmenden Kreateure offen damit umgehen, eigentlich nie ihren jetzigen Job angestrebt zu haben, überrascht nur, wenn wir uns Burunovas vollmundige Phrasendrescherei zu Herzen nehmen, die all die Beschwerlichkeiten dieser Berufung vollkommen verklärt. Ein Funfact dieser Doku ist, dass in Japan mehr Manga als Toilettenpapier produziert werden, was jedoch den ernüchternden Hintergrund hat, dass es eine Überproduktion gibt und die hart erarbeiteten Endprodukte, die sich nicht als populär auszeichnen können, als Wegwerfprodukte angesehen werden. Das die japanische Animationsfilm- und Manga-Industrie seit Jahren eine düstere Dunkelziffer schreibt, die begangene Selbstmorde aufgrund der hohen Arbeitsbelastung insbesondere unter jungen und unerfahrenen Künstlern abdeckt, ist etwas, das vonseiten der Unternehmen nur allzu gerne totgeschwiegen wird. Leider wird dieser Zielgruppe auch in Enter The Anime keine Beachtung geschenkt. Während die US-Künstler Shankar und Thomas den Anime noch als expressionistischen Spielplatz wirken lassen, spiegelt sich in den ausgewählten Netflix-Produktionen ein Kampf zwischen einem Eskapismus und den gesellschaftlichen Konventionen, dem Establishment wider. Burunova berichtet diesbezüglich an einem Punkt von der Begeisterung für Kawaii, der Faszination für das Niedliche, welche sich bereits in den 1960er Jahren als Subkultur entwickelte und Schüler dazu antrieb, sich gegen die unnachgiebige Erwachsenenwelt aufzulehnen. Rarecho spricht in Bezug auf seinen Anime Aggretsuko in dem es um eine gestresste Büroangestellte geht, die ihre Vorliebe für Death Metal zum Abbau ihres Kummers entdeckt, davon, wie Abnormalitäten die Menschen von ihrer eigenen Banalität befreien können. Er erklärt uns damit gleichermaßen die skurrilen Ausflüchte in das Extreme, beispielsweise wenn es in anderen Animes immer wieder um Männer mit überdimensionalen muskelbepackten Körpern geht, wie in Seiji Kishis Kengan Ashura in denen jene für die Interessen der einflussreichsten Geschäftsführer Japans in den Kampf ziehen. In Enter The Anime lernen wir die Stars der Anime-Szene zwischen den Zeilen als Kult der müden Geister kennen, deren bröckelnde Fassaden nicht gänzlich von Burunovas ausgewählten Filtern überstrichen werden können. Sie sagt, dass sich das gestrige Japan und die progressiven Elemente des Anime gegenseitig befeuern, doch dies ist eine grobe Fehleinschätzung. Ein ausbeuterisches System ist nicht besser, nur weil es in neuen Gewändern daherkommt. Anime ist ein Aufbegehren gegen die anti-humanistischen Strukturen unserer Welt, die in den Abfalleimer der Geschichte gehören.

An adequately mad interview with 30 Seconds GO!

Having retired from my vivid career as a client of local psychotherapeutic surgeries, because of a persistent panic disorder, I’d like to mention, that the biggest challenge regarding it was to introduce myself to the doctors. No further investigation into the causes for their part. You need to help me to help you – and all that. If I´d know the literal reason for who I am and why I feel like this, I would not have to come and see you! What happened to inkblot tests and putting people through weird fictional scenarios to create this (Ohhh!) moment, where we are both excited to understand that the pencil sharpeners that haunt me in my dreams are symbolic manifestations constituting the relationship to my father! Anyway. 30 Seconds GO! from Maine, USA, offering a mixture of heavy breakdowns, embedded in a groovy range of mathcore, electronic sounds, and furious vocals. Embracing the tongue-in-cheek Kafkaesque insanity of the early Dr. Acula, brute synth-mosh-craziness of Arsonists Get All The Girls and wild hysteric delivery of lyrics à la Every Time I Die’s Keith Buckley, the upcoming quartet is reaching out to the lovers of track-sized audible frenzy. Next up I am proud to be joining them for a special introduction, through a quick round of appropriately strange questions.

Hey guys, thank you so much for attending this interview. I hope all of you are healthy and getting well through the pandemic.

Bands often get asked how it all came about and well, it’s not their fault that the answer is pretty square most of the time. How have you guys met in another dimension, though?

Collective: Maine only has one dimension, and everyone went to one high school and our guitarist went to a shitty high school an hour away. Our vocalist currently resides in a weird pocket dimension called Michigan but we don’t care about him.

You created and published your first release in 2010. It was a self-titled demo with three tracks, that you commented with the words: „We were young, and this is what happens when you do the cinnamon challenge at a friend’s house.“ What would be the challenge, that describes you best today, a whole decade later, working on new material?

Collective: The “Playing live challenge”. It’s a rough deal full of heartbreak, betrayal, and in-ear monitors.

Looking back one of the first things that caught my attention concerning your project has been a cover-like design, including your logo and depicting a scene kid losing her/his mind, while the city is getting wrecked by a tornado. How would you stop this natural catastrophe? 30 Seconds GO!

Bobby: Point fans at it and blow it away.

Dalton: Hire Nicholas cage, but like, Nick Cage from Mandy.

Brandon: Throw hotdogs at it until it gets allergic and runs away.

Caleb: Turn the volume down … of our EP.

On last year’s Halloween, you released the first single off your upcoming EP ‚A Self Help Guide To Your Nervous Breakdown‘, which will be published by Through Riding Tiger Records. It is called ‚Did You Remember Your Reusable Shopping Bags?‘ and honestly caught me off-guard with its technical powerful riffs and assaults of effect-driven guitars, which reminded me of heavyweights like Ion Dissonance or Scottland’s very own Frontierer. But I need to know: What would be a memorable merch item of your choice, that is strictly NOT reusable, because of its rarity or impact.

Brandon: Chinese finger traps… no one sells that at a merch table.

Caleb: 30 Seconds Aged Lagavulin.

Bobby: Can it be Caleb’s beard he used to have when we wrote the EP? Or his ass hairs he tricked his wife into shaving?

Dalton: A shirt that has nothing to do with 30SG! That has like 8 old ladies on it that I definitely found at a thrift store in 2011.

If you had the chance to travel back in time or to a future instant in history, lasting 30 seconds, how would you decide?

Caleb: Hiroshima, Japan.

Bobby: But not when the bomb happened… like 1983.

Caleb: … or whenever Jesus was talking to people and be like “Hey, your mix is off”. Or better yet, tell Sting to “Just stop”.

Brandon: How about the birth of the universe so I can be the first person to take a shit… how’s that for a record?

Dalton: Back to the moment when I rhymed “Crawl” with “Crawl” in our first intro. It haunts me.

Bobby: Back to when George Washington Carver invented the first jar of peanut butter so I can FUCK IT!

Brandon: Can we just end the interview with a question for him that says: “Ya ever been zoinked?”

Earlier this year you’ve uploaded the second of overall three pre-issued tracks of your imminent release featuring a guest appearance by Sean Richmond of Arsonists Get All The Girls and I have to admit it’s one of the most intense and well-placed features I have ever listened to. Especially the subtle, yet atmospheric use of synthesizers throughout the track reminds me of their style. If you had to collaborate with a producer of oven-ready meals to create your own. What would that look like?

Dalton: Kid Cuisine. No changes. They are perfect.

Caleb: Kurt Ballou, he makes mean breakfast sandwiches. It looks like how Gordon Ramsay makes me feel.

Brandon: Can my answer just be Chicken Permission? *Brandon stares blankly with a Snapchat filter over his face* Looks good.

Bobby: Mine would be Digiorno, it would look mostly the same but the cookies would be ON the pizza from the meal kits.

Three of you guys are involved in a side project called The Sharks Megabyte. You make Nintendocore that is of course influenced by your work with 30 Seconds GO! and that I advise every fan of the genre, nerd, and fellow traveler to check out. BOOM! You are stuck in a co-op video game, fighting the end boss. It’s another tornado. With a sword! Choose your characters as you wish.

Dalton: Mine would be a guy with a t-shirt that says FUCK THE SHARKS MEGABYTE!

Brandon: Not Dalton because he SUCKS and isn’t allowed to be in The Sharks Megabyte.

Bobby: Any one of the 3 of us in The Sharks Megabyte, so definitely not Dalton. PS Love Mummy sucks.

Caleb: Old world blues (NOTE: The rest of us think he forgot the question at this point).

So, your third single entitled ‚Mantis‘ dropped in September, a nightmare vision of a girlfriend turning into a deadly insect and all I´d like to say about it is, that it got me even more hooked for what is to come. Please use this moment to conclusively tell the readers anything you’d like them to know.

Bobby: That our main vocalist Dalton used to paint his face like a Juggalo. After the EP we’re going to work on a full length so expect that out in 2039, we’ll put out 45 singles leading up to it.

Dalton: I just want everyone to know that this EP was a nightmare to make but super weird dredging up something I hadn’t worked on in 9 years. I have a solo project called Love Mummy that I never work on. It’s moreso Electronic Noise Rock. I’m excited to work on the full length for 30SG! I expect us to get a bit more weird with it …

Caleb: Sharks Megabyte EP coming soon. Full length as well, but nothing is really written yet. Also, I and Brandon have another project called Never Odd Or Even. We all have like 900 projects.

Brandon: The other 8 bands I’m in are more enjoyable than this one. Also, check out Knife Eater.

Bobby: Thank you for having us do this audio interview, we worked hard on the backing soundtrack you have been listening to this entire time, as well as all the intricate sound effects. I want to thank you all for listening.

Dalton: Like, Comment, and subscribe! Hit that bell icon to be notified of updates. But first, let’s talk about Squarespace …

Michael Barretts Temple, Film-Review: wirrer Horror nach Wendler Art

[SPOILERWARNUNG; aber ist eigentlich auch egal.]

Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich manchmal blendende Vorzeichen für ein geplantes Projekt und ein fürchterliches Endprodukt widersprechen können. Michael Barretts Film-Debüt in der Position des Regisseurs namens Temple kam bereits um 2017 heraus, doch liefert dieser Umstand bedauerlicherweise keinerlei Erklärung für einen Film, der trotz gewisser kinematografischer Qualitäten weder die Spur eines roten Fadens erkennen lässt, noch Charaktere vorweisen kann, die wirken, als wären sie ein Teil in ein und derselben Story. Mitten im Geschehen, verwundert und orientierungslos den merkwürdig aneinandergereihten Mosaikstücken der Handlung folgend, wünscht sich der Zuschauer etwas Banales, wie das Erscheinungsdatum würde Anhaltspunkte für den Wahnsinn geben, welcher sich einem in Form von beziehungslosen Akteuren bzw. Kreaturen und ihrem gelegentlichen Aufeinandertreffen anbiedert. Es stellt sich somit die Frage, was schief laufen konnte, obwohl ein anständiges Budget von 3,4 Millionen US-Dollar zur Verfügung stand, zudem eine US-amerikanisch-japanische Zusammenarbeit authentische Drehbedingungen auf dem ostasiatischen Inselstaat sicherstellte und sowohl der prämierte Kameramann Barrett (Kiss Kiss Bang Bang, Ted) als auch der mitwirkende Schreiber Simon Barrett (You’re Next, Blair Witch) [verwandt oder doch nur Namensvetter] gemeinsam über das notwendige Maß an Erfahrung verfügten, um einen zumindest erträglichen Mix aus altbekannten J-Horror-Elementen zu kreieren. Doch weit gefehlt, denn Temple ist zum Schaudern wunderlich, ja gerade eben gruselig in seiner Kunst allem einen unbeständigen Touch zu verleihen, der den Zeugen dieser forciert-ungewollten Mittelmäßigkeit am eigenen Urteilsvermögen zweifeln lässt. Es macht sich ein unangenehmes Bauchgefühl breit, dass nur vergleichbar mit der Wirkung einer Telegram-Ansprache Michael Wendlers ist, in der er berichtet, dass keine Normalität mehr herrscht und nur eine Flucht in die in Corona versinkenden Vereinigten Staaten jetzt noch Sinn macht, wo sich die Bundesregierung mit ihren Anti-Pandemie-Maßnahmen gegen uns alle verschworen hat und die Tilgung seiner Schulden noch im vorigen Augenblick nur eine schlechte RTL-Show entfernt zu sein und ihm ein verträgliches Leben mit gesunden menschlichen und geschäftlichen Kontakten zu ermöglichen schien. Gefasel Ende. Schwindelgefühl an. Doch eins nach dem anderen, denn ein Bezug zum Film soll schließlich gleichfalls gezogen sein.

Handlung, Fallstricke, Befremdlichkeit

Kate ist das Abziehbild einer jungen, attraktiven Studentin, die sich für vergleichende Religionswissenschaften interessiert, da dies eine passende Kausalität zum betitelten Tempel-Ausflug ist. Weil ihr Freund Chris, der ziemlich schräg daher kommt, aber ein gutes Herz hat, nebstdem seinen Bruder bei einem schrecklichen Unfall verlor, arrangiert sie einen Trip nach Japan, um ihm ein erfrischendes Abenteuer zu bieten. Überraschenderweise lädt sie ebenfalls ihren festen Womanizer-Freund James ein, der sie ab ihrem Wiedersehen in der Eingangshalle ihres Hotels in Tokyo in regelmäßigen Abständen befummeln wird und Chris zum dritten Rad degradiert, dass während des folgenden Bummels durch Japans aufregende Hauptstadt, wie in Trance durch eine Kamera starrend, konfus durch die Gegend rollt. Doch Chris spricht passabel japanisch und ist deswegen irgendwie nützlich auf einer Reise, die eigentlich seiner mentalen Verfassung zugutekommen sollte. Blah, Blah, Blah, Kate findet ein mysteriöses Buch in einem Ramschladen, vor dem sie die Verkäuferin warnt, aber Chris wird später zurückkommen, weil der kleine Geisterjunge es ihm in Abwesenheit der Besitzerin verscherbelt. Was? Kleiner Geisterjunge? Ja, ist egal, weiter im Kontext. Die drei Machen sich auf dem Weg zum Dorf, über dem der Tempel liegt, weil der Barmann, den Chris zufällig kennenlernte, dort geboren wurde und ihm eine Wegbeschreibung aufgemalt hat. Sie erscheinen also später im Dorf und die letzte Handvoll Bewohner so: „Och ne Amerikaner.“ Aber die alte Frau, bei welcher der Geisterjunge wohnt und die sich um ihn kümmert, ist ganz nett und lässt die nervenden Touris in ihrem traditionellen Heim übernachten und nein, der Geisterjunge hat eigentlich nichts mit dem Buch zu tun, sondern mit dem Schrein, aber musste ja kurz in Tokyo erscheinen, um Chris das Buch anzudrehen. Also wirklich alle wissen, dass er tot ist, außer die drei Amerikaner (oder Briten, ich habe verdrängt, ob das erwähnt wird). Sie lassen sich also vom kleinen Geisterjungen zum Schrein führen, nach einer semi-gespenstischen Nacht, in der das verrückteste Chris war, der Kate und James beim Geschlechtsverkehr filmt und sich vom sensiblen Einzelgänger zum unangenehmen Freak steigert – und einen Dämon oder so was sieht, aber das hat er auch schon in Tokyo, wegen der Aura des Buches. Ach so, in Tokyo waren Chris und James zwischendurch in einer Disco, in der James seine wahre Natur zeigt, als er eine Japanerin auf der Tanzfläche betatscht. Anstatt einzuschreiten oder Kate mit diesem Wissen zu konfrontieren, selbst nicht, als sie Chris vom heimlichen Schwangerschaftsabbruch von James‘ ungeborenen Baby erzählt, von dem James nichts weiß, filmt er die Szene nur so für sich – was soll das alles, was sind das nur für Typen? Okay, nun sind wir schon beim Tempel, der Geisterjunge ist bereits nach Hause gegangen, weil er da sein muss, bevor es Dunkel wird. Chris hat sich ein Bein gebrochen und James wird von der Fuchsgöttin getötet, um die es auch in dem Buch geht, sie bewacht nämlich den Tempel. Eigentlich spukt es dort aber wegen einer Gruppe von Kindern, die anno Feuerzeug von dem Mönch des Tempels umgebracht wurde, der daraufhin von einem wütenden Mob umgebracht wurde, aber sich die Freddy-Krueger-Nummer gespart hat und ist einfach tot geblieben. Chris wird jetzt von den toten Kindern im Tempel angegriffen, während sich Kate in der Miene verläuft, die James beim Pinkeln gefunden hat. Ach ja, aber eigentlich sind das alles Erinnerungen von Zombie-Chris, der von einem Professor über die Ereignisse befragt wird und bei seiner Flucht den Übersetzer umbringt, während der kleine Geisterjunge draußen auf dem Flur auf ihn wartet. Das ist das Ende und man hofft einfach, dass Chris Flucht keinen Anlass für eine Fortsetzung bietet, also so wie bei Michael Wendlers Flucht nach Amerika. Da der Film nur 78 Minuten misst, fragt man sich dann noch einmal, wo hinein das ganz ordentliche Budget geflossen sein soll. Außerdem habe ich jetzt sowohl Bock auf als auch Mitleid mit Japan. Sumimasen, Leute! Review Ende. Schwindelgefühl bleibt.

Michael Barretts Temple ist zurzeit auf Netflix streambar – oder besser nicht.

„Egal.“ – Michael Wendler

The incredibly hopeful interview with Being Still

It is self-evidently a good sign, if a young and striving band gets compared to as many classic role-models of a scene as possible. In this matter Being Still, upcoming post-hardcore hope of Ocean City, New Jersey, US, are a contender for the Highscore, getting mentioned next to the names of Thursday and La Dispute alike. Melding progressive melodic ambient parts with old-school emocore elements their debut release Scattered Out of Focus Lights delivers an intriguing new sound to reckon with. Today I am happy to greet them as guests for an extra positive talk about how to stay hopeful, while 2020 is burning on both ends.

Thank you so much for joining me to talk about your project in these troubled times. How are you doing right now? I hope everyone is healthy.

Sean: We’re both doing well! We live with our partners and keep to ourselves mostly, so we’ve been able to keep things pretty simple during all of this.

Let´s kick it off with some major positive vibes. What is the best thing that happened to you as of yet in 2020, despite devastating incidents like the pandemic and the tragic events that started political riots all over the world?

Sean: Honestly, one of the best things has been the time and ability to interact regularly with our fans through social media. We put up merch for the first time and had way more sales than either of us were expecting, we watch all the stories that people tag us in, we’ve met and talked to several podcast teams, we see the excited comments on our videos, and it’s hard to beat all of that. And while we can’t get out and see people or travel to the places we had planned, we get to watch horror movies whenever and play games online with friends. It’s not the high life but you have to focus on what’s in front of you and what you do have. Community and support is essential for both of us.

Like I mentioned, a lot of people are connecting you with their favorite bands soundwise. What is the best correlation a fan has done by now?

Sean: We smile a little too hard when A Lot Like Birds or La Dispute come up. Those bands defined so much of our growth as musicians that it’s endlessly flattering.

Your first music, a six tracks including ep called Scattered Out of Focus Lights, officially dropped in February 2019 and excited listeners with a wild but compatible mix of different emo genres like The Wave (La Dispute, Defeater) and post-hardcore (As Cities Burn, Saosin). On your Bandcamp page you link the tag ambient-post-hardcore, which I think is absolutly fitting, as you often play with the extremes of chaotic rock passages and leave much room for gentle atmospheric melodies that gift the songs with an unexpected depth. What do you enjoy most about creating this kind of music?

Sean: It’s really simple: the variety. The first EP is full of different sounds and emotions that were all experiments in music we hadn’t been able to play with other people before. Finding each other was a blessing in that sense. We know what is fun for us to play and so we write songs that allow us to play those parts. It’s not all blast beats and soaring cleans, nor is it all vamping and reverb. We mix in flavors as they seem to fit and we’re constantly expanding our palette to try and deliver something that feels different than the last song we wrote, yet keeps the Being Still sound at its core.

You need to eat well and sleep well to stay positive and lead a happy and healthy life. What is the food that recharges your batteries best and makes you happy?

Sean: We’re both veg-heads and try to be health conscious. (Not always successfully.) Before we head anywhere, you will usually find us eating pasta and tomato/cucumber sandwiches rather than snack food. And we drink tons of water.

Ever since My Chemical Romance´s 2006 Song Cancer the door for tragic plots in the lyricism of emo bands has been violently kicked open, especially of course regarding stories that cover sickness. Your track Winter Scene (see the lyric video here) seems to embrace the darkest moment on your current release, when it covers a dreadful situation between a father and his sick son and leaves little hope for a happy ending. What are the most uplifting songs / records that you know and got you through the desperate times of isolation?

Sean: I’ve been a little obsessed with the song Basement Show BB by Cheem. It dropped just in time for this summer and it became an anthem on car rides for a while. It’s the right balance of goofy meets dancey. If I need something more intimate, I’ll reach for albums like Romance Is Boring by Los Campesinos! or E*MO*TION by Carly Rae Jepsen. Very different moods but they all feel upbeat without being overly saccharine or inauthentic.

Joey: Oh man, a lot of old Senses Fail and AFI records got me through tough times. Just growing up and being a kid I had those records to relate to, but now more than ever it’s not listening to music but writing it that helps me get through the hard times in my life. It’s like therapy to me, I need it.

Even, if it is the best part about your life, to be in a band can be very stressful. Beginning with the organisation, the struggle to grow as a team and the wish to stay relevant for your fans. What are your sources of power that give you the strength to continue to make music / together?

Sean: There’s a lot of little things we could point towards, but at the end of the day, no matter what you do, there is always a voice inside you that tells you to create. You hear an intense song or album, watch a gorgeous movie, witness a stunning piece of art, read incredible writing, and you instantly know that you have to do this. You have to give back in some way, or contribute to this movement/community, and if you don’t then you’re denying a part of you. For us, we do that through music and about a thousand other little creative projects. Sometimes it’s frustrating when the ideas don’t come out or your hands don’t do what you want them to do. But that all stems from the desire to create, and there’s nothing you can really do about it because that voice doesn’t go away.

The great news is out for a while now. You are working on a new record and have been able to announce a very special guest appearance on one of the songs everyone is thrilled about. Please give us an outlook on what is to come.

Sean: We think the second EP will be very similar to the first. It actually starts right where the previous one ends with Haunter Part 2, so that’s built into the structure itself. Incredibly, it will feature Shane Told of Silverstein. We’ve already heard his takes and those parts bring so much energy to the song. We can’t wait for you to hear it. At the same time, we’re constantly refining our sound and sanding off the elements that didn’t work before. At this point we can write something and say “That’s Being Still.” We say it all the time. We know it as soon as we hear it. And we hope our fans will know exactly what we mean, too.

Not only due to the hardships of the pandemic, but also the political trench warfare that is happening all over the world right now it´s tough to maintain a reasonable mindset and contribute to change things for the better. What are your tactics to navigate through all of this uncertainty, avoiding to get influenced by fear and desperation?

Sean: We’re both lucky to have incredibly supporting and patient partners. It’s affirming to constantly have a friend and sidekick regardless of where you are or what is happening. And through everything, it’s important to stay open. We try to listen to other people and make some sense of what’s going on around us. Leaning on friends and being open with them about how we’re feeling staves off the loneliness of feeling lost in world. Community helps ground us and gives us perspective. Sometimes, that community is music or another form of art. We know that people need people so we try and do our part in that way.

Please take this opportunity to speak directly to the readers and let them know anything you want to.

Sean: For any fans, new or old, we’d love to meet you when we can get back on track and playing shows again. We seriously do keep a close eye on our social media and try to show our appreciation to those who connect with our music. We like to see how and where people are listening to our music so please keep showing us! If you’ve never heard of us, we hope you’ll tune in for our next project and take some small part of it with you. If you make music or art, send it to us! We’d love to see what other people are up to during this time. We’re constantly inspired by you all. We’re doing everything we can to get our new music shaped up and out to our audience, so hopefully that will be in your ears soon.

Der Fall Rowling und das Bildnis der alten weißen Frau

“Youth can not know how age thinks and feels. But old men are guilty if they forget what it was to be young.” ― J.K. Rowling, Harry Potter and the Order of the Phoenix

Was haben Joanne K. Rowling, die Familie Kennedy und Robert Downey Jr. gemeinsam? Ihre Namen sind vielen von uns auch als Akronyme ein Begriff. So ist das eben, wenn man wahnsinnig berühmt ist, da fliegen einem die coolen Spitznamen einfach zu. Vermutlich wäre JKR heute genauso JKR, wenn ihr kein gesellschaftlicher Knebel vorgeschrieben hätte, ihre Bücher als J. K. Rowling zu publizieren. Doch der Verlag entschied anno Quidditch, dass die Erkenntnis, die Harry-Potter-Serie werde von einer Frau geschrieben, eine gewisse Zielgruppe von jungen männlichen Lesern vergraulen könnte. Ob diese Vorgehensweise auf einem rein finanziellen Motiv basierte, ist heute nicht mehr wichtig, denn würde sich die Vertuschung von Joanne K. Rowlings Geschlecht dieser Tage als valide herausstellen, so hat sie in retrospektive einer Menge junger Knaben eine fantasievolle Welt eröffnet, die ihre Kindheit gewiss bereicherte, vor allem um einen unwiderstehlichen Anreiz, ein Buch anstatt eines Game Boy in die Hand zu nehmen. Und dennoch ist diese Begebenheit interessant, ja sogar unbedingt erwähnenswert in einer Zeit unerbittlicher Kämpfe zwischen Menschen, welche die Wahrung ihrer Identität gefährdet sehen. Es geht um einen panischen Diskurs, den die Schutzheilige aller Kinderbuch-Schreibenden, Joanne K. Rowling teilweise selbst mit einer starken und zu gleichen Teilen fragwürdigen Meinung befeuerte.

Identität im Angststrudel

2019 begann das Drama um das, was Rowling über die Inklusionsansprüche der transgeschlechtlichen Szene zu sagen hatte, zu sagen versuchte bzw. eigentlich mit einer Mischung aus Kurznachrichten und Blogeinträgen über ihre Haltung gegenüber dem binären Geschlechtersystem und seiner Legitimität zu meinen dachte. Kurz und bündig vertrat sie dabei eine konservative Haltung, welche die Etablierung eines dritten Geschlechtes als unakzeptabel behandelte. Angefangen mit ihrer Affinität für die Aussagen der umstrittenen radikalfeministischen YouTuberin Magdalen Berns verdichtete Joanne K. Rowling im weiteren Verlauf des Jahres fortschreitend ein Meinungsgebilde, welches den Eindruck hinterließ, dass ihr Antrieb nicht ausschließlich aus dem Willen bestand, das weibliche Geschlecht vor der endgültigen Relativierung zu retten. Ebenso hinterließen ihre Äußerungen einen trotzigen Beigeschmack, der auf dem entsetzten Widerstand ihrer bis dato schier unendlich ergebenen Fangemeinschaft begründet schien. Der Stachel saß tief bei jenen, die sich durch ihr biologisches Geschlecht unwiderruflich gebrandmarkt fühlten, Feministinnen wie Rowling, welche die Auflehnung gegen das altertümliche Modell des Patriarchats durch die schrille Stimme der Transgenderbewegung torpediert sahen und den Ultrarechten, welche dachten, dass sie sich durch die bloße Kraft ihrer blinden Wut und wüsten Beschimpfungen gegen jegliche Anbahnung einer modernen Auslegung der Geschlechterverhältnisse zurück in die Vergangenheit prusten könnten. In einem großen Strudel aus Angst um die Sicherung der eigenen Identität drehten sich die beteiligten Parteien weiter um einen vermeintlich nicht greifbaren Konsens. Rowling unterstützte persistent konservative Stimmen wie die der gefeuerten Steuerfachfrau Maya Forstater, welche sich durch Twitter-Posts gegen die Akzeptanz von Transfrauen- und Männern um ihren Job gebracht hatte, und machte sich noch im Juni dieses Jahres mit einer Nachricht unbeliebt, welche die Menstruationsfähigkeit als absolute Voraussetzung für die Zuordnung zum weiblichen Geschlecht verkündete. Doch wer glaubt, dass währenddessen auf der Seite der Befürworter einer bedingungslosen Inklusion von transgeschlechtlichen Menschen eitel Sonnenschein herrschte, der irrt. Von individuellen rationalen Diskursversuchen, welche auch die eigenen geforderten Integrationsmaßnahmen infrage stellten, bis zu verbalen sexistischen Angriffen, die vor keiner Generalisierung andersdenkender zurückschreckten, sprach auch im vorgeblich progressiven Lager dieses Konfliktes die Furcht in lauten wie leisen Tönen aus den Mündern und Online-Accounts der Protestanten.

Dumbledore, du fehlst!

Nun schreiben wir den 05.09.2020 und es darf behauptet werden, dass sich die Unruhen zumindest mit dem Fokus auf die Meinung einer der noch immer und trotz alledem beliebtesten Schriftstellerinnen der Welt beruhigt haben. Fraß sich der Schock doch gerade deshalb so in die Herzen junger und alter Fans, da die Harry-Potter-Bücher mit ihrer Warnung vor und Verachtung der totalitären Herrschaftsbestrebungen böser Kräfte und den Siegeszug des Guten verkündend, ein leidenschaftliches Plädoyer für die Macht der Vernunft darstellen. Joanne K. Rowling scheint sich derweil vollends über die Tragweite ihrer kritischen Aussprache bewusst geworden zu sein und diese zu bedauern. So trafen die Akronyme JKR und RFK erst vor wenigen Tagen tatsächlich im echten Leben zum Anlass eines zerknirschten Ausdrucks von Verantwortungsbereitschaft aufeinander. J. K. Rowling gab den ihr verliehenen Menschenrechtspreis von der gemeinnützigen Organisation Robert F. Kennedy Human Rights (RFKHR), nachdem Kerry Kennedy (60), die Vorsitzende der Organisation und eines der Kinder des 1968 ermordeten Robert F. Kennedy, sich kritisch über Rowling geäußert hatte, zurück. Auch wenn das Bildnis des alten weißen Mannes weiterhin als Symbol für jene verwendet werden wird, die jeglichen zukunftsweisenden gesellschaftlichen Wandel ablehnen, sieht es so aus, als ob J. K. Rowling aufgegeben hat, sich an dem Äquivalent als Verkörperung der alten weißen Frau abzuarbeiten. Nach all der Kritik an ihrer Persona ist es nun allerdings gleichermaßen von Nöten, Milde walten zu lassen. Die Jungen dürfen nicht vergessen, dass sie (noch) nicht verstehen können, wie das Alter denkt und fühlt. Irgendwann werden wir es sein, denen sich die Welt entschieden zu schnell dreht und uns dabei ertappen, wie wir der nächsten Generation vor der Angst vor Veränderung auf die Füße treten. Um diesen Punkt klarzumachen, braucht es in der Regel einen gelassenen Mediator, der die verfeindeten Parteien mit sanften Worten der Klarheit zur Vernunft geleitet. Doch wer ist dieser Aufgabe gewachsen, wenn es darum geht, den Menschen das bedrohliche Gefühl eines möglichen Identitätsverlustes zu nehmen. Wenn wir es nicht von alleine an einen runden Tisch schaffen, um unsere Sorgen deutlich und unaufgeregt zu artikulieren. Dumbledore, du fehlst.

Quellen:

https://www.zeit.de/kultur/2020-06/joanne-k-rowling-vorwurf-transfeindlichkeit-konflikt-twitter

https://www.stern.de/kultur/j–k–rowling—harry-potter–schoepferin-gibt-preis-zurueck-9395726.html

9GAG, Internet-Memes und das Clownsgesicht der Rechten

Seit 2008 macht sich die „humoristische“ Online-Plattform 9GAG mit einladenden Slogans, wie „9GAG, your daily source of fun“ und „Go Fun yourself“ einen umstrittenen Namen. Einen Eintrag in die Geschichtsbücher des World Wide Web sicherte sich das Portal insbesondere bis dato für die Etablierung des Internet-Memes als gesellschaftsfähige Form der Instant-Scharfsinnigkeit. Grundsätzlich handelt es sich bei dem gemeinen Meme um einen audiovisuellen Bildbeitrag, manchmal lediglich einen Screenshot, der mit wenigen Worten oder sogar unkommentiert eine erheiternde Wirkung auf die EmpfängerInnen ausüben soll und sich daraufhin viral verbreitet. Aufgrund der Schlichtheit dieser komödiantischen Informationsvermittlungen verschickt heutzutage sogar Oma lustige Fotos, die Kunden im Supermarkt zeigen, welche sich gegenseitig mit der letzten Packung Klopapier vermöbeln. Einfacher Humor in Zeiten, in denen grüne Kids, die mit nervtötenden Parolen die Straßen unsicher machen, alles verbieten wollen. Was kann daran falsch sein? Die richtige Frage lautet nicht, wer am Ende lacht, sondern wer es lieber nicht tun sollte. Go Fun The World heißt der aktuelle Untertitel der Homepage, der alle Menschen zu einem großen Gelächter anstiften will. Doch Vorsicht ist geboten, denn die 9GAG-Community lacht nicht mit der Welt, sondern über sie.

Propaganda im Zeichen des Nihilismus

Richtig ist vermeintlich, dass 9GAG als soziales Medium bezeichnet werden kann, welches sich bei der Generierung von Content hauptsächlich auf ein aktives Engagement seiner User verlässt. Auch fragwürdiges Bildmaterial wird so gesehen lediglich weiterverbreitet und nicht von 9GAG produziert. Allerdings sorgte gerade dieser Sachverhalt in der Vergangenheit oft für besorgniserregende Erkenntnisse über die Fahrlässigkeit, mit der die Unternehmer ihre digitale Gemeinschaft schalten und walten lassen. Rassistische, frauenverachtende und anderweitig diskriminierende Inhalte werden mutmaßlich nicht überprüft oder gemaßregelt (vgl. Wagener, Creating Identity and Building Bridges Between Cultures: The Case of 9gag, 2014). Ja, es kann nicht anders beschrieben werden, sie machen 9GAG zu dem, was es ist: Eine unter einem Zirkuszelt verborgene Organisation, welche jegliche Werte- und Moralvorstellungen negiert und jene mundtot macht, die sich gegen eine Etablierung von Anstand und Manieren einsetzen. So wirft diese Erkenntnis die Frage auf, warum all dies überhaupt erst unter dem Deckmantel des Humors stattfinden muss. Dafür gibt es schließlich politische Parteien, in denen Ignoranz und geschichtsvergessene Ideologien an geselligen Stammtischabenden frei ausgelebt werden dürfen. Das Problem ist, dass es den dominanten Tastatur-Fernkämpfer/n/innen, welche sich mehrheitlich durch eine toxische maskuline wie heterosexuelle Gesinnung zu definieren scheinen, nicht um etwas geht und schon gar nicht, um etwas zu verändern. Es geht ihnen genau genommen, um nichts. Sie propagieren einen Nihilismus, der, wenn er tatsächlich etwas leisten soll, so wenig an sinnvollem Output zu bieten hat wie die AfD während der Corona-Pandemie. Nicht umsonst ist das Lieblingsemoji der Rechten das Clownsgesicht, welches immer dann zum Einsatz kommt, wenn sie mit ihrem Erzfeind, der bösen Vernunft konfrontiert werden. All jene, die den Diskurs suchen, werden dummdreist veralbert. Anstatt eine Maske in der S-Bahn zu tragen, wird stattdessen ein ironisches Clownsgesicht aufgesetzt, um das Gegenüber zu schockieren. Verstehen Sie diesen Witz etwa nicht?

Wir sind mehr und können es besser

Es wäre falsch zu behaupten, dass es keine Memes gäbe, die gesellschaftliche Missstände auf eine smarte und nicht-diskriminierende Art und Weise anprangern, sich für einen kulturellen Pluralismus einsetzen, oder gar, dass es sträflich ist, über Memes zu lachen (vgl. Gutierrez III, Representations and Discourses in Internet Comedy, 2015). Doch letzten Endes bedienen sie sich einem weiteren Mittel der Rechten und zwar dem Basic-Talk, der zu wenig erklärt und keinen Diskurs zulässt. Die Vorgänge in unserer Gesellschaft sind zu komplex und wichtig, um sie anhand eines Internet-Memes, dass als Klamauk getarnt ist, zu beschreiben. Wir sind mehr. Wir können es besser. Wir müssen reden, jedoch nur mit denen, die ohne Clownsgesicht auskommen.