The World is a Beautiful Place & I am No Longer Afraid to Die – Formlessness, EP-Review: vom Gehen, Bleiben, Zurückblicken und nach vorne Schauen

Der Tod ist eine Metapher für die Veränderung, die Geburt ein symbolischer Neuanfang. Dazwischen verläuft der schmale emotionale Grad auf dem sich die EP Formlessness bewegt. Ihre Macher haben einen dazu passenden Namen, der so lang ist, wie er pathetisch anmutet. The World is a Beautiful Place & I am No Longer Afraid to Die (die von hier an als T & I bezeichnet werden) starteten 2009 ihre musikalische Karriere, ohne das Wissen, dass sie sich durch ihren eigenen Stil innerhalb von wenigen Jahren zu einer der bekanntesten Bands  ihrer Szene entwickeln würden. Ihr poetischer Titel passt dennoch ungemein gut zu ihrem Konzept, denn T & I stehen für die Vertonung der großen existenziellen Fragen. Nach einer Demo im Jahre 2010, veröffentlichten sie mit genannter EP noch im selben Jahr ihr erstes professionelles Release. Formlessness erzählt in vier Songs eine Geschichte, in der es um das Erwachen in jungen Jahren geht, der quälenden Entscheidung zwischen gehen und bleiben und dem Moment, in welchem einen die Last nicht mehr so schwer vorkommt und man sich endlos mächtig fühlt, als ob einem nichts was da noch kommt jemals erschüttern könnte. Es folgt eine theatralische Analyse.

Kapitel 1

Jeder kennt das Gefühl dieser Ohnmacht, der Kraftlosigkeit, wenn sich jede Anspannung der Muskeln vergebens anfühlt. So beginnt die Erzählung mit „Victim Kin Seek Suit“ auf dem Boden, wo sie nur so herumliegen, im dunklen und an einen guten Freund denken, der sich längst aus dem Staub gemacht hat [leise Gitarrenklänge im Hintergrund]. Er hat ihnen damit die Augen geöffnet, doch ihr Wille ist schwach, ihre Körper sind das Fleisch, dass sie, wie ein Anker, von neuen Taten abhält. Was wird jetzt aus ihnen? Sie bitten um Licht [plötzlich, ein orchestraler Aufschrei, sowohl Gitarre, Bass, als auch Schlagzeug sind hellwach]. In der Nähe steht ein Apfelbaum, wie ein offener Sarg. Er steht für all die Erlebnisse, all das was war, was es nun zu begraben gilt.

„Where are you and where have you run to? Where are you and why don’t you just come home?“

Kapitel 2

Es ist Zeit zu gehen („Gordon Paul“). Etwas Neues ist zu schaffen. Ein Heim findet sich in einem Haus, in dem für alle Platz ist [jazziges Gittarenspiel, entspannter Drum-Beat, unbeschwerter Gesang]. Dieses nächste Kapitel verbindet sie. Schon jetzt ist klar, dass es für immer ein Teil von ihnen sein wird. Sie sind die eigentlichen Wände, der Rest steht ihnen nur im Weg. Es bedarf einer Renovierung. Das Alte muss raus oder verbrannt werden [es herrscht Aufregung, chaotische Synthuntermalung, funkiges Riff, aus lethargischem Mitsummen wird ein hysterisches Schreien]. Sie haben keine Angst vor dieser Aufgabe, das reden sie sich ein, doch wenn es an der Tür klingelt, dann erschaudern sie. Es liegt Spannung in der Luft, die sie beflügelt. Dieses Haus hat nur darauf gewartet, dass es jemand mit leben füllt.

„We will become everything, we’ll shatter as the doorbell rings“

Kapitel 3

„Walnut Street is Dead (Long Live Walnut Street)“ [Bassline auf der Gitarre] Lang lebe ein Ort der Geborgenheit, der schon immer da war [Ride-Geklimmper auf dem Schlagzeug]. Es ist die Gegend, in der sie aufgewachsen sind und dabei fundamentale Erfahrungen gesammelt haben. Ihr Freund scheint jetzt so weit weg, doch manchmal noch immer die Sehnsucht nach mehr in ihnen zu entfachen. Er hat die sichere Flucht gewählt, dorthin wo ihn niemand kennt, er ein unbeschriebenes Blatt ist. Gut für ihn, doch sie haben sich entschieden zu bleiben. Sie können wieder atmen, da wo das Altbekannte vor ihren Augen vergeht [optimistischer Ausklang, schillernde Gitarren, Schlagzeug begleitend].

„As for us, we’ve figured out exactly how to breathe With vanishing lungs like these“

Kapitel 4

[Helle elektronische Klänge, dann eine Gitarrenwand, Bass und Schlagzeug bekräftigen diese] („Eyjafjallajokull Dance“) Das Morgenlicht strahlt durch ein Fenster. Hoffentlich bleibt es noch eine Weile so [Ruhe, atmosphärische Synthpassage]. Alles fühlt sich grade richtig an. Nichts belastet sie. Wieso kann es nicht einfach so bleiben? [melodiöse Gitarren, treibende Taktangabe des Schlagzeugs]. Für einen Tag werden sie Helden sein, doch am Abend werden wieder Zweifel in ihnen wach, gefolgt von den immer wiederkehrenden Fragen. [ein letztes Aufbäumen aller Instrumente, abschließendes Drums-Solo, dann fade-out der Gitarren] Was ist besser? Zu gehen oder zu bleiben?

„Open up the window and let the morning light in I keep holding on to, I keep begging myself Today we are superheroes but tonight we’ll just be tired“

das Ende / der Anfang

Prädikat zur EP: Experimenteller Emo mit viel Gefühl.


© Beitragsbild: The World is a Beautiful Place & I am No Longer Afraid to Die, bandcamp

Hearthstone und das Verstehen von Spelunken

Als Kind habe ich diese Orte als unheimlich empfunden, jene für Außenstehende verlassenen Spelunken mit den Spielautomaten. Sie waren für mich ein Indikator für die Zwielichtigkeit einer Gegend. Wer sollte sich darin aufhalten, wenn nicht Schurken und Herumtreiber, die ihr Klimmpergeld loswerden wollten und das Tageslicht scheuten. Vermutlich stank es dort nach Bier und Zigaretten. Weil die zahlende Kundschaft nach Bier und Zigaretten stank und sich niemand bereit erklärte ab und zu irgendwas zu putzen. Zum Beispiel die einarmigen Banditen oder was es sonst an Glücksspielgerätschaften gab. Und was war das für eine Leidenschaft, die Menschen für solche Spiele begeisterte. Münze einwerfen, Knöpfe drücken, Bilder abwarten. 7. Zitrone. Pflaume. Mist, kein Gewinn. Vielleicht war ein anderer Automat spendabler. Münze einwerfen, Knöpfe drücken, Bilder abwarten. Krone. 20. 90. Wieder nichts. Da lobte ich mir meinen Super Mario mit dem ich auf dem Game Boy meine Geschicklichkeit testen, Gegner besiegen und abenteuerliche Level abschließen konnte. Bis zum heutigen Tage habe ich keines dieser Vorstadt-Casinos je von innen gesehen und bin immer noch nicht scharf darauf. Seit ich mich jedoch wieder einmal bei Hearthstone eingeloggt habe, kommt es mir vor, als könnte ich die Faszination für Spielautomaten mit Geldgewinnmöglichkeiten verstehen. Ich stieß nach langer Pause erneut auf Hearthstone, weil ich keine Lust hatte ein Triple-A-Game mit einer riesigen Kampagne und komplizierten Spielmechaniken zu beginnen und verfiel kurzerhand der Mobile-Version des Online-Sammelkartenspieles von Blizzard. Das Gameplay ist einfach, die Prozedur sich zu verbessern simpel für jemanden dem Vorläufer des Genres, wie Yu-Gi-Oh und Magic: The Gathering bekannt sind. Gespielt wird mit einem Helden, der ein Deck aus Monster- und Zauberkarten befehligt. Diese werden durch den Einsatz von Mana beschworen. Das Ziel ist die Vernichtung der Lebenspunkte des Gegners. Duelle werden gegen den Computer oder andere User ausgefochten. Hinzukommen Modi, welche sich durch Storylines und Rätselaufgaben abheben. Passenderweise ist das Setting eine Taverne, der Ort, an dem im Mittelalter Fremde und Freunde zum Kartenspiel aufeinandertrafen. Und letztendlich bleibt Hearthstone ein Spiel, von dem man sich ohne einen geistigen Kraftaufwand berieseln lassen kann, denn es basiert auf dem Papier-Stein-Schere-Prinzip. Papier, das sind die Angriffswerte der Monster. Stein, die Verteidigungswerte. Schere, die Unterstützungseffekte, die das eine oder andere verstärken. Wer cleverer aufgestellt ist, der siegt. Und die richtigen Karten bekommt man nur durchs zocken. Eine Partie. Noch eine. Wieder und wieder. Während der nächste Kontrahent gesucht wird, dreht sich ein klappernder Slot. Wie es in den Spelunken eben üblich ist, bei den klebrigen Automaten. Jetzt sitze ich da, an einem sonnigen Tag. Die Rollladen sind nur um ein Viertel hochgezogen. Battle.net sei Dank kann ich zum Laptop wechseln und spiele nun mit meinem Account auf einem größeren Bildschirm als dem des Smartphones weiter. Es muss zwielichtig aussehen, wie ich da am Esstisch hocke, in der halb verdunkelten Ecke meines Zimmers, für zwei oder drei Stunden. Wieso steigt mir bei dem Gedanken der Geruch von Bier und Zigaretten in die Nase? Ich drücke die Tasten der Maus und warte auf neue Bilder, die meine Gewinnchancen hoffentlich steigern werden. Magma Rager. Silverback Patriarch. Angry Chicken. Diese Runde ist verloren.


© Beitragsbild: Blizzard Entertainment, getwallpapers.com

Windows96 – One Hundred Mornings, LP-Review: Gute Nacht, Internet

Der digitale Horizont ist wunderschön. In verlorenen ewigen Nächten, in denen eine Reise ohne ein wahrhaftiges Ziel gehaltvoll und bedeutsam sein kann, liegt er brach in der Ferne. Als Wegweiser und Platzhalter, denn diese Gefilde sind endlos. Er dient nur als Kulisse, um den Verstand einer vor ihm wandernden Seele zu beruhigen. Wie die Zeit vergeht, an einem dritten Ort, der alles verspricht und es einhält.

„A setting beyond home and work (…) in which people relax in good company and do so on regular basis“ – aus Third Places nach Ray Oldenburg

Willkommen im Internet. Bleibt für immer. Wer würde dieses Reich wieder verlassen wollen, in dem jeder alles sein kann, alles finden kann, alles fühlen kann, ohne Anstrengungen und in dem keine Schwerkraft herrscht. Wo alle Antworten zu finden sind und niemand alleine sein muss. Der Rausch setzt unbewusst ein. Klick. Ein Daten-Strudel öffnet sich und ein neues Kapitel bahnt sich an. Klick. Es fühlt sich gut an frei zu sein, denn der Sog übt keine Gewalt aus. Er ist bequem, die einwirkenden Kräfte entspannend. Um einen herum ziehen Werbungen vorbei und tropfen leise in das Lichtermeer. Stimmen hallen aus ihren Richtungen. Warme Bariton-Vibrationen enthüllen neue Produkte. Der Konsum ist Teil der Erfahrung. Kühle Getränke, lebendige Communities, der passende Film, Online-Spiele und aktuelle Mode. Jedes Bedürfnis wird befriedigt. Die Flucht vor der Wirklichkeit ist ein künstliches Unterfangen. Nein, sie ist künstlerisch. Und wer der Leidenschaft für ihre Kunst erliegt, sich gar vollkommen fallen lässt, wird möglicherweise nie wieder auf einen Boden der Tatsachen gelangen. Jedes Video, jeder Live-Stream und jeder zum Eintritt zugängliche Chat-Verlauf sind ein neuer Sonnenaufgang in den weiten des World Wide Web, in denen nie Ruhe einkehrt.

SONNENUNTERGANG

„Caligula“ erblüht mit wabernden Synthesizer Klängen, die sich für einen Moment in eine elektronische Orgel-Passage wandeln und eine zeremonielle Atmosphäre schaffen – doch die Messe ist längst gelesen. Der Körper brauch endlich Schlaf, um sein spirituelles Chache zu säubern. Mit „Visage“ (Track 2) ergibt sich ein Thema, dass durch geisterhafte Hintergrundeffekte ein fundamentales Detox vorbereitet: mal sphärisch („Visions II“), mal verregnet („Bliss“) und hier und da melodiös. Als Fundament des Albums dienen die markanten Beats eines elektronischen Drumsets, die dennoch stets genug Spielraum für interessante Vaporwave-Interpretationen lassen. Das gedimmte futuristische „Mind Mirage“ ist ein passender Ausklang, nachdem „Rituals“ mit einem Hauch Tropicalia noch einmal für positive Energien sorgt.

One Hundred Mornings (Juli 2018) ist die bis dato letzte LP des brasilianischen Musikers Gabriel Eduardo. Ein Weckruf für jene, die ihren Geist zum Download freigegeben haben und beruhigender Alarm, der zu verstehen gibt, dass es Zeit ist sich vom digitalen Horizont abzuwenden.

Prädikat zur LP: Melodischer Chillwave für Nachtschwärmer.


© Beitragsbild: win96, bandcamp

Turnover – Peripheral Vision, LP-Review: Hallo Euphorie

Es gibt in diesem Leben so viel zu erreichen, so viel zu tun und einzuhalten. So viel zu verdienen, ohne dass ein Bewusstsein dafür herrscht, wofür es ausgegeben werden soll. So viele Türen, die für uns offen stehen. Hinter jeder von ihnen verbirgt sich ein neuer Weg, der ins Glück und zu Erfolg führen könnte. Doch da ist zu wenig Zeit, um jeder von ihnen eine Chance zu geben. Und es ist leicht den Verstand zu verlieren, wenn einem kein Einhalt durch natürliche Grenzen geboten wird. Wenn alles möglich scheint und gleichzeitig unerreichbar ist. Für ein einfaches Zahnrädchen in einer Maschinerie der Maßlosigkeit, deren Treibstoffe Stress und Druck sind. Ein futuristischer Alptraum, den die Menschen schon jetzt leben. Wer sich angesprochen fühlt, der sollte dranbleiben, denn es gibt ein musikalisches Gegengift für diese Art des modernen Wahnsinns. Der Name: Turnover.

Turnover sind eine Band aus Virginia Beach, Virginia (US), spannenden Diskographie. Angefangen als Pop-Punk-Band im Jahre 2009, brachten sie 2011 ihre selbstbetitelte EP auf die Bildfläche, die bereits hörbare Emo-Rock-Einflüsse hatte. Doch damit war ihre Verwandlung noch lange nicht abgeschlossen. Während ihr erstes Album mit dem Namen Magnolia, um 2013 einen ähnlichen Sound innehielt, aber deutlich verträumter anmutete, erschien Mitte 2017 das Dream-Pop-Release Good Nature, dass sich instrumental weiter von ihren Wurzeln entfernt hatte. Innerhalb der inzwischen vergangenen vier Jahre waren Turnover jedoch nicht untätig gewesen. Neben zwei EPs (Blue Dream, Humblest Pleasures), die jeweils als Bindeglieder der Veröffentlichungen fungierten, erschien 2015 mit dem Album Peripheral Vision eine Übergangsform, welche die Szene aufhorchen ließ.

Nicht ganz so handzahm, verspielter und mit mehr Biss als der Nachfolger Good Nature konstituierte sich Peripheral Vision als gefeierter Peak der Band. Turnover hatten sich von ihrem eingängigen Punk-Image abgewandt und waren vollkommen beim Shoegazing hängen geblieben. Mit Songs, wie „New Scream“ und „Hello Euphoria“, vervielfältigte sich lyrisch das Blickfeld, dass sich nun nicht länger ausschließlich auf das eigene Befinden konzentrierte, sondern einen Bezug auf ein Leben abseits von gesellschaftlichen Standards nahm.

„Adolescent dreams gave to adult screams Paranoid that I won’t have all the things they say I need What if I don’t want a pattern on my lawn? All I know is something’s wrong because everyday I’m Craving that new scream …“ – New Scream

Grundsätzlich blieben jedoch das Thema Selbstreflektion und die Empfindungen für nahestehende Menschen das Lebenselixier der poetischen Texte über alltägliche emotionale Zustände. 

„Bass guitarist Dempsey told Billboard about the meaning of this song:“ „Take My Head is about how it could be the best day and you’re surrounded by happy things, but you still want to be pissed off and sit by yourself.“ genius.com

Ohne die Tracklist mit einzubeziehen ist es schwer zu sagen, wo Peripheral Vision beginnt und endet. Die zweite LP Turnovers ist eine homogene Masse aus leichten Rock-Rhythmen und psychodelischen Melodien in den Fußspuren von Slowdive und My Bloody Valentine, welche dem Zuhörer die Augen schließen. Für 11 Songs heißt es, in einem Ozean aus Problemen zu versinken, die sich in einer Endlosschleife im Kopf abspielen, nach ihrem tieferen Verständnis aufzutauchen und in eine befreite Seele einzuatmen.


© Beitragsbild: Run for Cover Records, Bandcamp

Carlton – Carlton [Deluxe Edition], EP-Review: ein Schnellkurs in Unbeschwertheit

Der Tanz: ein Heiligtum. Die Persona: eine Legende. Die Kunstfigur Carlton Banks ist TV-Junkies als quirlige Nebenrolle aus der 90er-Jahre-Hit-Sitcom Der Prinz von Bel-Air bekannt. Einst verkörpert von Alfonso Ribeiro erreichte sie einen Kultstatus, der Will Smiths unerschütterliches Standing als einer der gefragtesten Newcomer auf den Fernsehbildschirmen gekonnt zu neutralisieren wusste. Der schelmische Oberlippenbart, das verschmitzte Lächeln und die leidenschaftlich zugeknöpfte Attitüde brachten einen eigenen Stil zu Tage, der sich gebündelt mit der Affinität zu Ausbrüchen maximaler Unbeschwertheit zu einem selten gesehenen Combo-Breaker entwickelte.

So war die Entrüstung legitim als sich der Entwickler Epic Games für das Spiel Fortnite unangekündigt an der verkörperlichten Aura des Meisters in Form seiner eigens kreierten Moves bediente. Dieser Fauxpas war keine Frage der Gerechtigkeit, sondern eine des Anstandes. Doch dort wo Platz für Gleichgültigkeit ist, gibt es immer Horte der Wertschätzung. Ein anonymer Internetmusiker widmete dem Namen Carlton bereits vor einiger Zeit ein ganzes Projekt inklusive eines homonymischen Mini-Albums. Vor kurzem erschien mit der Deluxe Edition eine Erweiterung des bisherigen Releases. Carlton von Carlton ist ein Schnellkurs in Unbeschwertheit. Eine Einführung in die Lehren des fortschrittlichen Dampfablassens.

Während der Song „Competition“ das Album in Old-School-Hip-Hop-Manier einläutet, wird der Zuhörer in seiner Vorstellung mit warmen Worten in Empfang genommen:

Auch Sie können sich in Sekundenschnelle ohne jegliche Vorkenntnisse von alltäglichem Stress, der Wahrung einer vorbildlichen Etikette und den Sorgen über eine ungewisse Zukunft befreien. Ich bin Carlton und zeigen Ihnen, wie es geht.

Folgend liefert „Soda Pop“ mit leichten Funk-Beats den Soundtrack für entlastende Dehnübungen. Der Track „Bel-Air Groove“ bringt durch den Einsatz von schillernden Blasinstrumenten mehr Klasse ins Spiel, da man sein Gemüt stets für plötzlich anstehende Abendveranstaltungen wappnen sollte. Wird es doch ein ausgedehnter Spaziergang? Oder gar ein entspannender Tag am Strand? Zu „Cruise Control“ lassen sich die Muskeln im Nu in Wallung bringen und eingeklempte Nerven problemlos lösen. Der Abschluss erfolgt durch zwei aufbereitete Klassiker. „Carlton (Remastered)“ bietet Raum für eine lockere Atmosphäre und Zeit in sich zu gehen, bevor „Fresh (Remastered)“ den eigenen Geist genesen zurück in eine Welt der Verantwortung und Haltung entlässt:

Es war mir wieder eine große Freude. Ich bin Carlton, ihr Coach für Ausdruckstanz und mentale Balance. Bleiben Sie unbeschwert und bis zum nächsten Mal.

Prädikat zur EP: Tanzbarer Future-Funk, der einfach gute Laune macht.


© Beitragsbild: Carlton & Cloud Vault, bandcamp

Daisyhead – I Couldn´t Face You, EP-Review: im Inneren gefangen

Das Jahr 2013 markierte den Beginn einer neue Welle an Emo-Rock in den Vereinigten Staaten von Amerika. Bands, wie Citizen, Have Mercy und Superheaven veröffentlichten ihre Debütalben und etablierten einen Sound, der traditionell melancholische Klangpassen mit harten Riffs und treibenden Drum-Beats untermauerte. Ähnliches hatte man bereits um 2011 von Basement und Balance and Composure gehört. Der große Hype sollte jedoch erst knapp zwei Jahre später beginnen. Mit von der Partie war ein Quartett namens Daisyhead aus Nashville, Tennessee, dass sich mit seiner EP I Couldn´t Face You bemerkbar machte. Sie vereinten die althergebrachte Zärtlichkeit des Genres mit einem Grunge-Vibe à la Nirvana und Texten, die sich zwischen der Verzweiflung an der Monotonie der Dinge, Unabänderlichkeit von tragischen Ereignissen und Sehnsucht nach einem positiveren Lebensgefühl einordnen ließen.

„I have a life outside my mind But I am trapped inside Remembering nothing Wanting for no one So damn hollow“ – Numbing Truth

Mit einer Kürze von vier Songs bot I Couldn´t Face You ein ausreichendes Spektrum, um das Potenzial der Band herauszustellen. Das Ergebnis war ein ausgewogenes Verhältnis von schwergängigen Akkordfolgen, die für ein grooviges Feeling sorgten und zu lethargischem Headbanging einluden. Noch heute ist die Platte ein ordentlicher Einstiegspunkt, um sich mit der alternativen Seite des Emo-Rocks vertraut zu machen. Die Songs „Numbing Truth“ und der namensgebende Track „I Couldn´t Face You“ verkaufen sich durch das angebotene Riff-Sortiment alles andere als progressiv, doch stellen sich mit ausgedehnten Pausen für einlullende Melodien und sensibles Picking versöhnlich. Der Track „Sun“ überrascht mit einem hymnischen Temperament, dass sich hinten raus zu einer kleinen Post-Rock-Nummer entwickelt. Zum Ausklang wird es dann noch einmal ruhiger. Mit dem rockigen, aber ebenso sanften „What´s Done Is Done“ endet I Couldn´t Face You auf einer leisen Note. Ein aufbrechender Faktor, der Daisyheads Musik schon damals ein eigenes Gesicht verlieh, ist die helle Stimme des Sängers Michael Roe, welche einen angenehmen Kontrast gegenüber dem niedergestimmten Farbton der Instrumente produziert.

Ende 2018 erschien mit der EP ve Been Better bereits das sechste Release der Band, dass sich unbeirrt in die bisher von Experimenten unberührte Diskografie einfügte. Dafür mussten Daisyhead im Laufe der Zeit stagnierende Bewertungen ihrer Musik hinnehmen. Wenn ihnen jedoch ein Lob gerecht wird, dann ist es, dass sie schon auf I Couldn’t Face You verstanden, einen ansprechenden Emo-Rock hervorzubringen, bei dem die Formel „never change a winning sound“ schlicht und einfach aufgeht.

„My burning mind Can´t turn back time What´s done is done What´s done is done“ – What´s Done Is Done

Prädikat zur EP: Melancholischer Emo-Grunge mit Stadionrock-Allüren.


© Beitragsbild: Spartan Records, bandcamp

Tiny Moving Parts – For the Sake of Brevity / Fish Bowl, Single-Review: Mutter Natur ruft wieder

Tiny Moving Parts ist eine dieser Bands, die immer und immer wieder dasselbe Material veröffentlichen könnten, ohne bei ihren Fans auf Gegenwehr zu stoßen. Seit ihrem Debütalbum Waves Rise, Waves Recede… (2008) setzt das Trio auf eine widerstandsfähige Mischung aus Math-Rock, Midwest-Emo und Pop-Punk, die sich um das präsente Tapping des Gitarristen und Sängers Dylan Mattheisen schmiegt. Ein perfektes Rezept, denn dieser Mix hört nie auf Spaß zu machen. Die Single For the Sake of Brevity / Fish Bowl erschien Anfang des Jahres und enthält die gleichnamigen Songs, welche mit „For the Sake of Brevity“ ein Stück enthalten, dass TMP bereits als Opener auf ihrer 2010er EP Moving To Antartica verwendeten. Das ist kein Zufall, da ihr neuer Track „Fish Bowl“ thematisch dort anschließt, wo Moving To Antarctica als Gesamtkonzept aufhörte. Einerseits geht es um den Klimawandel und seine verheerenden Folgen für die Tierwelt. Andererseits gibt sich ein großes Sinnbild zu erkennen, dass eine persönliche Angst vor einer extremen Veränderung und dem richtigen Umgang mit ihr aufzeigt.

Where ever it may be, it’s forever you and me There are mammoths in the Atlantic But we’ll never know until we go swimming“ – Fish Bowl

Musikalisch ist alles beim Alten geblieben. Das funkelnde Gitarrenspiel, die akzentuierten Bass-Parts und das jazzige Drumming klingen frisch und uverbraucht. Anders als auf ihrem Release von 2010 kommt „For the Sake of Brevity“ in einem audio-technisch hochwertigeren Gewand daher. Dadurch geht ein wenig Lo-fi-Charme verloren, doch das ist verzeihbar, denn obwohl Tiny Moving Parts mit steigendem Erfolg auf glattere Produktionen setzten, haben sie nie ihr gewisses Etwas eingebüßt. For the Sake of Brevity / Fish Bowl ist ein erfreuliches Release, um mit der kompakten Familien-Formation aus dem Mittleren Westen Amerikas warm zu werden und die Wartezeit auf neues Material durchzustehen. Während die Stimmung in der ersten Hälfte der Single lyrisch und klanglich melancholisch ist, versprüht „Fish Bowl“ Hoffnung auf ein Happy End. Damit hat sich am mutmaßlichen Motto der Band nichts geändert: Egal wie lange es regnet, am Ende wird alles gut.

Prädikat zur Single: Sehnsüchtiger Midwest-Emo, der Lust auf mehr macht.


© Beitragsbild: Tiny Moving Parts, bandcamp

Prinzessin Mononoke: Zeichentrick, Gewalt und Krankheit

In einem seiner Meisterstücke mit dem Namen Prinzessin Mononoke (1997) bewerkstelligte es der japanische Filmemacher Hayao Miyazaki, zur Überraschung vieler Kritiker, die Thematiken Gewalt und Krankheit ungeschönt in seine cineastische Erzählung über die Koexistenz von Mensch und Natur einzubinden. Ein mutiger Schritt im Zeichentrickgeschäft, an dem es nach den Ansichten des Regisseurs kein Vorbeikommen gab.

Aktie: Menschenleben

Wie bei einer Aktie steht und fällt der Wert eines Menschenlebens mit den bestimmenden Faktoren. In diesem Fall: der Beschaffenheit des Lebensraumes und des sozialen Umfeldes. Die Geschichte von Prinzessin Mononoke spielt zurzeit der Muromachi-Periode (1336 bis 1573), die sich mit der sogenannten Zeit der streitenden Reiche (ab 1477) überschneidet. Letztere war durch ein Jahrhundert eines kriegerischen Zustandes geprägt, in dem es keine Zentrale Ordnung auf nationaler Ebene gab. Es handelt sich also beim Setting, um die Blütezeit des japanischen Mittelalters. Einen Moment in der Geschichte der Menschheit, welcher von Armut und Gewalt geprägt war. Bereits zu Beginn der Geschichte wird der Hauptcharakter Prinz Ashitaka in brutale Kämpfe verwickelt. Nachdem er aus seinem Heimatdorf verstoßen wurde, trifft er nach nur wenigen Meilen auf ein Dorf, dass von feindlichen Soldaten geplündert wird. Sowohl die verteidigenden Männer als auch die fliehenden Frauen werden ermordet. Die Visualisierung des Schadens ist drastisch. Körperteile werden abgetrennt. Die Angreifer kennen kein Erbarmen. Ashitaki wird entdeckt und verfolgt, als er von der Szenerie entfliehen will. Dabei enthauptet er zur Selbstverteidung einen Soldaten mit dem Schuss eines Pfeiles. Man könnte noch heute darüber sprechen, dass dies schockierende Darstellungen von Gewalt für einen Zeichentrickfilm sind, doch dafür besteht keine Notwendigkeit. Der Regisseur selbst erklärte seine Entscheidung folgendermaßen:

„Wenn es einen Kampf gibt, ist es unausweichlich, dass Blut fließt, und das darzustellen, können wir nicht vermeiden.“ – Hayao Miyazaki

Im Mittelalter hatte ein Menschenleben nur den Schatten des Wertes einer heutigen Existenz. Das heißt, in den meisten Regionen unserer Welt. Noch heute gibt es täglich ähnliche Vorfälle, nur eben nicht in den Industrieländern, sondern dort wo noch wahre Armut herrscht und hinter vorgehaltener Hand das Recht des Stärkeren gilt. Jungen Erwachsenen das Märchen eines nicht barbarischen Akt des Tötens vorzugaukeln wäre vermutlich das größere Übel gewesen.

Die Todgeweihten

Zu dieser Zeit hatte ein Mensch jedoch nicht nur grausame Überfälle, sondern gleichwohl unbekannte und nicht heilbare Krankheiten zu befürchten. In der Muromachi-Periode hieß eine von den besorgniserregendsten Erkrankungen Lepra. Die auch als Hansen-Krankheit (entdeckt durch den Norweger Gerhard Armauer Hansen) verbreitete chronische Infektionskrankheit wurde schon im 9. Jahrhundert in Dokumenten der japanischen Regierung beschrieben:

„Es wird durch einen Parasiten verursacht, der fünf Organe des Körpers frisst. Die Augenbrauen und Wimpern lösen sich ab und die Nase ist deformiert. Die Krankheit bringt Heiserkeit und erfordert Amputationen der Finger und Zehen. Schlafen Sie nicht mit den Patienten, da die Krankheit auf andere Personen übertragbar ist.“ – Ryounogige

Menschen, die sichtbar von Lepra infiziert waren, galten fortan als Ausgestoßene, die nicht länger innerhalb der Gesellschaft geduldet wurden. Sie lebten somit gezwungenermaßen an Orten außerhalb von Dörfern und Städten unter ihresgleichen. Symptome der Krankheit waren und sind das Absterben der Nerven, die Verstopfung  der Gefäße von Arterien und Venen durch die Verdickung des Blutes und der Verlust des Gefühles für Kälte, Wärme und Schmerz. Dadurch sollte sich später der Mythos entwickeln, dass Menschen Teile ihres Körpers durch die Erkrankung abstoßen würden. In Wahrheit verletzten sie sich, ohne es zu bemerken, wodurch sich ihre Wunden im späteren Verlauf verschlimmerten. Heute ist Lepra als nur schwer durch Tröpfchenbildung übertragbare und zudem heilbare Krankheit bekannt. Gründe für eine Infektion sind Ausnahmezustände, wie: Ein langjähriger Kontakt zu einem infizierten Menschen oder Tier, eine unachtsame Hygiene und Mangelernährung.

Im Film trifft der junge Prinz Ashitaki auf vermummte Menschen, die in einer abgelegenen Werkstatt der Festung Tatara Gewehre bauen. Manche von ihnen scheinen Stümpfe zu haben, wo ihre Gliedmaßen enden sollten. Einer von ihnen spricht nur mit schwacher Stimme. Sein Gesicht ist komplett verbunden. Obwohl sie im Inneren der Stadt leben existieren sie getrennt vom Rest des Volkes, doch ihnen wird Beachtung geschenkt, selbst von der Herrscherin Lady Eboshi.

Für viele Fans war es lange Zeit ein Rätsel, worum es sich genau bei dem Zustand der Charaktere handelte. Anfang dieses Jahres lüftete der Regisseur das Geheimnis. Durch persönliche Erfahrungswerte mit einen befreundeten Lepra-Patienten bewegt, erinnerte Hayao Miyazaki in Tokyo am 27. Januar 2019 mit einen Gedenk-Vortrag an die Hansen-Krankheit und ihre Opfer als Teil der japanischen Geschichte. Diesbezüglich äußerte er sich zu Prinzessin Mononoke, wie folgt:

„Miyazaki sagte, er wollte eine zeitliche Periode frei gestalten“ … „also zeichnete ich nicht nur Samurai-Krieger und Bauern, sondern auch Menschen, die aus der Geschichte verschwunden waren oder diskriminiert wurden.“– (das ganze Interview unter asahi.com)

Eine Frage des Kontextes

Hayao Miyazakis konsequente Inszenierung schwieriger Themen, wie Gewalt, Krankheit und Tod in seinem preisgekrönten Werk Prinzessin Mononoke sind zu loben. Diese funktionieren im bunten Zeichentrickmärchen trotz ihrer Härte oder Komplexität aufgrund der nachvollziehbaren Einbindung in den zeitlichen Kontext und geben dem Gesamtbild eine authentische Note.


© Beitragsbild: Studio Ghibli

Death Parade und die kostbare Lifebar eines Nerds

Als Fan und Konsument von Dingen, die gemeinhin als Nerd-Kram gehandelt werden (dazu gehören Serien, Filme, Spiele und mehr) schaue ich nicht selten ernüchtert auf die Uhr.

„Mal eben stolze zweieinhalb Stunden für diesen Film verpfändet. Dabei war, dass höchstens ne 3 von 10.“        

„In dieses Game habe ich bereits fast einen ganzen Wochentag investiert?? Eigentlich wollte ich nur mal ins Intro schauen.“

Auch die Lebenszeit eines Nerds ist kostbar und manchmal geben einem Unterhaltungsprodukte, wie zum Beispiel Videospiele, nicht so viel zurück, wie man sich von ihnen erwartet hat. Die vierte Folge der Anime-Serie Death Parade mit dem Titel „Death Arcade“ spricht eine Warnung darüber aus, ab wann der Aufenthalt in digitalen Welten zu einer gefährlichen Wanderung durch die Wüste werden kann.

Arcade des Todes

Death Parade handelt von einem Jenseits in dem die Verstorbenen nach ihrem Tod nicht an einer Himmelsforte, sondern in einer von vielen an ein Nachtclub-Image angelehnten Bars ankommen. Diese Etablissements werden jeweils von einem sogenannten Schiedsrichter betrieben, der sich seinen Gästen im Outfit eines Barkeepers zu erkennen gibt. Von ihm oder ihr wird im Laufe eines zufällig ausgewählten Spieles entscheiden, welcher der beiden teilnehmenden Kontrahenten wiedergeboren werden darf und wessen spiritueller Geist für immer verloren ist. Dabei geht es nicht, um einen Endstand. Entschieden wird anhand der Fairness und Verhaltensweisen mit denen die Spieler vorgehen. Die Story verfolgt diesbezüglich die Arbeit von Decim, dessen Lokalität Quindecim und dem Auftreten einer schwarzhaarigen Unbekannten. Zu Beginn des Anime erwacht diese außerplanmäßig und ohne Erinnerungen im mysteriösen Fegefeuer und steht ihm von dort an als Gehilfin zur Seite.

In besagter Episode #4 erscheinen zwei neue Seelen am Eingang der Bar. Es sind die TV-Persönlichkeit und Mutter Misaki Tachibana sowie der junge Nerd Yousuke Tateishi. Wie es üblich ist haben auch sie keine Erinnerungen an ihr vergangenes Leben und wissen nicht, dass sie soeben das Jenseits erreicht haben. Unter Protest stellen sie sich dem erwählten „Battle for Life“, einem Arcade-Prügelspiel für zwei Personen. Gespielt wird mit den eigenen Ebenbildern. Nach zwei bzw. drei Runden entscheidet sich ein Sieger.

Was nach und nach durch Rückblenden verdeutlicht wird ist, dass Beide keine einfachen Leben hinter sich gelassen haben und auf tragische Art umgekommen sind. Seit ihrer Jugend wurde Misaki von ihren männlichen Partnern misshandelt und blieb irgendwann mit der Erziehung von fünf Kindern alleingelassen zurück. Als sie durch die Rolle in einer Fernsehsendung neuen Mut schöpft, doch durch ihre herablassende und kalte Persönlichkeit aneckt, wird sie im Streit von ihrer Managerin ermordet. Yousuke hingegen stand noch am Anfang seines Lebens. Als seine Mutter seinen Vater und ihn in jungen Jahren verlässt und ihren Sohn dabei als wertlos darstellt, fällt er in ein tiefes Loch. Obwohl sein Vater eine neue Frau findet, die für ihn eine gute Ersatzmutter darstellen will versinkt er immer weiter in seinen Videospielen, in der Hoffnung so sein emotionales Missempfinden aufarbeiten zu können. Eines Tages wird er mit einem Game Over konfrontiert und nimmt sich aus Verzweiflung das Leben.

Durch zwischenzeitige Sabotagen seitens Decims werden die Teilnehmer nacheinander auf die Probe gestellt. Misaki verliert die Fassung und greift ihren Rivalen Yousuke körperlich an worauf dieser kurzzeitig ausscheidet. Später wird sie sich entschuldigen. Am Ende des Battle for Life steht ein Unentschieden. Beide sind untröstlich, doch Decim deutet an, dass es keinen wahren Verlierer gibt. Somit nehmen sie bereitwillig ihre Aufzüge ins Ungewisse.

Der Anime Death Parade hält trotz seines fantasievollen Universums die Inszenierungen vieler aufreibender Einzelschicksale bereit. Die Figur des Yousuke bleibt für mich ein erinnerungswürdiges Mahnmal an jeden Nerd. Videospiele und artverwandte Dinge sollten nicht pauschal verteufelt werden. Sie halten jedoch eine Gefahr für jene bereit, die sich zu viel von ihnen versprechen oder sich schlichtweg in ihnen verlieren.


Da dieser Beitrag das Thema Selbstmord nicht rein fiktiv behandelt, fühle ich mich Verantwortlich die Website der www.telefonseelsorge.de anzugeben. Weitere Informationen sind dort schnell abrufbar!

© Beitragsbild: Madhouse