The World is a Beautiful Place & I am No Longer Afraid to Die Formlessness EP

The World is a Beautiful Place & I am No Longer Afraid to Die – Formlessness, EP: gehen und bleiben

Wenn der Tod eine Metapher für die Veränderung ist, dann ist die Geburt ein Neuanfang. Und genau dazwischen verläuft der schmale emotionale Grad auf dem sich Formlessness bewegt. Die Macher haben einen Namen, der so lang ist, wie er pathetisch anmutet. The World is a Beautiful Place & I am No Longer Afraid to Die (die von hier an als T & I bezeichnet werden) starteten 2009 ihre musikalische Karriere, ohne das Wissen, dass sie sich durch ihren eigenen Stil innerhalb von wenigen Jahren zu einer der bekanntesten Bands des Genres entwickeln würden. Ihr poetischer Titel passt dennoch ungemein gut zu ihrem Konzept, denn T & I stehen für die Vertonung der großen existenziellen Fragen. Nach einer Demo im Jahre 2010, veröffentlichten sie mit dieser EP noch im selben Jahr ihr erstes professionelles Release. Formlessness erzählt in vier Songs eine Geschichte, in der es um das Erwachen in jungen Jahren geht, die quälende Entscheidung zwischen gehen und bleiben und den Moment, in welchem einen die Last nicht mehr so schwer vorkommt und man sich endlos mächtig fühlt, als ob einem nichts was da noch kommt, jemals erschüttern könnte.

Kapitel 1

Jeder kennt das Gefühl dieser Ohnmacht, der Kraftlosigkeit, wenn sich jede Anspannung der Muskeln vergebens anfühlt. So beginnt die Erzählung mit Victim Kin Seek Suit auf dem Boden, wo sie nur so herumliegen, im dunklen und an einen guten Freund denken, der sich längst aus dem Staub gemacht hat [leise Gitarrenklänge im Hintergrund]. Er hat ihnen damit die Augen geöffnet, doch ihr Wille ist schwach, ihre Körper sind das Fleisch, dass sie, wie ein Anker, von neuen Taten abhält. Was wird jetzt aus ihnen? Sie bitten um Licht [plötzlich, ein orchestraler Aufschrei, sowohl Gitarre, Bass, als auch Schlagzeug sind hellwach]. In der Nähe steht ein Apfelbaum, wie ein offener Sarg. Er steht für all die Erlebnisse, all das was war, was es nun zu begraben gilt.

„Where are you and where have you run to?
Where are you and why don’t you just come home?“

Kapitel 2

Es ist Zeit zu gehen (Gordon Paul). Etwas Neues ist zu schaffen. Ein Heim findet sich in einem Haus, in dem für alle Platz ist [jazziges Gittarenspiel, entspannter Drum-Beat, unbeschwerter Gesang]. Dieses nächste Kapitel verbindet sie. Schon jetzt ist klar, dass es für immer ein Teil von ihnen sein wird. Sie sind die eigentlichen Wände, der Rest könnte eigentlich weg. Es bedarf einer Renovierung. Das Alte muss raus oder verbrannt werden [es herrscht Aufregung, chaotische Synthuntermalung, funkiges Riffage, lethargisches Mitsummen wird zu hysterischem Schreien]. Sie haben keine Angst vor dieser Aufgabe, das reden sie sich ein, doch wenn es an der Tür klingelt, dann erschaudern sie. Es liegt Spannung in der Luft, die sie beflügelt. Dieses Haus hat nur darauf gewartet, dass es jemand mit leben füllt.

„We will become everything, we’ll shatter as the doorbell rings“

Kapitel 3

Walnut Street is Dead (Long Live Walnut Street) [Bassline auf der Gitarre] und lang lebe ein Ort der Geborgenheit, der schon immer da war [zwischen durch Ride-Geklimmper auf dem Schlagzeug]. Es ist die Gegend, in der sie aufgewachsen sind und dabei wichtige Erfahrungen gesammelt haben. Ihr Freund scheint jetzt so weit weg, doch manchmal noch immer die Sehnsucht nach mehr in ihnen zu entfachen. Er hat die sichere Flucht gewählt, dorthin wo ihn niemand kennt, er ein unbeschriebenes Blatt ist. Gut für ihn, doch sie haben sich entschieden zu bleiben. Sie können wieder atmen, da wo das altbekannte vor ihren Augen vergeht [optimistischer Ausklang, schillernde Gitarren, Schlagzeug begleitend].

„As for us, we’ve figured out exactly how to breathe
With vanishing lungs like these“

Kapitel 4

[helle elektronische Klänge, dann eine Gitarrenwand, Bass und Schlagzeug bekräftigen diese] (Eyjafjallajokull Dance) Das Morgenlicht strahlt durch ein Fenster. Hoffentlich bleibt es noch eine Weile so [Ruhe, atmosphärische Synthpassage]. Alles fühlt sich grade richtig an. Nichts belastet sie. Wieso kann es nicht einfach so bleiben? [melodiöse Gitarren, treibende Taktangabe des Schlagzeugs]. Für einen Tag werden sie Helden sein, doch am Abend werden wieder Zweifel in ihnen groß, gefolgt von dem immer wiederkehrenden Gedanken. [ein letztes Aufbäumen aller Instrumente, abschließendes Drums-Solo, dann fade-out der Gitarren] Was ist besser? Zu gehen oder zu bleiben?

„Open up the window and let the morning light in
I keep holding on to, I keep begging myself
Today we are superheroes but tonight we’ll just be tired“

das Ende / der Anfang


© Beitragsbild: The World is a Beautiful Place & I am No Longer Afraid to Die, bandcamp

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Hearthstone and the understanding of dives

[english translation of: Hearthstone und das Verstehen von Spelunken]

As a child, I was kind of afraid of these places, those for outsiders seemingly abandoned dives with the slot machines. They were an indicator of the seediness of an area for me. Who should haven been inside, if not villains and prowlers who wanted to get rid of their change, shied away from daylight? It probably smelled of beer and cigarettes there. Because even the paying clientele stank of beer and cigarettes and there was no one who cleaned something from time to time. For example the one-armed bandits or whatever else there was at gambling machines. And what a passion it must have been that inspired people for such games. Insert coin, press buttons, wait for pictures. 7. lemon. plum. Shit, no profit. Maybe another machine was more generous. Insert coin, press buttons, wait for pictures. crown. 20. 90. Nothing again. Compared with this I praised my Super Mario on the Game Boy that would test my dexterity, let me defeat opponents and complete adventurous levels. To this day I have never seen any of these suburban casinos from the inside and still am not keen on it. However, since I’ve logged in to Hearthstone again, it seems to me that I can understand the fascination of slot machines with money-making opportunities. I came back to Hearthstone after a long break because at the moment I did not want to start a triple-A game with a huge campaign and complicated game mechanics. So I quickly fell for the mobile version of the online trading card game by Blizzard. The gameplay is simple, the procedure to improve just as simple for someone who remembers forerunners of the genre, like Yu-Gi-Oh and Magic: The Gathering. The game is played with a hero who commands a deck of monster and spell cards. These are summoned by the use of mana. The goal is the annihilation of the enemy’s health points. Duels are fought against the computer or other users. In addition, there are modes that stand out through storylines and puzzle tasks. Properly the setting is a tavern. So, basically a medieval dive. And in the end, Hearthstone remains a game that can be enjoyed without any mental effort. Because it is based on the paper-stone-scissors principle. Paper, these are the attacking values ​​of the monsters. Stone, the defense values. Scissors, the supportive effects that reinforce one or the other. Who is cleverer positioned wins. And you only get the right cards by gambling. One game. One more. Again and again. While the next opponent is being searched, a rattling slot turns. As it is usual in the dives. At the sticky machines. Now I’m sitting there, on a sunny day. The shutters are only pulled up by a quarter. Thanks to Battle.net I can switch to the laptop and play with my account on a bigger screen. It must look dodgy, as I squat at the dining table, in the twilight of my room. For two or three hours. Why do I then sometimes smell beer and cigarettes? I press the mouse buttons and wait for new pictures that will hopefully increase my chances of winning. Magma Rager. Silverback Patriarch. Angry Chicken. This round is lost.


© featured image: Blizzard Entertainment

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Hearthstone und das Verstehen von Spelunken

Als Kind habe ich diese Orte als unheimlich empfunden, jene für Außenstehende scheinbar verlassenen Spelunken mit den Spielautomaten. Sie waren für mich ein Indikator für die Zwielichtigkeit einer Gegend. Wer sollte sich schon darin aufhalten, wenn nicht Schurken und Herumtreiber, die ihr Klimmpergeld loswerden wollten und das Tageslicht scheuten. Vermutlich stank es dort nach Bier und Zigaretten. Weil auch die zahlende Kundschaft nach Bier und Zigaretten stank und sich niemand bereit erklärte mal ab und zu irgendwas zu putzen. Zum Beispiel die einarmigen Banditen oder was es sonst an Glücksspielgerätschaften gab. Und was war das nur für eine Leidenschaft, die Menschen für solche Spiele begeisterte. Münze einwerfen, Knöpfe drücken, Bilder abwarten. 7. Zitrone. Pflaume. Mist, kein Gewinn. Vielleicht war ein anderer Automat spendabler. Münze einwerfen, Knöpfe drücken, Bilder abwarten. Krone. 20. 90. Wieder nichts. Da lobte ich mir meinen Super Mario mit dem ich auf dem Game Boy meine Geschicklichkeit testen, Gegner besiegen und abenteuerliche Level abschließen konnte. Bis zum heutigen Tage habe ich keines dieser Vorstadt-Casinos je von innen gesehen und bin immer noch nicht scharf darauf. Seit ich mich allerdings wieder einmal bei Hearthstone eingeloggt habe, kommt es mir vor, als könnte ich die Faszination für Spielautomaten mit Geldgewinnmöglichkeiten verstehen. Ich stieß nach langer Pause erneut auf Hearthstone, weil ich keine Lust hatte ein Triple-A-Game mit einer riesigen Kampagne und komplizierten Spielmechaniken zu beginnen und verfiel kurzerhand der Mobile-Version des Online-Sammelkartenspieles von Blizzard. Das Gameplay ist einfach, die Prozedur sich zu verbessern ebenso simpel für jemanden dem Vorläufer des Genres, wie Yu-Gi-Oh und Magic: The Gathering bekannt sind. Gespielt wird mit einem Helden, der ein Deck aus Monster- und Zauberkarten befehligt. Diese werden durch den Einsatz von Mana beschworen. Das Ziel ist die Vernichtung der Lebenspunkte des Gegners. Duelle werden gegen den Computer oder andere User ausgefochten. Hinzukommen Modi, welche sich durch Storylines und Rätselaufgaben abheben. Passenderweise ist das Setting eine Taverne. Also sowas, wie eine mittelalterliche Spielhölle/Bar. Und letztendlich bleibt Hearthstone ein Spiel, von dem man sich ohne einen geistigen Kraftaufwand berieseln lassen kann. Denn es basiert auf dem Papier-Stein-Schere-Prinzip. Papier, das sind die Angriffswerte der Monster. Stein, die Verteidigungswerte. Schere, die Unterstützungseffekte, die das eine oder das andere verstärken. Wer cleverer aufgestellt ist, der siegt. Und die richtigen Karten bekommt man nur durchs zocken. Eine Partie. Noch eine. Wieder und wieder. Während der nächste Kontrahent gesucht wird, dreht sich ein klappernder Slot. Wie es in den Spelunken üblich ist. Bei den klebrigen Automaten. Jetzt sitze ich da, an einem sonnigen Tag. Die Rollladen sind nur um ein Viertel hochgezogen. Battle.net sei Dank kann ich zum Laptop wechseln und spiele nun mit meinem Account auf einem größeren Bildschirm weiter. Es muss zwielichtig aussehen, wie ich da am Esstisch hocke, in der halb verdunkelten Ecke meines Zimmers. Für zwei oder drei Stunden. Wieso rieche ich dann manchmal Bier und Zigaretten? Ich drücke die Tasten der Maus und warte auf neue Bilder, die meine Gewinnchancen hoffentlich steigern werden. Magma Rager. Silverback Patriarch. Angry Chicken. Diese Runde ist verloren.


© Beitragsbild: Blizzard Entertainment

Neckbeard Deathcamp White Nationalism is for Basement Dwelling Losers LP against bedroom fascism

Neckbeard Deathcamp – White Nationalism is for Basement Dwelling Losers, LP: against bedroom fascism

[english translation of: Neckbeard Deathcamp – White Nationalism is for Basement Dwelling Losers, LP: gegen Schlafzimmer-Faschismus]

Black Metal is only for alt-rights? Sadly, this prejudice is easy to advance. In the first place, co-founders of the Scandinavian scene, such as Varg Vikernes (Burzum, ex-Mayhem) and militant concept bands like Marduk, did not waste many chances to spread brown coloured ideas in the past. But the problem of the National Socialist influence is not a thing of yesterdays and no longer a matter of individual known figureheads, which fuel a negative image. For it is an internationally flourishing underground scene of the NSBM (National Socialist Black Metal), as well as the confessions of criminal violent perpetrators, who obviously identify with the genre, which make the media and leftist organizations cry out loud. Hardliners have given up playing with animal carcasses in order to be close to the devil and now prefer to wallow in racist ideologies, which can be well transported anyway on aggressive music and traditional martial outfits. Inverted crosses are not cool enough anymore. They have to be iron. The machinations of the black metal „interested“ and responsible for several murders US neo-Nazi grouping Atomwaffen Division are only a single outgrowth of the worrying developments of recent years, which must be named in a global context. For a lot of black metal fans the limit of sustainable political chaos has been crossed. It´s even time to shoot back for a french band called Neckbeard Deathcamp – with musical resistance.

„this album is dedicated to richard spencer, jeff schoep, david duke, the nsm, bedroom 4th reich bands, and nazi girls that add me on facebook“ – bandcamp profile message

As a chain of command Kriegmeister Hatestorm (Vocals, Piano, Noise, Production), Supercommando Uberweinersnitchel (Guitar, Bass) and Hailz Komradez (Drums) started a rebellion to ridicule the Nazi connection to the Black Metal scene around 2018. And ever since, they slip into the roles of right-wing extremist characters and take the alleged left-wing enemy with a big wink to task in their texts. Already on the cover of their debut album White Nationalism is for Basement Dwelling Losers (July 2018), the satirical motif for the actual target audience was revealed. This adorned an eagle coat of arms with a phallus head and Pepe-the-Frog meme in a wreath, an industrial setting in the background, barbed wire and the band name in Old German script. Songs like „Incel Warfare“ („This nation has a problem With greasy boys in cargo shorts Who feel owed a woman Under threat of murder“) and „XXXL Obersturmfuhrer Leather Duster“ („Gewehr fire lights the sky Angry reacts fall like bombs Call of Duty basic training World of Warcraft cut my teeth“) underscored that on the whole the record is nothing more than an ingenious rhetorical ironic artillery fire. Soundwise WNifBDL comes from the days when black metal records were still produced, as one would guess, on old Nokia phones. Unidentifiable rattle, in between some reasonably good riffs and bad echo effects included.

In this sense, the trash parody is not for epicures. However, White Nationalism is for Basement Dwelling Losers is for anyone who gets the joke and does not want to be seen in a pot with right-wing extremist music fans, but expects an uncompromising noise-wall of blasts that guarantees a lot of fun and stuff for boisterous headbanging. On May 24, 2019, a new album will be released with the title So Much For The Tolerant Left that will surely kick the bedroom fascism of the scene under the table neatly to the knee again. Yet, one should always keep in mind with all the current sentiment that black metal is fundamentally not subject to fascist guidelines and not every band, which is more conservative, should and must be labeled as radical and Nazi garbage. An example of this are the unjustified concert refusals against the Polish band Mgla, in which allegations spoke louder than facts. Stay trve!


© featured image: Neckbeard Deathcamp, bandcamp

Neckbeard Deathcamp White Nationalism is for Basement Dwelling Losers LP against bedroom fascism

Neckbeard Deathcamp – White Nationalism is for Basement Dwelling Losers, LP: gegen Schlafzimmer-Faschismus

Black Metal ist nur was für Alt-Rights? Leider ist dieses Vorurteil leicht voranzutreiben. In erster Linie sparten Mitbegründer der skandinavischen Szene, wie Varg Vikernes (Burzum, Ex-Mayhem) und militante Konzept-Bands, wie Marduk, in der Vergangenheit nicht mit der Verbreitung von Braun gefärbten Gedankengut. Doch das Problem des nationalsozialistischen Einflusses ist kein Schnee von gestern und nicht länger Sache einzelner bekannter Gallionsfiguren, die ein negatives Image befeuern. Denn es sind eine international florierender Untergrundszene des NSBM (National Socialist Black Metal), sowie die Bekenntnisse krimineller Gewalttäter, die sich offenkundig mit dem Genre identifizieren, welche sowohl Medien als auch linksgerichtete Organisationen aufschreien lassen. Hardliner haben das spielen mit Tierkadavern aufgegeben, um dem Teufel nahe zu sein und suhlen sich nun lieber in rassistischen Ideologien, welche sich ohnehin gut über aggressive Musik und traditionell martialische Outfits transportieren lassen. Petrus-Kreuze sind nicht mehr cool genug. Sie müssen eisern sein. Die Machenschaften der am Black Metal „interessierten“ und für mehrere Morde verantwortlichen US-amerikanischen Neonazi-Gruppierung Atomwaffen Division sind nur ein einziger Auswuchs der Besorgnis erregenden Entwicklungen der letzten Jahre, welcher benannt werden muss – und das in einem weltweiten Kontext. Für viele vahre Black-Metal-Fans ist die Grenze des ertragbaren politischen Chaos mittlerweile überschritten. Für eine französische Band namens Neckbeard Deathcamp ist es Zeit zurückzuschießen. Mit musikalischer Gegenwehr.

„this album is dedicated to richard spencer, jeff schoep, david duke, the nsm, bedroom 4th reich bands, and nazi girls that add me on facebook“ – bandcamp-Profil-Nachricht

Als Befehlskette aus Kriegmeister Hatestorm (Vocals, Piano, Noise, Production), Superkommando Uberweinersnitchel (Guitar, Bass) und Hailz Komradez (Drums) machten sie es sich um 2018 zur Aufgabe, die vermeintliche Nazi-Connection zur Black-Metal-Szene ad absurdum zu führen. Dafür schlüpfen sie in die Rollen von rechtsradikalen Charakteren und nehmen sich in ihren Texten, das vermeintlich linke Feindbild mit einem großen Augenzwinkern zur Brust. Bereits am Cover ihres Debüt-Albums White Nationalism is for Basement Dwelling Losers (Juli 2018) wurde das satirische Motiv für die eigentliche Zielgruppe offengelegt. Dieses zierte ein Adlerwappen mit Phalluskopf und Pepe-the-Frog-Meme im getragenen Kranz, ein Industrie-Setting im Hintergrund, Stacheldraht und den Bandnamen in altdeutscher Schrift. Songs, wie „Incel Warfare“ („This nation has a problem With greasy boys in cargo shorts Who feel owed a woman Under threat of murder“) und „XXXL Obersturmfuhrer Leather Duster“ („Gewehr fire lights the sky Angry reacts fall like bombs Call of Duty basic training World of Warcraft cut my teeth“)  untermauerten obendrein, dass es sich im Großen und Ganzen um ein geniales rhetorisch ironisches Artilleriefeuer handelt. Soundtechnisch stammt WNifBDL aus den Tagen als Black-Metal noch gefühlt auf alten Nokia-Handys produziert wurde. Nicht identifizierbares Geröchel, zwischendurch halbwegs gute Riffs und schlechte Echo-Effekte inklusive.

Die Trash-Parodie-Platte ist also nichts für Genießer. Alle, die den Gag verstehen und sich mit rechtsextremen Musik-Fans weder in einem Topf sehen noch hören lassen wollen, erwartet jedoch ein kompromissloses Geballer, dass für den Moment eine Menge Spaß und Stoff für ausgelassenes Headbanging mitbringt. Am 24. Mai 2019 erscheint mit So Much For The Tolerant Left ein neues Album, dass dem Schlafzimmer-Faschismus der Szene sicherlich wieder unter dem Tisch ordentlich vor das Knie treten wird. Man sollte bei all der aktuellen Stimmungsmache allerdings immer bedenken, dass Black Metal grundsätzlich keinen faschistischen Richtlinien unterliegt und nicht jede Band, die es etwas konservativer angeht, gleich als radikal und Nazimüll abgestempelt werden sollte und muss. Ein Beispiel dafür sind die ungerechtfertigten Konzertabsagen gegen die polnische Band Mgla, bei denen Behauptungen lauter als Fakten sprachen. Stay trve!


© Beitragsbild: Neckbeard Deathcamp, bandcamp

Windows96 One Hundred Mornings LP

Windows96 – One Hundred Mornings, LP: good night, internet.

[english translation of: Windows96 – One Hundred Mornings, LP: Gute Nacht, Internet.]

The digital horizon is beautiful. In lost eternal nights, whensoever a journey without a true purpose can be substantial and meaningful, it lies in the distance. As a guide and placeholder. Because these fields are endless. It serves only as a backdrop to calm the mind of a soul wandering ahead. As time goes by, in a third place that promises everything and keeps it.

„A setting beyond home and work (…) in which people relax in good company and do so on a regular basis“ – from Third Places according to Ray Oldenburg

Welcome to the internet. Stay forever. Who would want to leave this realm, where everyone can be everything, find everything, feel everything, without effort and in which there is no gravity. Where there are all the answers. And nobody has to be alone. The exhilaration begins unconsciously. Click. A data vortex opens up and a new chapter begins. Click. It feels good to be free. The undertow does no harm. It is comfortable, the forces acting relaxing. Around one, advertisements pass and drip quietly into the sea of ​​lights. Voices echo out of their direction. Warm baritone vibrations reveal new products. Consumption is part of the experience. Cool drinks, lively communities, the right movie, online games and current fashion. Every need is satisfied. Escape from reality is an artificial endeavor. No, it is artistic. And whoever succumbs to the passion for its art, even completely falls, may never get back down to earth. Every video, every live stream, and every chat history open to entry is a new sunrise in the vastness of the World Wide Web, where everything is in motion – always.

„Caligula“ blossoms with wafting synthesizer sounds, which transform for a moment into an electronic organ passage and create an almost ceremonial atmosphere. The body finally needs sleep to cleanse its spiritual chache. With „Visage“ (Track 2) there is a theme that prepares the further exorcism through ghostly background effects: sometimes spherical („Visions II“), sometimes rainy („Bliss“) and here and there melodious. The foundation of the album is provided by the striking beats of an e-drum set, which nevertheless always leave enough room for interesting Vaporwave interpretations. The dimmed futuristic „Mind Mirage“ is a fitting conclusion, after „Rituals“ provides positive energy with a touch Tropicalia for a last time.

One Hundred Mornings (July 2018) is the last LP to date of the Brazilian musician Gabriel Eduardo. A wake-up call for those who have made their minds available for download. A tranquilizing  alarm to understand that it’s time to move away from the digital horizon.


© featured image: win96, bandcamp

Windows96 One Hundred Mornings LP

Windows96 – One Hundred Mornings, LP: Gute Nacht, Internet.

Der digitale Horizont ist wunderschön. In verlorenen ewigen Nächten in denen eine Reise ohne ein wahrhaftiges Ziel gehaltvoll und bedeutsam sein kann, liegt er brach in der Ferne. Als Wegweiser und Platzhalter. Denn diese Gefilde sind endlos. Er dient nur als Kulisse, um den Verstand einer vor ihm wandernden Seele zu beruhigen. Wie die Zeit vergeht, an einem dritten Ort, der alles verspricht und es einhält.

„A setting beyond home and work (…) in which people relax in good company and do so on regular basis“ – aus Third Places nach Ray Oldenburg

Willkommen im Internet. Bleibt für immer. Wer würde dieses Reich wieder verlassen wollen, in dem jeder alles sein kann, alles finden kann, alles fühlen kann, ohne Anstrengungen und in dem keine Schwerkraft herrscht. Wo es all die Antworten gibt. Und niemand alleine sein muss. Der Rausch setzt unbewusst ein. Klick. Ein Daten-Strudel öffnet sich und ein neues Kapitel bahnt sich an. Klick. Es fühlt sich gut an frei zu sein. Denn der Sog übt keine Gewalt aus. Er ist bequem, die einwirkenden Kräfte entspannend. Um einen herum ziehen Werbungen vorbei und tropfen leise in das Lichtermeer. Stimmen hallen aus ihren Richtungen. Warme Bariton-Vibrationen enthüllen neue Produkte. Der Konsum ist Teil der Erfahrung. Kühle Getränke, lebendige Communities, der passende Film, Online-Spiele und aktuelle Mode. Jedes Bedürfnis wird befriedigt. Die Flucht vor der Wirklichkeit ist ein künstliches Unterfangen. Nein, sie ist künstlerisch. Und wer der Leidenschaft für ihre Kunst erliegt, sich gar vollkommen fallen lässt, wird möglicherweise nie wieder auf einen Boden der Tatsachen gelangen. Jedes Video, jeder Live-Stream und jeder zum Eintritt zugängliche Chat-Verlauf sind ein neuer Sonnenaufgang in den weiten des World Wide Web, in denen nie Ruhe einkehrt.

„Caligula“ erblüht mit wabernden Synthesizer Klängen, die sich für einen Moment in eine elektronische Orgel-Passage wandeln und eine nahezu zeremonielle Atmosphäre schaffen – doch die Messe ist längst gelesen. Der Körper brauch endlich Schlaf, um sein spirituelles Chache zu säubern. Mit „Visage“ (Track 2) ergibt sich ein Thema, dass durch geisterhafte Hintergrundeffekte den weiteren Exorzismus vorbereitet: mal sphärisch („Visions II“), mal verregnet („Bliss“) und hier und da melodiös. Als Fundament des Albums dienen durchweg die markanten Beats eines E-Drumsets, die dennoch stets genug Spielraum für interessante Vaporwave-Interpretationen lassen. Das gedimmte futuristische „Mind Mirage“ ist ein passender Ausklang, nachdem „Rituals“ mit einem Hauch Tropicalia noch einmal für positive Energien sorgt.

One Hundred Mornings (Juli 2018) ist die bis dato letzte LP des brasilianischen Musikers Gabriel Eduardo. Ein Weckruf für jene, die ihren Geist zum Download freigegeben haben. Ein beruhigender Alarm der zu verstehen gibt, dass es Zeit ist sich vom digitalen Horizont abzuwenden.


© Beitragsbild: win96, bandcamp

Das reBuy Siegel Betrug mit Qualität

Das reBuy-Siegel: Betrug mit Qualität

„Die reBuy reCommerce GmbH betreibt mit http://www.rebuy.de einen Online-Shop für den An- und Verkauf gebrauchter Elektronik- und Medienartikel.“ – www.gruenderszene.de

Mehr ist (abgesehen von meiner Story) bezüglich des hippen, international vertretenen Unternehmens aus Berlin, um welches es geht, eigentlich auch nicht zu wissen. reBuy preisen sich bereits seit ein paar Jahren als die neuen Heilsbringer der Gebrauchtwaren-Industrie an. Sie machen sich durch den An- und Verkauf von elektronischen Secondhand-Geräten die Taschen voll und das nach einem Prinzip, das so alt ist, wie der Handel. Ware wird spottbillig eingekauft und teuer weiterverscherbelt. Die Rechtfertigung dafür liest sich erst einmal löblich:

„Als reCommerce-Unternehmen verlängert reBuy den Lebenszyklus von Elektronik- und Medienprodukten und geht verantwortungsvoll mit bestehenden Ressourcen um.“ – www.gruenderszene.de

Und das ist noch nicht alles, denn:

„Dafür hat reBuy einen eigenen Refurbishment-Prozess entwickelt, der Gebrauchtwaren nach vorgegebenen Qualitätsstandards aufwertet.“ – www.gruenderszene.de

Überragend. Die Umwelt profitiert nach Omas und Opas Devise einer nachhaltigen Wiederverwertung jeglicher Haushaltsgegenstände und reBuy macht mit dieser guten Tat sogar Gewinn. Wenn sie jetzt noch irgendwie ihre Käufer mit ins Boot holen könnten, dann wäre die Dreifaltigkeit des guten Kapitalismus perfekt.

Was man reBuy mit Sicherheit nicht vorwerfen kann ist ihr Bestreben durch diesen Refurbishment-Prozess Umsatz generieren zu wollen. Ein absolutes No-Go ist jedoch ihre stark beworbene Rückgabe-Politik, die mit ihrem sogenannten reBuy-Siegel steht und fällt – und ferner das eigentliche Alleinstellungsmerkmal im Rennen mit den Kleinanzeigen ist. Es handelt sich dabei, um einen Sticker, den man auch von anderen Anbietern kennt und welcher nach der funktionalen Prüfung eines Gerätes angebracht wird. Er ist normalerweise an Stellen zu finden, die schwierig zu erreichen sind und gleichzeitig kennzeichnet er den Zugang zu sensiblen Mechaniken. Wird das Siegel gebrochen bzw. durchtrennt verfällt die Garantie des Anbieters, da die Ware bei einer nicht vorgesehenen Nutzungsweise Schaden genommen haben könnte. Das ergibt durchaus Sinn, denn auch der Verkäufer hat ein Recht auf Schutz. Dieser Verfällt für mich jedoch bei mangelnder Transparenz und Opportunismus bei den eigenen Maßstäben.

„Im Online-Shop erhalten Kunden neben einem Festpreisangebot und sofortigem Versand auch die 36-monatige reBuy-Garantie.“ – www.gruenderszene.de

Da ich durch das Fehlen eines ausreichenden Rechtssystems Abstand vom privaten Handel mit gebrauchten Gegenständen genommen habe, hatte mich die reBuy-Garantie als Käufer schnell im Sack. Ich bestellte eine N64-Spielkonsole mit Zubehör und war enttäuscht als diese nach ihrer Ankunft nicht funktionierte. Gott sei Dank würde ich mich jedoch auf die Rückgabe-Garantie eines fairen Betriebes verlassen können. Also dachte ich. Denn was ich bekam, war keine Erstattung, sondern Anschuldigungen. Und in einer Art, die nicht viel Raum für Einsprüche ließ.

In einer E-Mail wurde mir mitgeteilt, dass das Gütesiegel durchtrennt worden wäre und mir die Konsole deshalb zurückgeschickt werden würde. Über einen ebenfalls mitgesendeten Bewertungslink äußerte ich meine Verwunderung. Eine weitere E-Mail wiederholte die Angaben der vorherigen und ich wartete somit auf die Retour des N64. Hatte ich die Konsole versehentlich geöffnet? War da irgendwo ein Siegel? Ich erinnerte mich. Na klar, da auf dem Modul für die Speichererweiterung klebte ein Sticker. Doch was hatte diese Stelle bitte mit der restlichen Elektronik zu tun?

Die Konsole war wieder da und tatsächlich klebte derselbe Sticker immer noch auf dem Memory Expansion Pack. Unbeschädigt. Und oben darauf ein Weiterer auf dem stand:

btr

„Kein Umtausch bei zerstörtem Siegel!“. Da drüber das reBuy-Logo.

Weshalb wurde der N64 nun nicht zurückgenommen? Ein Telefonat am heutigen Morgen brachte mehr oder weniger Aufschluss. Der Mitarbeiter am anderen Ende der Leitung erklärte mir energisch, dass es sich tatsächlich, um einen Siegelbruch handeln würde, der sich innerhalb des Gerätes zugetragen hatte. Die Konsole musste so gesehen fachmännisch und mit einem hohen Aufwand geöffnet worden seien – dass hätten die Experten vor Ort festgestellt. Mit anderen Worten: Das Gespräch war nach Textbuch beendet. Also dachte er wohl. Ich beharrte jedoch weiter auf meinem Recht. Schließlich klebte das unbeschädigte reBuy-Siegel ja über dem vom Hersteller zum alltäglichen Wechsel vorgesehenen, herausnehmbaren Speichermodul und nicht irgendwo tief im Inneren der Konsole. Die Qualitätssicherung hatte anscheinend fehlgeschlagen, denn er lenkte ein und ich durfte eine hoffentlich letzte Retour zurück an das Unternehmen vornehmen. Mal sehen was daraus wird.

Es gibt einige Käufer, die sich im Netz unter dem Suchbegriff „rebuy siegel“ zu dieser Masche in Foren und Kommentaren bereits vor Jahren geäußert haben. Und dass laut und mit völligem Unverständnis.

„Es ist unmöglich dass ein eventueller Siegelbruch von mir stammt – entweder gab es den schon vorher oder die versuchen mich zu verarschen. Wie soll ich das aber beweisen?“ – ollekungen, community.ebay.de

„Ich habe größere RAM ricel eingebaut, und nun meinen die, dass die Gewährleistung dadurch erlöschen sei.Ich bin der Meinung ,dadurch dass der RAM nicht im Zusammenhang mit der Grafikkarte steht das nicht gerechtfertigt ist.“ – maximuff13, iszene.com

Ich selbst musste mich nach einem Kleinanzeigen-Geschäft einmal als „der Böse“ sehen, weil jemand nicht mit dem Zustand meiner Ware einverstanden war. Und er bekam sein Geld letztendlich legitim zurück. Ein Handel kann mal schiefgehen, doch ein dreistes Geschäftsmodell daraus zu machen andere wissentlich in die Irre zu führen ist nicht in Ordnung. Das Unternehmen reBuy sollte seine Rückgabe-Politik (unser Wort gegen das Ihre) schnellstmöglich überarbeiten und seinen qualitativen Ansprüchen gerecht werden. Bis dahin muss ich davon abraten dort zu kaufen und verkaufen.


© Beitragsbild: reBuy

Faceless Burial Multiversal Abattoir EP hell’s gate down under

Faceless Burial – Multiversal Abattoir, EP: hell’s gate down under

[english translation of: Faceless Burial – Multiversal Abattoir, EP: Höllentor Down Under]

Australia has a reputation as one of the most brutal places in the world. Although its inhabitants are so friendly and relaxed. There are golden beaches, crystal clear waters, exotic landscapes and in advertising all surf together in peace. Okay, there would be the hostile heat and deadly animals, but otherwise from morning to evening everything says „Hang Loose!“, right? Not correct! Because the darkest side of Australia is not due to nature, but the local death metal scene. One of its evil plants has claimed the name Faceless Burial and stood for its unmistakable and brutal sound of the old school since the first demo in 2015. The EP Multiversal Abattoir is their third fiendish sprout following the first full length album Grotesque Miscreation (September 2017) and was evoked from a hellish underworld at the end of last year known only to the band members Alex, Max and Fuj.

With „Sluiced In Celestial Sewerage“ Multiversal Abattoir starts, like its predecessor quiet and threatening. The crumbling of rocks can be heard. On a guitar a background music is played, which can not promise anything good. Otherwise it is quiet. For the last time stones are falling. Then the evil takes its course. „Theriomorphic Meconium Aspiration“ begins without warning with a riff reminiscent of Entombed’s Wolverine Blues. This is followed by volleys of heavy blast beats, shrieks that resound with stretch torture from the six-string-section, and a grudging, biting laryngeal chant that can be attributed to death metal, but would not be disdained even by the most elitist black metal supporters. The tracks „Piteous Sepulcher (of Amentia)“, „Fistulated Beyond Recognition“ and „Multiversal Abattoir“ carry on the torch and result in a grunting avalanche of ash and lava, until they have buried everything under them, that trys to resist the uncompromising bone-dry mixed sound.

Faceless Burial’s Multiversal Abattoir is like being exposed vulnerable to the Australian heat. It’s brutal, relentless and agony. Anything a death metal record should be. A strong, albeit short, release that makes you hungry for a new album.


© featured image: ME SACO UN OJO, BLOOD HARVEST, bandcamp