Dänemark macht die Schotten dicht: eine verdammt heiße EM, Sozialdemokratie für wilde Kerle und die neue gemütliche Härte – kommentiert von Claudia Neumann

Foulspiel! Aber nein, Herr Schiedsrichter, das war doch eben Hygge. Ach so, na, dann bitte her mit dem Videobeweis. Ganz klar! Gemütliche Härte seitens der Dänen. Das Spiel darf unter der sengenden Sonne, welche das Logo der EM 2020 ironischerweise in das korrekte Datum 2021 angeschmolzen hat, unabdingbar barmherzig fortgeführt werden. Während die vom Bundes-Jogi mental eiskaltgestellten Deutschen versuchen, mit ernster Miene die Cooling Breaks durch hinter den Ohrläppchen eingeklemmte Erfrischungsstäbchen zu überbrücken und die italienischen Spieler hilflos auf der mit hausgemachtem Stracciatella-Eis ausgekleideten Ersatzbank festkleben, verschaffen sich die Wikingernachfahren derweil einen taktischen Vorteil durch ihr handwerkliches Geschick und rudern im traditionell errichteten Knorr auf dem Sud der eigenen Mannschaftskameraden erneut Richtung Strafraum des gegnerischen Teams. Wie schön haben es da die eigenen Leute zu Hause, die einen lindernden Hauch der erfreulich frostigen Atmosphäre erhaschen dürfen, die im Rahmen des beliebten Endgettoisierungsprogrammes der einzigen farbenblinden sozialdemokratischen Regierung mit ausgeprägter Links-Rechtsschwäche der Welt ihre befremdlich fremdenfeindliche Betriebstemperatur in der Mitte der Gesellschaft gefunden hat.

Erste Eindrücke unserer Fußball-Kommentatorin Claudia Neumann, die in der Zwischenzeit von erzkonservativ westeuropäischen Alpha-Männchen über die dänische Grenze gejagt wurde: „Meine Verfolger haben die Seilbagger der SozialdemokratInnen gekapert und hetzen mich unerbittlich durch die Straßen Kopenhagens! Später dann brandheiße Informationen zur lokalen Wohlfühlpolitik der SkandinavierInnen.“

Danke Claudia! Wir kommen auf dich zurück. Wie wunderbar, dass es nun endlich auf der Hand liegt. Die schottischen Fans haben nicht etwa leck geschlagen und werden mithilfe des Serums eines Start-ups aus Dänemark von innen Bier abweisend imprägniert. Es sind die heimischen Grenzen, welche es totalitär abzuriegeln gilt und wer hätte es gedacht, verraten, das die regionalen Sozen doch farblich unterscheiden können, also wer dort hingehört und was zugereist ist. Damit stecken sie die deutschen KollegInnen der SPD locker in die Tasche, wenn es darum geht, die eigenen Werte sagen wir einmal wirtschaftsdienlich zu modernisieren. Wo zweitere dabei hängen geblieben sind, Schröders Erbschaft zu verwalten und die immer noch immer ärmer Seienden mühsam an die immerzu immer reicher Werdenden heranzuführen, hat ihr nordisches Pendant, die Genialität des Systems Best of Both Worlds erkannt. Wieso WählerInnen an die populistischen Debatten der radikalen Randbewohner des politischen Spektrums verlieren, wenn man sich die reißerischsten Streitpunkte einfach aneignen kann und die eigentlichen Inhaber gewillt sind, brav zu kooperieren. Ganz entgegen einem FDP-Motto, welches die Relevanz sehnsüchtige SPD nimmer im Angesicht der nahenden völkischen Bedeutungslosigkeit mit der Kneifzange anzutasten wagen würde. Lieber gar nicht zu regieren, als falsch zu regieren.

Die Socialdemokraterne Frederiksens hingegen merkt an: Wer richtig regieren will, der muss eskalieren. Sozialleistungen für echte Dänen, Abschiedsbriefe für Migranten und lähmende Depressionen für rechtspopulistische Maulhelden, die nicht glauben können, dass ihnen ein roter Block aus geschäftigen Sozialisten die Existenzberechtigung entzieht. Soll es ein Gregor Gysi ruhig versuchen, infrage zu stellen, was eigentlich besser war, bevor die erste Flüchtlingswelle aus Syrien die Dänen erreichte. Und wer genau mehr von was ganz spezifisch hatte. Als habe schon jemals in der Geschichte des Landes ein Däne einen anderen Dänen übers Ohr gehauen. Somit hebt sich Ministerpräsidentin Mette Frederiksen gekonnt die lästige Scham eines Horst Seehofers für die letzten Tage im Amt auf, der sich nun knapp vor der Rente wünschte, er hätte 2011 nie geäußert, sich „bis zur letzten Patrone“ gegen die Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wehren zu wollen. Da verkratzen keine an Austausch orientierten Protestcamps von MigrantInnen die eiserne Erfolgsgeschichte der angestrebten Bizarrokratie, zu denen sich lediglich ein paar Freaks von Linksaußen gesellen, die merkwürdige Anstalten machen die Gesprächsbereitschaft als Tugend eines wahrhaftigen gesamtgesellschaftlichen Annäherungsprozesses zu sehen. Denn weshalb Geld an eine Sache verschwenden, die man sowieso nie ernsthaft wollte. Reisende soll man nicht aufhalten und jemanden zu vertreiben ist leichter als zu begreifen, dass Integration keine Einbahnstraße ist, bei dem der eine die vollen 100 Prozent gehen soll, wie bei einem furchtbar peinlichen Kuss, der für beide Seiten eine Qual ist. Dass es molliger ist, sich abzuschotten und in Angst vor dem Nachbarn zu leben, sollen Dänemarks Kinder bald abermals lernen. Härte statt Hygge.

Eine stabile Verbindung zu unserer zeitweiligen Auslandskorrespondentin Claudia Neumann besteht jetzt wieder. Claudia, wie ergeht es dir dort drüben?

„Ich bin auf meiner Flucht in den Dreck gestürzt und zu den bisherigen Jägern sind indes dänische Bürger hinzugestoßen, die denken, ich wäre eine syrische Geflüchtete und sozialdemokratisch entschieden haben, dass ich das Land verlassen muss.“

Spitze! Mach dir keine Sorgen, Claudia. Das ist die neue Gemütlichkeit!

Quellen:

https://www.fr.de/meinung/kolumnen/em-21-claudia-neumann-stimme-fraunenfeindlich-fussball-kolumne-90806289.html

https://www.spiegel.de/ausland/fluechtlinge-aus-syrien-in-daenemark-haerte-statt-hygge-a-633f9231-a838-42f1-aa61-00202b9e4bf5

https://www.welt.de/politik/deutschland/article231577309/Abschied-aus-der-Politik-Horst-Seehofer-ueber-seine-politische-Karriere.html

Heidenreich, das verrufene Sternchen und der Hass auf asiatische Menschen: Es muss von Frauen gesprochen werden!

„Meine Herren und Damen, wenn ich als Frau zu Ihnen spreche, so hoffe ich doch, dass recht viele Männer auf meine Worte achten werden. Die Frau ist vollberechtigte Staatsbürgerin. Es gibt viel mehr Frauen im wahlfähigen Alter als Männer.“

SPD-Politikerin Marie Juchacz, Begründerin der Arbeiterwohlfahrt und erste Frau, die vor Abgeordneten eine Rede hält

Wir alle kennen diesen einen Hollywood-Film, in dem eine junge Frau ihre Leidenschaft für einen Sport oder Beruf entdeckt, der bisher lediglich als reine Männer-Domäne gegolten hat. Im Laufe des Plots überzeugt sie durch einen hingebungsvollen Einsatz und wird als vollwertiger Teil des Teams akzeptiert. Allerdings ist dies noch nicht das Happy End, denn aufgrund ihrer bewusst gewählten bübischen Verkleidung hat noch niemand gerafft, dass Erik in Wahrheit kein kerniger Kerl ist, sondern Erika eine toughe Dame. Die Bombe platzt. Wie kann so was passieren? Eine selbstbewusste Frau sticht eine Bande von talentfreien Typen aus, die sich lieber in ihrem Chauvinismus suhlen, anstatt anständig zu trainieren. Wo es doch klar ist, dass das generische Maskulinum seit jeher eine Befähigung zur Ausübung der Tätigkeit von potenziellen Interessentinnen ausgeschlossen hat. Das Ende ist wie immer zum Kotzen. Damit die Union der eindimensionalen Brüllaffen nicht ihr Gesicht verliert, darf Erika bleiben, weil sie bewiesen hat, dass sie als richtiger Macho taugt und Haare auf den Zähnen mitbringt. Zum krönenden Abschluss gibt es vom Chef noch einen Klaps auf den Arsch, als Gütesiegel versteht sich. Sie ist nun ein richtiger er und somit naturgesetzmäßig absolut qualifiziert. Der Erfolg aktueller Kinoproduktionen nach Schweighöfer und Schweiger verrät, dass solche Unterhaltungsprodukte nicht aus der Zeit gefallen sind, sondern im Hier und Jetzt hoch im Kurs.

Vor diesem Gedankenspiel ist es erschütternd, wenn sich intelligente und wortgewandte Frauen wie der *Linken-Politiker Sarah Wagenknecht und der renommierte *Schriftsteller Elke Heidenreich für eine Gesinnung stark machen, welche die Frau als Opfer patriarchaler Denkstrukturen noch weiter aus unserer gesellschaftlichen Wahrnehmung verdrängt, als sie es ohnehin schon wird. Die Begründungen für die Ansichten sind so ignorant, dass es einen fassungslos zurücklässt. Wer sich gegen den großen Bruder nicht mit Tritten und Schlägen durchzusetzen weiß, der hat es verdient, wie eine anspruchslose kleine Heulsuse schikaniert zu werden. Im Kampf gegen die belächelte Identitätspolitik ihrer eigenen Partei kommentiert Wagenknecht, dass sie sich in ihrer heutigen Position nicht mehr als Opfer verkaufen würde. Ein Satz, der einem das Blut aus den Augen schießen lässt, wenn man sich die traurige Statistik zu Gemüte führt, welche das Buch Alle drei Tage der Autorinnen Backes und Bettoni behandelt.

Wo keine Probleme gesehen werden, kann es auch keine Lösungen geben. – Die unsichtbare Entmenschlichung, Vanessa Vu

Jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu ermorden. Jeden dritten Tag gelingt ein solcher Mord. Ja, wir sprechen nicht von Saudi-Arabien oder der Türkei, sondern der europäischen Vorzeigerepublik überragender westlicher Werte. Im Werk geht es um die fortschreitende Degradierung der Frau zum Objekt, die Entwicklung der Gewalt gegen Frauen als strukturelle Gefahr und vermutlich einem der bedeutsamsten Punkte der Art und Weise in der den weiblichen Opfern, denn sie sind Opfer nach geltendem Recht und haben es verdient, als geschädigte Individuen gesehen und gehört zu werden, der schwarze Peter zu geschoben wird. Wie kann es eine Frau wagen, sich von ihrem Mann zu trennen? Da dürfen es ruhig mal mildernde Umstände sein, wenn der Gatte nachträglich die Prügelstrafe verhängt hat (nicht). Doch freilich ist dieses Problem ein globales und keine Verkettung von unglücklichen Umständen. Als ein 21-jähriger junger Mann am 16. März in Atlanta aus purer Verachtung acht Menschen in drei verschiedenen Massagesalons erschießt, sind unter den OPFERN maßgeblich asiatische Frauen vertreten. Der zuständige Polizeisprecher spricht daraufhin von einer Versuchung, die der gläubige Christ eliminieren wollte. Außerdem habe er einen schlechten Tag gehabt. Mutmaßlich ebenso der gerade genannte Mitarbeiter der Polizei, welcher in Anbetracht seiner süffisanten Erklärung des Amoklaufes vom Dienst freigestellt wurde. Der Hass auf Asiat*innen liegt insbesondere tief in der Geschichte der AmerikanerInnen begründet. Der Hass auf Frauen schlägt hingegen tiefere Wurzeln.

Etwas ist diesmal anders. Vielleicht ist es der Umstand, dass die öffentliche Aufmerksamkeit sich zum ersten Mal auf Menschen richtet, die sie sonst übersieht, – weil sie arm sind, weil sie weiblich sind oder weil sie migriert sind. – Die unsichtbare Entmenschlichung, Vanessa Vu

Vanessa Vu offenbart in ihrem Beitrag für die Zeit, dass der Hass auf Frauen kein Problem einer abgesonderten Mittelschicht und eine besonnen angebrachte Identitätspolitik kein privilegierter Unsinn sind und anderorts dementsprechend gewürdigt werden. Bezeichnend für die Notwendigkeit eines kollektiven Umdenkens sind zudem die Ausführungen Sasha Lobos über die wachsende Frauenfeindlichkeit in den sozialen Medien. Wie Lobo zusammenfasst, ist es essenziell, nicht länger nur über Frauen hinweg zu reden. Es muss von Frauen gesprochen werden. Denn es hilft nur:

Widersprechen, aufklären, wenn nötig und situativ sinnvoll, verbale Gegenangriffe starten. Denn – und das ist leider keine Übertreibung: Frauenhass tötet. – In sozialen Medien wandelt sich das Klima – in Richtung Frauenfeindlichkeit, Sasha Lobo

* Aus Rücksicht auf die Standpunkte von Wagenknecht und Heidenreich werden sie mit dem generischen Maskulinum vorgestellt.

Quellen:

https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-05/antiasiatischer-rassismus-corona-diskriminierung-sexismus-atlanta-marco-polo-geschichte

https://www.deutschlandfunkkultur.de/backes-und-bettoni-alle-drei-tage-dann-hat-er-versucht-mich.1270.de.html?dram:article_id=493609

https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/sascha-lobo-in-sozialen-medien-wandelt-sich-das-klima-in-richtung-frauenfeindlichkeit-a-72e24390-505b-4f02-8283-308c71f7df9d?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

https://www.n-tv.de/leute/Heidenreich-Gendern-verhunzt-Sprache-article22594645.html

„Die wollen doch nur protestieren!“: eine neue bürgerliche Mitte und ihre Haltung

„Politik ist der Kampf um die rechte Ordnung.“ – Otto Suhr (1950)

Konfrontiert mit aktuellem Bewegtbildmaterial von der Karnevalsfront der regierungskritischen Wuttouristen, auch Querdenker-Szene genannt, ist es schwer, von der Hand zu weisen. Die Versessenheit durch die Befeuerung von ziellosen Ausschreitungen die eigens durchgebrannten Gemüter der Republik zu befrieden, hat längst französische Ausmaße angenommen. Schallender Beifall ist jenen sicher, welche die Verdächtigungen über die wahren Strippenzieher hinter Virus und viraler bevölkerungsfeindlicher Medienmache endlich einmal aussprechen. Das Kinderblut in der morgendlichen Kaffeetasse von Hillary Clinton, akribisch abgezapft von Tech-Terrorist Bill Gates, der nahezu nebensächlich die verheerende Entstehung einer globalen Pandemie bewerkstelligte und das alles komfortabel abgewickelt vom Hauptquartier der elitären Superbösewichte: Gesundheitsminister Jens Spahns kürzlich erdreisteter und vollständig mit Vitamin B betriebener Berliner Nobelhütte.

Das Ich im Querdenken

Wer wagt es, diesen bewegten Massen Einhalt zu gebieten? Den Grundgesetz-Gondolieres und Ruderinnen, George-Orwell-Verstehenden und in Regenbogenfahnen gewickelten Thor-Steinar-Modells, heute gekleidet in luftigen Oberteilen einer historischen Friedensbewegung, die nur das beste für dieses Land und ihre Mitmenschen einfordern. „Die wollen doch nur protestieren!“ So lautet die einfühlsame Beschwerde an linksgrün-versiffte Radikale, welche es riskieren, die, verglichen mit der Eroberung des Weißen Hauses ihrer amerikanischen Genossen des rechtschaffenen Zornes, schambehaftete Stürmung des Bundestages im Angesicht schäumender Münder als möglicherweise überspitzt zu betiteln. Doch es ist genug. Um es mit den Worten des neuen US-Präsidenten Joe Biden zu sagen, welcher sich vor kurzer Zeit zu einem erneuten Attentat durch Waffengewalt in South Colorado und einer diesbezüglichen Erwirkung strengerer Gesetze äußerte: „Enough, enough, enough.“ Wer nicht begreift, dass die Einschränkung persönlicher Freiheiten zur Sicherung eines friedlichen Miteinanders beiträgt, der sollte noch einmal im Kindergarten anfangen und sich dort belehren lassen. Oder beim ADAC. Du darfst die Straßen dieses Staates nutzen, sofern Du dich im Auto anschnallst. Ohne geht es nicht und außerdem ist es zu Deinem Besten. Danke Volvo für die Erfindung des Dreipunkt-Sicherheitsgurtes. Doch bei einer medizinischen Maske, wie sie in asiatischen Lebensräumen aus Respekt gegenüber den Mitmenschen zur häuslichen Grundausstattung gehört, ist der Spaß vorbei und erst recht bei einer Ausgangssperre, die das gesellige aufeinander Hocken im stickigen Kulturgut Partykeller verhindert. „DDR-DIKTATUR!“ Wer so etwas brüllt, hat die bürgerliche Mitte verlassen oder gar neu erfunden.

Guerilla-Gartenzwerge im Anmarsch

Nach Gauck fordert nun Wagenknecht das Reden mit Rechten ein. Entschuldigung. Denen, die dazwischengeraten sind. So heißt es nun richtig, wenn man sich an Initiativen wie #allesdichtmachen orientiert. Doch der Welpenschutz ist Geschichte. Todeslisten deutscher PolitikerInnen, körperliche Gewalt gegen JournalistInnen und Reichskriegsflaggen vor dem Parlamentsgebäude. Orwell fand in seinem dieser Tage oft zitiertem Buch 1984 die Worte: „Freiheit ist die Freiheit zu sagen, dass zwei plus zwei, vier ergibt.“ Doch mit rationalem Verhalten haben die Taten der Protestierenden, welche selbst für den bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder vor dem Einfluss der Alternative für Deutschland in das Extrem einer potenziellen „Corona-RAF“ fallen, nichts mehr zu tun. Nun wurde bekannt, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz Personen und Teile der Querdenker-Bewegung beobachtet. Der 1964 in Dresden geborene Schauspieler und öffentlich in Kritik geratene #allesdichtmachen-Initiator Jan Josef Liefers sagte hinsichtlich der Unruhen: „Es gibt nicht nur auf der Seite der Erkrankten Trauer und Leid, sondern auch auf der Seite derer, die unter diesen Maßnahmen inzwischen nun wirklich anfangen zu leiden, die sehe ich nicht so richtig vertreten.“ Jenen, die sich jedoch lediglich um die psychische Gesundheit ihrer Liebsten sorgen, die grausige Tapete daheim nicht mehr ertragen und die Rückkehr des wöchentlichen Streuselkuchenessens an Omas Küchentisch herbeisehnen, sei angeraten, sich an den Krawallen des verfassungsfeindlichen Pulkes nicht zu beteiligen und sich anderweitig den Frust von der Seele abzuarbeiten. Ansonsten könnten die Festanstellung, die weiße Weste des anständigen Bürgertums und die Anerkennung im Freundeskreis bald in Gefahr sein – und dieses Mal zu Recht.

Quellen:

https://www.tagesspiegel.de/politik/die-gefahr-einer-terrorzelle-besteht-extremismusforscher-beunruhigt-ueber-wachsende-gewaltbereitschaft-bei-querdenkern/27140028.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

https://www.spiegel.de/kultur/allesdichtmachen-jan-josef-liefers-verteidigt-aktion-ulrike-folkerts-raeumt-fehler-ein-a-87bdb82e-1fe5-492d-a68b-e74f12c33335

https://www.welt.de/politik/deutschland/article224044124/Corona-und-Sicherheit-Markus-Soeder-warnt-vor-einer-Corona-RAF.html

Generation beleidigt: Wie ihr Alten es euch mit der Jugend verscherzt

Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Twitch, Instagram und Twitter haben eure teuren Nachkommen gefressen. Die werden den Teufel tun und sie einfach wieder ausspucken. Es gibt kein Entkommen, solange ihre UserInnen keine Anstalten machen, sich eigenständig aus ihren Kommentarbereichen und virtuellen Sehnsuchtskonstrukten zu befreien. Warum auch? In den ätzenden Spiegelkabinetten der Selbstvermarktung ist es heute zu finden, das Abenteuer, welches damals von den Eltern angestoßen und mit jenen bestritten wurde, die ebenfalls von ihren Erziehungsberechtigten vor die Tür gesetzt worden waren. „Wird sich schon ein Gestrüpp finden, dass euch als Piratenschiff dient“. Oder was auch immer. Aber das war einmal. Dieser Ort heißt jetzt Internet. Da gibt es ausreichend großartige Angebote, anders gesagt gute Gründe in Hülle und Fülle, um nach dem Schulabschluss nicht das Haus verlassen zu müssen. Uni kostet halt, das destruktive BAföG-Amt kann uns mal gerne haben und 24/7 zu streamen vernebelt einem schöner die Rübe, als angestrengt Wirtschaftspolitik zu pauken. Da holt uns eure gepriesene Berufsausbildung nicht aus dem Scheinwerferlicht der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie hervor. Wieso sollten wir es in Erwägung ziehen, uns die nächsten 30 Jahre für einen Betrieb kaputtzumachen, um uns kurz vor einer Rente, die ziemlich sicher nicht mehr existieren wird, wenn wir einmal am Stock gehen werden, aus dem Job mobben zu lassen und plötzlich auf zufällig enthaltene Flaschen in städtischen Abfalleimern angewiesen zu sein. In der Gaming-Szene nennt sich das Random Encounter. Per Crowdfunding lassen wir uns daher lieber das Leben mit Spenden finanzieren, wenn wir eine coole Idee für einen Podcast haben. Außerdem sind wir politisch aktiv in grünen Bewegungen, antifaschistischen Aktionen, etablieren neue Parteien und versuchen die aschgraue Festung der Kommunikationsproblematiken, den Bundestag, in neue Farben zu kleiden. Zugegebenermaßen ist nicht jeder unserer Ansätze und revolutionären Vorstöße pures Gold. Mit ausgestreckten Zeigefingern befinden wir uns im alltäglichen gesellschaftlichen Durcheinander auf der Jagd nach Nazis und mit dieser übertriebenen Bezeichnung meinen wir leider häufig nicht nur rechtsradikale BürgerInnen, sondern jene, die das Gendersternchen mit Argwohn betrachten, nur wissen, wie man sich auf der Straße durch die Nacht bringt und Marx nicht gelesen haben, Eier kaufen, für die möglicherweise Küken geschreddert wurden und über 90-jährige alte weiße, sich pflichtbewusst heterosexuell verhaltene Männer, in deren Kindheit auf Transsexuellsein die Todesstrafe stand.

Doch wir nehmen an, dass ihr es zu eurer Zeit besser gemacht habt. Ihr angestammten CDU/CSU-WählerInnen, scheinheiligen Facebook-Süchtigen und StayFriends-Emos. Ihr, die kopfschüttelnd über uns lacht, weil wir andere Träume und Bedürfnisse haben. Ihr, die das Raunen durch die Eckkneipe sendet, weil schon wieder ein Dunkelhäutiger in die Herren-Nationalmannschaft berufen wurde, der nicht mit dem Sandmännchen aufgewachsen ist, sondern im Dreck, in einem Entwicklungsland, dessen erbärmlicher Zustand von uns Wessis (und damit sind alle Deutschen gemeint) auf irgendeine Art und Weise und sei sie noch so geringfügig gefördert wurde. Ihr, die euch tatsächlich darüber wundert, dass die Zukunft anders aussieht, komplexer und vielfältiger ist, als es die Vergangenheit je sein konnte. Also überlegt vorher, ob es wirklich Nonsens ist, wenn eure Tochter sich danach erkundigt, wo die gekaufte Jeans hergestellt wurde. Euer ständig textender Sohn ein hoffnungsloser Taugenichts ist, weil er mit einem Zeitgeist konfrontiert wird, der jene mit einem unglaublichen Druck belastet, welche sich den sozialen Medien kritisch gegenüberstellen. Ihr, die nicht immer unrecht mit dem habt, was ihr sagt. Vielleicht finden wir dann zusammen einen Weg, auf dem wir voneinander lernen können.

Todd Philipps Joker, Take #2: zur falschen Zeit am falschen Ort

Am 10. Oktober 2019 startete Todd Philipps düstere Realo-Darstellung des manisch kichernden Batman-Schurken in den deutschen Kinos. Wenige Tage später saß ich in einer Vorstellung und war überwältigt von der kompromisslosen Handhabung der fantasievollen Thematik. In erster Linie lag dies an der mittlerweile Oscar prämierten Performance von Star-Akteur Joaquin Phoenix. Wie wunderbar verloren und giftig zugleich hauchte er der Silhouette des geisteskranken Unterschichtlers eine tragische Niedergestimmtheit ein, dessen schmerzerfüllter Blick ein so fantastischer Spiegel aller Ungeliebten, Vergessenen und Abgelehnten im Saal war. Damals fühlte ich mich angesprochen, heute um einiges wohler und klüger. Es ist nie leicht, sich einzugestehen, die Nerven verloren zu haben, wo wir uns so nah an der Wahrheit wägten. In diesem Augenblick hatte ich bereits mehrere Monate nicht mit meinem Vater gesprochen. Hasserfüllt und misstrauisch schüttelte ich einen emotionalen Cocktail, der mich eigentlich für den leichtfertigen Genuss dieses Filmes disqualifizierte. Ja, der ganze symbolische Schund kam mir gerade recht. Die Unbeholfenheit Flecks in sozialen Begegnungen, die eigens gewählte Einsamkeit aufgrund eines schwindenden Selbstwertgefühls, dass brodelnde Inferno im Bauch, dessen Transformation in klare Gedanken nicht mehr gelingt. Ich gierte danach den weinenden Clown zu sehen, die kalte Schulter einer verrohten Gesellschaft, die Alternativlosigkeit zum absoluten Chaos, die Kugel in Franklin und die Kugel in Wayne. Ja. Weiter. MEHR! … Stopp.

Runter mit dem Make-Up

And I have by me, for my comfort, two strange white flowers – shrivelled now, and brown and flat and brittle – to witness that even when mind and strength had gone, gratitude and tenderness still lived on in the heart of man.

The Time Machine, H. G. Wells

Rückblickend sehe ich mich vor dem Laptop, wie ich ein ätzendes Plädoyer gegen „die da oben“ verfasse und es als Review betitele. Es fehlt nur noch die Kosmetik im Gesicht, doch sinnbildlich wetze ich die Zähne hinter dem roten Clownsmund. Ich fordere Empathie vom Feuilleton ein, das Joker längst als furchtbar nihilistisches Machwerk enttarnt hat und sage einen Aufstand eines gleichgeschalteten Mobs voraus, der jene angehen wird, die weiterhin mit Arroganz auf die Benachteiligten und Schwachen herunterreden werden. Die Überzeugung, einen anständigen Beitrag abgeliefert zu haben, der insbesondere meine linksliberale Gesinnung untermauert, soll noch eine gute Weile andauern. Nun weiß ich es besser. Dieser Text sagte eines mit ziemlicher Sicherheit aus, und zwar, dass Selbstachtung leider noch immer nicht zu meinen Stärken zählt. Die ursprüngliche Bedeutung des Ausdruckes Make-up beschreibt den Prozess des Kompensierens, Ausgleichens, Vervollständigens und ich hatte in jener Phase einiges wettzumachen. Es hat keine Legitimität, bei anderen auf mehr Verständnis zu pochen, wenn wir uns persönlich für nicht würdig erachten. Der Zeitpunkt, an dem wir erkennen, dass wir einen respektvollen Umgang verdient haben, darf ferner nicht der sein, an dem wir Vergeltung üben, sondern von der Schminke ablassen und die Kunde nach außen tragen. Zärtlichkeit ist, was uns retten kann. Doch nur jene können dies verstehen, die in ihrem Leben bereits erfahren haben, was es bedeutet, umsichtig behandelt worden zu sein. Daher ist Todd Philipps Ansatz kein grundsätzlich verquerer Versuch zu veranschaulichen, was geschieht, wenn wir es nicht Schaffen von einem System ablassen zu können, dass Schwäche mit der Kürzung von Sozialleistungen bestraft und Rücksichtslosigkeit mit kostengünstigen Steuersätzen belohnt. Im Angesicht gesellschaftlicher Ungerechtigkeit darf sowohl gekämpft als auch geweint werden. Einen Wandel werden wir jedoch nur herbeiführen, wenn wir uns nicht zuerst selbst kleinmachen und unseren Glauben an ein respektvolles Miteinander mit einer schadenfrohen Fratze übermalen.

Die große Hut-Verschwörung: Tagtraum. Realität? Unsinn!

Für einen Moment bin ich nicht gänzlich da. Abgedriftet. Gedanklich auf der Arbeit. Wie komme ich bloß hierher?

Eine Stimme sagt: „Der Hut hat seinen eigenen Willen.“

Wie bitte? Ich drehe mich um. Eine unscheinbar wirkende Person sitzt keine Armlänge weit von mir entfernt in einem futuristisch geformten Sessel, visuell und farblich einer einsamen Steinkoralle ähnlich. Hinter ihr erstreckt sich ein mir sehr wohl bekannter Gang in einem schier unendlichen Ausmaß. Selbst bei genauerem Hinsehen erkenne ich den innehabenden Charakter der wunderlichen Anmerkung nicht. Natürlich, dies ist ein Tagtraum. In Wahrheit ist der Sessel scheußlich.

Ich sage: „Sie tragen keinen Hut.“

Ohne jedes weitere Zutun meinerseits bricht ein Redeschwall die Totenstille in der Begegnungsstätte. Der Hut wäre nicht hier. Er würde eine andere Gesellschaft bevorzugen. Das hieße ausschließlich seine Eigene. Auf der Flucht.

Ich sage: „Der Hut flieht?“

„Unterbrechen Sie nicht. Ist das nicht komisch? Es handelt sich um einen Abhörskandal. Normalerweise hören Hüte Menschen ab. Nicht umgekehrt.“

Während die fremde Seele versucht, einen folgenden Absatz mit einem großen Atemzug freizugeben, löst sie sich in Luft auf. Ich liebe diese Gespräche, weil sie Nonsens sind, aber unschuldig. Basierend auf dem gesundheitlichen Zustand des Gegenübers. Ich höre gerne zu, weil auch ich in meiner eigenen Welt lebe, in der manchmal oben unten ist und hässliche Stühle eine fantastisch ozeanische Gestalt annehmen, wenn ich mich ausgestempelt habe und die Augen schließe. Ich schlendere entspannt ein paar Schritte und genieße skurrile Kunst an den ewig langen Wänden, die meiner Vorstellungskraft zu verdanken ist.

„Der Hut ist nicht hier!“

Ich bin nicht mehr allein.

„Ja, Sie haben es mir erklärt. Wir haben uns noch nicht vorgestellt.“

„Ich habe erklärt und Sie nicht zugehört. Der Abhörskandal.“

Ich sage: „In Ordnung. Keine Namen. Möchten Sie über etwas anderes reden?“

„Es gibt nichts, dass wichtiger ist und jetzt sind sie eingeweiht. Sie sind ein Teil der Geschichte.“

Wie ich bereits angemerkt habe, bin ich ein Sympathisant verrückten Small-Talks, doch an dieser Stelle verpflichtet abzublocken.

„In ihrer Lebensrealität mag es so sein, doch in meiner Wahrnehmung macht dieser Zusammenhang keinen Sinn.“

Das anonyme Individuum wendet sich irritiert von mir ab und setzt zu einem erneuten unbändigen Monolog an. Es geht nun ebenso um andere Kopfbedeckungen, richtige und falsche Frisuren und den Geist von Karl Lagerfeld. Ich gebe mein bestes rational zu argumentieren, Fehler in der Verschwörungsmatrix zu erfragen, aber ich komme nicht durch. Plötzlich steht ein Schuldspruch im Raum. Die Muslime wären verantwortlich für eine drohende Hut-Verknappung. Leider enden diese Konversationen ab und an unangenehm.

Ein Piepton erklingt. Dieses Mal bin ich es, der sich zurückzieht. Heimwärts in die Realität. Ich habe aus Versehen den Touchscreen des Smartphones berührt. Am anderen Ende der Leitung redet noch immer ein Mensch, der mir lieb und teuer ist. Was er sagt, ist mir hingegen weder lieb noch teuer. Nonsens, aber nicht unschuldig. Ich werde es noch glauben, die Pandemie ist ein abgekartetes Ding. Bill Gates unterwerfe uns alle mit seiner Macht. Außerdem machen seine Chemtrails … Es wäre besser, wenn wir jetzt Schluss machen würden.

Das Gespräch ist beendet und ich frage mich, auf wessen Kopf dieser Hut in der Zwischenzeit sein Exil gefunden hat.

FCB und Sat.1 sind sich einig: Lufen und Flick tauschen ihre Jobs

Dieser Wechsel ist fix! Sat.1-Moderatorin Marlene Lufen wird überraschend Hans-Dieter Flick in seiner Cheftrainer-Position des Fußball-Erstligisten FC Bayern München beerben. Jener wird im Austausch Lufens Platz als festes Teammitglied im Frühstücksfernsehen des beliebten deutschen Privatsenders einnehmen. Damit kommt der Rekordmeister einem potenziellen Rose-Terzic-Deal seiner Bundesliga-Kontrahenten Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach in Sachen PR gekonnt zuvor und schafft es erneut, die Aufmerksamkeit öffentlichkeitswirksam auf sich zu ziehen. Ein doppeltes Zerwürfnis war dem Sensationsgeschäft vorausgegangen. Während Flick aufgrund sozial begründeter Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Umganges mit den Corona-Maßnahmen seitens des Vereines aus eigenen Stücken seinen Rücktritt in einem internen Schreiben angekündigt hatte, informierte Lufen ihre Fans per Instagram-Video über ihr drohendes Ausscheiden aus dem Morgenshow-Ensemble. Sie sprach von kreativen Differenzen als Auslöser für den nahenden Bruch. Dass ein Transferhammer aus dem geteilten Leid des ungleichen Paares entstehen konnte, ist alleinig dem Vorstandsvorsitzenden der FC Bayern München AG, Karl-Heinz Rummenigge, zu verdanken. Nach dem gestrigen Sieg der Klub-WM in Katar äußerte sich der ehemalige Weltklassestürmer ausführlich in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz zu der Verpflichtung Lufens, wie dem damit einhergehenden Abgang Flicks.

Das Besteste was wir hätten machen können!“

Es wäre Zeit gewesen. Das hätte Hansi selbst gespürt. So begann Rummenigge die PK in wohlwollendem Ton mit Bezug auf die baldige Ex-Personalie Flick. Für das Presse-Event hatten die Verantwortlichen sich einstimmig auf die Mannschaftskabine der Bestia Negra geeinigt. In der schmalen Runde aus fünfzig namhaften Journalisten, zu denen ebenfalls aus dem Ausland angereiste Medienvertreter zählten, waren medizinische Mund- und Nasenschutzmodelle optional. Schließlich sei man hier „Dahoam“, witzelte der Vorsitzende keck. Deutscher Meister, DFB-Pokal-Sieger, Champions-League-Sieger, doppelter Supercup-Sieger und jetzt Vereinsweltmeister, das sei alles schön und gut, doch reiche noch nicht. Erstens müsse das von nun an so weitergehen und zweitens werde der FC Bayern in Zukunft durchsetzungsfähiger auftreten. Flick würde sich nicht in der Lage sehen, diesen Weg zu 100 Prozent mitgehen zu können. Skrupel könne man sich auf diesem Niveau nicht erlauben.

Rummenigge stellte diesbezüglich Folgendes heraus: „Da harrt eine Truppe von professionellen Berufsfußballern mal eine Nacht lang einfach so auf dem Rollfeld aus, um auf die Starterlaubnis zu warten. Das sind keine Pfadfinder, die Jungs verkümmern seelisch in so einer Situation. Da muss dann halt auch mal die Bundeswehr aktiv werden dürfen, um uns schnellstmöglich auszuhelfen. Marlene hat Verständnis für so was. Ich glaube, in ein paar Jahren werden wir auf diese Situation zurückblicken und uns alle besinnen. Die Lufen bei den Bayern. Das Besteste was wir hätten machen können!“ Ehrenpräsident Uli Hoeneß bekräftigte in einem später erfolgten Radiointerview diese Ansicht und fügte hinzu: „Der Hans hat die richtige Entscheidung getroffen. Im Fernsehgarten ist er gut aufgehoben und wird dort ein stückweit den deutschen Fußball repräsentieren. Das ist eine wichtige Geschichte.“

Auf ein Heißgetränk mit Lauterbach

Der erfahrene Fußballlehrer Hans-Dieter Flick hatte sich in der Vergangenheit mehrfach kritisch über die dekadente Weltanschauung der Führungsriege des FC Bayern München geäußert. Insbesondere die fragwürdige Umsetzung der vorgeschriebenen Pandemie-Maßnahmen erregte seinen Unmut. Er freue sich nun auf seinen neuen Job und darauf, das Thema ernsthaft angehen zu können. Es hätte bereits ein Telefonat mit Karl Lauterbach gegeben. Der würde dann mal auf einen Kaffee und zum Torwandschießen vorbeikommen. Auch Lufen wäre dazu eingeladen. Diese hätte jedoch bereits abgesagt. Es wäre Apokalypse, was Flick da anprangern würde. Die Wissenschaft und die VirologInnen hätten zu viel Macht in dieser Angelegenheit der Profifußball hingegen zu wenig Mitspracherecht. Dem FC Bayern München ein Fehlverhalten zuzuschreiben wäre eine schwierige Modellrechnung. Als Cheftrainerin werde sie die Geschehnisse mit einer größeren Handlungsfreiheit aufarbeiten und die Gesamtproblematik hinreichend erörtern.

Teilen macht Spaß und Klicks: Wer ist der echte Dr. Phil?

Ein guter Mensch muss tun, was ein guter Mensch tun muss / Luxus und Ruhm, rumlutschen bis zum Schluss – Gute Menschen, OK Kid

Am 12. Dezember 2006 ereignete sich ein obskurer Moment im US-amerikanischen Fernsehen zwischen Trash-Regisseur Ty Beeson und Entertainer Phillip McGraw, der nachhaltig in die Annalen der Internetgeschichte eingehen sollte. Schauplatz war das Set McGraws beliebter Unterhaltungssendung Dr. Phil, welche einen bunten Mix aus Talk-Show, Familientherapie und anderweitiger psychologischer Beratung darstellt und aktuell noch immer fortgeführt wird. Die 19. Staffel ist derzeit auf CBS zusehen. Die Sendung existiert seit September 2002. Ein wahrer TV-Dino also, dieser mediale Nervenklempner, ja das ist er unbestreitbar, doch ein gleichwohl kontrovers diskutierter Charakter, dessen blank poliertes Image als leutseliger Medien-Onkel all die abgedrehten Jahre nicht ohne ein paar mächtige Schrammen überstand. So fasste The Miscellany News, Studentenzeitschrift des Vassar College und eine der ältesten nationalen Institutionen ihrer Art in einem investigativen Artikel im Februar 2019 die gesammelten Vergehen McGraws zusammen. Neben seiner fiktiven Identität als Doktor, der mittlerweile ohne Zulassung eine inhaltslose Küchenpsychologie betreiben würde, galt als prominentester Anklagepunkt der oft beklagte Missbrauch seiner Gäste. McGraw geriet im Laufe seiner Karriere des Öfteren in die Kritik, weil er TeilnehmerInnen mit unterschiedlichen Maßnahmen unter Druck gesetzt hatte, vermeintlich aus dem Grund, sie vor laufender Kamera zum Gespött seines Publikums machen zu können.

Auch Teilnehmer Ty Beeson hatte geplant, McGraw mit ähnlichen Anschuldigungen zu konfrontieren und unternahm einen seiner Persona würdigen Versuch. Geladen war er, um Stellung zu einem von ihm produzierten Independent-Film der Bumfights-Reihe zu beziehen, für den er und seine Helfer Obdachlose mit Geld und Alkohol bestachen, um gegeneinander zu kämpfen bzw. erniedrigende Aufgaben zu erfüllen. Schon die ursprünglichen Bumfights-Macher erlangten durch den Vertrieb des ersten Teiles einen traurigen Weltruhm. Der Verkauf von Kopien des Trash-Streifens machte sie zu Millionären. Auch Beeson wurde durch die Veröffentlichung eines zweiten Teiles nach eigener Angabe reich. Er habe mehrere Millionen Dollar mit dem Bumfights-Konzept verdient und sei nicht überrascht bezüglich seines Erfolges. Es sei eine kranke Welt. Seine Zielgruppe würde sich für die Dokumentation von Gewalttaten an Obdachlosen interessieren, welche er lediglich zum Arbeiten animieren würde. Für den geschulten Moderator war klar, wer in diesem Standoff der Buhmann sein würde, zu Recht, das darf gesagt sein, doch verlief seine angedachte Verurteilung Beesons nicht wie erwartet. Beeson betrat die Bühne in voller Dr.-Phil-Montur inklusive rasierter Halbglatze und warf dem Fernsehpsychologen mit unerwartetem Trotz Heuchelei vor, als dieser bereits angestrengt versuchte, seinen ungeliebten Doppelgänger aus dem Rampenlicht entfernen zu lassen. Während das Publikum den Abgang Beesons mit Applaus für den fassungslosen Host begleitete, erntete McGraw vornehmlich Spottnach dem Bekanntwerden des Vorfalls und seiner Weiterverbreitung im Internet. In Kommentarbereichen von Blogs und Video-Plattformen stellten sich viele User entgegen seiner verachtenswerten Taten auf die Seite Beesons und bestärkten den Vorwurf der Unaufrichtigkeit McGraws, insbesondere in Bezug auf seine eigenen Verfehlungen. Beeson warf damit eine Frage auf, die so alt ist, wie die Bibel und konträr zum Ekel-Effekt der Bumfights-Inszenierungen wirkte. Inwiefern ist es legitim, mit guten Taten hausieren zu gehen?

MrBeast, Philanthrop und Trendsetter

Wohnungslose Menschen sollten weit über den Einflussbereich McGraws und Ty Beesons hinaus eine krude Faszination für Selbstdarsteller beibehalten, die das Internet als Plattform für ihre aufopferungsvollen Taten entdeckt hatten. Was war es doch für eine unangenehme Mutation medial ausgeschlachteter Wohlfahrtsbekundungen als sogenannte Kultur schaffende Web-Kreateure durch die Straßen zogen und Not leidende Fremde mit Happy Meals der Fast-Food-Kette McDonalds versorgten. Eine klare Win-win-Situation für alle Beteiligten. So konnten hilfsbedürftige Gestalten ihre Sorgen für einen Augenblick bei dem Verzehr eines matschigen Cheeseburgers vergessen, während ihnen nach Aufmerksamkeit geifernde Influencer eine Kamera ins Gesicht hielten. Philanthropismus im digitalen Zeitalter, wie wunderbar. Dass sich aus dieser Modeerscheinung ein regelrechter Sport entwickeln würde, war abzusehen. Bevorzugt auf YouTube häuften sich mit der Zeit Bewegtbildbeiträge, welche amtliche Schenkungen großer Geldbeträge und luxuriöser Wertgegenstände als Prämisse einer neuen Gattung der Unterhaltung manifestierten. Kunstfiguren wie der seit 2012 unter dem Tag MrBeast aktive YouTube-Star Jimmy Donaldson erkannten den Heißhunger der Massen auf eine Zelebrierung des sorglosen Umgangs mit werbefinanzierten Unsummen.

Während er seinen Einstand als ernst zu nehmende Medienpersönlichkeit noch mit übermäßig langen Stunts feierte, innerhalb derer er sich sinnlos scheinenden Herausforderungen wie einem knapp zweitägigen Zählen bis 100000 und dem Drehen eines Fidget Spinners für 24 Stunden stellte, bezahlt er heute andere mit unwirklich scheinenden Beträgen dafür, die Rolle der Jahrmarkt-Attraktion einzunehmen. Fünfstellige Preise gibt es da schon einmal für ein bloßes Armdrücken gegen jemanden aus seiner Entourage, das kurzweilige Halten eines Klimmzuges und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Doch gerade hier wird klar, dass es nicht darum geht, dass Teilen Spaß macht, sondern Klicks es nicht wichtig ist, ob ein Fan letztendlich in einem neuen Haus wohnt, sondern das Unternehmen im Schatten MrBeasts, welches die teure Bleibe in Wahrheit finanziert hat, von dieser Kooperation profitiert. Obgleich Donaldson für seine großzügigen Aktionen von seiner Community als bedeutendster Menschenfreund seiner Generation gefeiert wird und mit gleichermaßen surrealen Spendenaktionen Aufsehen erregte, gibt es Stimmen im Netz, die ihn für sein Standing als exzentrischer Samariter schelten, zuletzt unter dem Hashtag ‚EatTheRich‘ (fresst die Reichen). Es scheint somit weder auszureichen noch vernünftig zu sein, der anfänglich aufgekommenen Frage nachzugehen, inwiefern eine öffentliche Darstellung der eigenen Rechtschaffenheit sinnig ist, sondern vielleicht eher, was einen wahrhaftigen Humanisten ausmacht. Scherzhaft merkten Beobachter des Dr.-Phil-Vorfalls zu jener Zeit an, dass sie nicht sagen könnten, ob nun McGraw oder tatsächlich Beeson die Bühne verlassen hätte. Wer war der echte Dr. Phil und wer ist es heute? McGraw, Beeson oder etwa doch MrBeast?

Die Lösung des Falles

Es ist zu differenzieren, doch ein Tatverdacht hat sich bestätigt. Im Zuge der Ermittlungen ist klar geworden, dass niemand der beteiligten den Status eines wahren Menschenliebhabers verdient hat. Denn wer nur zur Ausübung von Nächstenliebe schreitet, wenn er an ihr mitverdient, sollte den Heiligenschein lieber nicht zu hoch hängen. Ein Philanthrop brüstet sich nicht mit Millioneneinnahmen aus billigen Filmchen, in denen Obdachlose missbraucht werden, hofft nicht auf Ruhm durch eine forciert negative Herrichtung psychisch kranker Menschen oder hat es nötig, andere zu Werbekomparsen zu degradieren. Letzteres ist schlichtweg die Aufgabe eines Kapitalisten. Im schlimmsten Fall ereignet sich eine neue Wendung und im Spiegel steht da plötzlich Dr. Phil vor uns, wenn wir selbstsüchtig handeln, wo wir uns als Gönner präsentieren. Zu den Basisanforderungen für das Ideal eines Philanthropen gehören folglich ein Mindestmaß an Selbstreflexion und Ehrlichkeit, eine Gier nach Luxus und Ruhm hingegen nicht.

Quellen:

https://www.businessinsider.com/mrbeast-youtube-jimmy-donaldson-net-worth-life-career-challenges-teamtrees-2019-11?r=DE&IR=T#mrbeast-was-born-as-jimmy-donaldson-on-may-7-1998-1

https://miscellanynews.org/2019/02/20/opinions/dr-phil-peddles-lies-manipulates-guests-for-tv-fame/

Pokémon Go Selfie World Championship 2021: Eskapismus x Gucci x The North Face

Willkommen zurück zum Livestream der ersten offiziellen Pokémon-Go-Selfie-Weltmeisterschaft! Die Stimmung hier im einzigartigen Nationalstadion Tokyos ist trotz der gewissenhaft durchgeführten Pandemieregelungen weiterhin unglaublich. Noch immer an meiner Seite und fleißig bei der Arbeit, das Gesehene für unsere virtuellen Pokémon-Freunde da draußen zusammenzufassen, sitzt mein treuer Begleiter Schiggy. Zur Erinnerung: Parallel berichten wir über alle Ereignisse, Breaking News und sonstigen Informationen rundum dieses fantastische Event in den sozialen Medien. Ihr konntet keines der exklusiven Tickets für den digitalen Zuschauerbereich des Kokuritsu kyōgijō ergattern, doch sehnt euch nach einem regen Austausch mit anderen Pokémon-Fans? Nutzt einfach das virale Hashtag ‚pgoswc2021‘ des Pokémon Go Selfie World Championship 2021 und werdet im Handumdrehen ein Mitglied unserer internationalen Community. Nehmt an AMAs mit unseren Beauty-Expertinnen Rossana und Roselia teil, welche euch über das perfekte Make-up sowie die besten Tipps und Tricks beim Posieren für ein preisverdächtiges Poké-Selfie aufklären. Sichert euch obendrein großartige Preise, bereitgestellt durch unsere diesjährigen Hauptsponsoren Gucci und The North Face. Zu verlosen sind phänomenale Produkte ihrer brandneuen Kollaboration, darunter: extravagante Jacken, Schuhe, Taschen, Rucksäcke, Kleider, Schlafsäcke und Zelte, welche eigens für die Outdoor-Suche nach Pokémon konzipiert wurden. Bei der farblichen Gestaltung orientierten sich die gegensätzlichen Modelinien an den Mustern unterschiedlicher Pflanzen- und Insekten-Typen. Was sagst du Schiggy? Dich stört das große Logo der Modemacher auf den Kleidungsstücken und Campingartikeln? Es fällt zu sehr auf und mindert den Tarneffekt? Aber Schiggy, wenn es anders wäre, würden die Menschen auf den Fotos gar nicht mehr im Mittelpunkt stehen, sondern bloß das ganze Grünzeug um sie herum. Ah! Der Countdown! Bevor wir in wenigen Augenblicken die Übertragung des Spielfeldes wieder aufnehmen, folgt nun eine kurze, aber bedeutende Mitteilung unseres Pokémon-Go-Sicherheitsteams:

Liebe Trainerinnen und Trainer,

bitte achtet wie immer auf eure Umgebung, wenn ihr Pokémon GO spielt, und haltet euch an die Verordnungen von Gesundheitsbehörden. Seid stets aufmerksam, wenn ihr euch während der Nutzung unserer App durch öffentliche Räume bewegt und behaltet den Weg vor euch wie eure Mitmenschen im Auge. Euer Wohlsein ist uns ein wichtiges Anliegen. Viel Spaß beim Verfolgen des PGOSWC 2021!

Innerhalb der letzten Wochen waren Userinnen und User weltweit in furchterregende Unfälle verwickelt worden. So fiel ein Schwede während einer Fabrikbesichtigung in eine riesige Eismaschine, als er die Verfolgung eines flinken Gelatini aufgenommen hatte. In Indien wurde eine unvorsichtige Influencerin nur einen Tag später von einem riesigen Baum begraben, als sie einen Schnappschuss mit einem Grillmak wagte. In diesem Sinne raten wir euch zur Vorsicht und wünschen den beiden eine baldige Genesung. Andererseits, wie heißt es so schön: no risk, no Pokémon. Autsch! Hey Schiggy, du hast mich vor das Knie gestoßen! Oh, sieh nur die nächste Runde beginnt! Der griechische Trainer betritt das Feld, welches sich in ein Waldgebiet transformiert hat. Er wird versuchen, sich mit einem Symvolara zu fotografieren und ist dafür sogar mit der kostspieligen Kollektion Gucci x The North Face ausgestattet. Was ist Schiggy? Du sagst, dass er durch die künstlichen Farben Aufsehen erregt und sich besser der Natur anpassen sollte? Aber Schiggy, als ob … Herr je! Das Symvolara hat ihn entdeckt und baut sich vor ihm auf. Es scheint wütend zu sein und zu einer Psychokinese-Attacke anzusetzen! Ähh! Liebe Fans, wir scheinen vor Ort technische Schwierigkeiten zu erleben und werden uns zurückmelden, sobald wir wieder ein stabiles Signal herstel… *Piiiep*