Dänemark macht die Schotten dicht: eine verdammt heiße EM, Sozialdemokratie für wilde Kerle und die neue gemütliche Härte – kommentiert von Claudia Neumann

Foulspiel! Aber nein, Herr Schiedsrichter, das war doch eben Hygge. Ach so, na, dann bitte her mit dem Videobeweis. Ganz klar! Gemütliche Härte seitens der Dänen. Das Spiel darf unter der sengenden Sonne, welche das Logo der EM 2020 ironischerweise in das korrekte Datum 2021 angeschmolzen hat, unabdingbar barmherzig fortgeführt werden. Während die vom Bundes-Jogi mental eiskaltgestellten Deutschen versuchen, mit ernster Miene die Cooling Breaks durch hinter den Ohrläppchen eingeklemmte Erfrischungsstäbchen zu überbrücken und die italienischen Spieler hilflos auf der mit hausgemachtem Stracciatella-Eis ausgekleideten Ersatzbank festkleben, verschaffen sich die Wikingernachfahren derweil einen taktischen Vorteil durch ihr handwerkliches Geschick und rudern im traditionell errichteten Knorr auf dem Sud der eigenen Mannschaftskameraden erneut Richtung Strafraum des gegnerischen Teams. Wie schön haben es da die eigenen Leute zu Hause, die einen lindernden Hauch der erfreulich frostigen Atmosphäre erhaschen dürfen, die im Rahmen des beliebten Endgettoisierungsprogrammes der einzigen farbenblinden sozialdemokratischen Regierung mit ausgeprägter Links-Rechtsschwäche der Welt ihre befremdlich fremdenfeindliche Betriebstemperatur in der Mitte der Gesellschaft gefunden hat.

Erste Eindrücke unserer Fußball-Kommentatorin Claudia Neumann, die in der Zwischenzeit von erzkonservativ westeuropäischen Alpha-Männchen über die dänische Grenze gejagt wurde: „Meine Verfolger haben die Seilbagger der SozialdemokratInnen gekapert und hetzen mich unerbittlich durch die Straßen Kopenhagens! Später dann brandheiße Informationen zur lokalen Wohlfühlpolitik der SkandinavierInnen.“

Danke Claudia! Wir kommen auf dich zurück. Wie wunderbar, dass es nun endlich auf der Hand liegt. Die schottischen Fans haben nicht etwa leck geschlagen und werden mithilfe des Serums eines Start-ups aus Dänemark von innen Bier abweisend imprägniert. Es sind die heimischen Grenzen, welche es totalitär abzuriegeln gilt und wer hätte es gedacht, verraten, das die regionalen Sozen doch farblich unterscheiden können, also wer dort hingehört und was zugereist ist. Damit stecken sie die deutschen KollegInnen der SPD locker in die Tasche, wenn es darum geht, die eigenen Werte sagen wir einmal wirtschaftsdienlich zu modernisieren. Wo zweitere dabei hängen geblieben sind, Schröders Erbschaft zu verwalten und die immer noch immer ärmer Seienden mühsam an die immerzu immer reicher Werdenden heranzuführen, hat ihr nordisches Pendant, die Genialität des Systems Best of Both Worlds erkannt. Wieso WählerInnen an die populistischen Debatten der radikalen Randbewohner des politischen Spektrums verlieren, wenn man sich die reißerischsten Streitpunkte einfach aneignen kann und die eigentlichen Inhaber gewillt sind, brav zu kooperieren. Ganz entgegen einem FDP-Motto, welches die Relevanz sehnsüchtige SPD nimmer im Angesicht der nahenden völkischen Bedeutungslosigkeit mit der Kneifzange anzutasten wagen würde. Lieber gar nicht zu regieren, als falsch zu regieren.

Die Socialdemokraterne Frederiksens hingegen merkt an: Wer richtig regieren will, der muss eskalieren. Sozialleistungen für echte Dänen, Abschiedsbriefe für Migranten und lähmende Depressionen für rechtspopulistische Maulhelden, die nicht glauben können, dass ihnen ein roter Block aus geschäftigen Sozialisten die Existenzberechtigung entzieht. Soll es ein Gregor Gysi ruhig versuchen, infrage zu stellen, was eigentlich besser war, bevor die erste Flüchtlingswelle aus Syrien die Dänen erreichte. Und wer genau mehr von was ganz spezifisch hatte. Als habe schon jemals in der Geschichte des Landes ein Däne einen anderen Dänen übers Ohr gehauen. Somit hebt sich Ministerpräsidentin Mette Frederiksen gekonnt die lästige Scham eines Horst Seehofers für die letzten Tage im Amt auf, der sich nun knapp vor der Rente wünschte, er hätte 2011 nie geäußert, sich „bis zur letzten Patrone“ gegen die Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme wehren zu wollen. Da verkratzen keine an Austausch orientierten Protestcamps von MigrantInnen die eiserne Erfolgsgeschichte der angestrebten Bizarrokratie, zu denen sich lediglich ein paar Freaks von Linksaußen gesellen, die merkwürdige Anstalten machen die Gesprächsbereitschaft als Tugend eines wahrhaftigen gesamtgesellschaftlichen Annäherungsprozesses zu sehen. Denn weshalb Geld an eine Sache verschwenden, die man sowieso nie ernsthaft wollte. Reisende soll man nicht aufhalten und jemanden zu vertreiben ist leichter als zu begreifen, dass Integration keine Einbahnstraße ist, bei dem der eine die vollen 100 Prozent gehen soll, wie bei einem furchtbar peinlichen Kuss, der für beide Seiten eine Qual ist. Dass es molliger ist, sich abzuschotten und in Angst vor dem Nachbarn zu leben, sollen Dänemarks Kinder bald abermals lernen. Härte statt Hygge.

Eine stabile Verbindung zu unserer zeitweiligen Auslandskorrespondentin Claudia Neumann besteht jetzt wieder. Claudia, wie ergeht es dir dort drüben?

„Ich bin auf meiner Flucht in den Dreck gestürzt und zu den bisherigen Jägern sind indes dänische Bürger hinzugestoßen, die denken, ich wäre eine syrische Geflüchtete und sozialdemokratisch entschieden haben, dass ich das Land verlassen muss.“

Spitze! Mach dir keine Sorgen, Claudia. Das ist die neue Gemütlichkeit!

Quellen:

https://www.fr.de/meinung/kolumnen/em-21-claudia-neumann-stimme-fraunenfeindlich-fussball-kolumne-90806289.html

https://www.spiegel.de/ausland/fluechtlinge-aus-syrien-in-daenemark-haerte-statt-hygge-a-633f9231-a838-42f1-aa61-00202b9e4bf5

https://www.welt.de/politik/deutschland/article231577309/Abschied-aus-der-Politik-Horst-Seehofer-ueber-seine-politische-Karriere.html

Heidenreich, das verrufene Sternchen und der Hass auf asiatische Menschen: Es muss von Frauen gesprochen werden!

„Meine Herren und Damen, wenn ich als Frau zu Ihnen spreche, so hoffe ich doch, dass recht viele Männer auf meine Worte achten werden. Die Frau ist vollberechtigte Staatsbürgerin. Es gibt viel mehr Frauen im wahlfähigen Alter als Männer.“

SPD-Politikerin Marie Juchacz, Begründerin der Arbeiterwohlfahrt und erste Frau, die vor Abgeordneten eine Rede hält

Wir alle kennen diesen einen Hollywood-Film, in dem eine junge Frau ihre Leidenschaft für einen Sport oder Beruf entdeckt, der bisher lediglich als reine Männer-Domäne gegolten hat. Im Laufe des Plots überzeugt sie durch einen hingebungsvollen Einsatz und wird als vollwertiger Teil des Teams akzeptiert. Allerdings ist dies noch nicht das Happy End, denn aufgrund ihrer bewusst gewählten bübischen Verkleidung hat noch niemand gerafft, dass Erik in Wahrheit kein kerniger Kerl ist, sondern Erika eine toughe Dame. Die Bombe platzt. Wie kann so was passieren? Eine selbstbewusste Frau sticht eine Bande von talentfreien Typen aus, die sich lieber in ihrem Chauvinismus suhlen, anstatt anständig zu trainieren. Wo es doch klar ist, dass das generische Maskulinum seit jeher eine Befähigung zur Ausübung der Tätigkeit von potenziellen Interessentinnen ausgeschlossen hat. Das Ende ist wie immer zum Kotzen. Damit die Union der eindimensionalen Brüllaffen nicht ihr Gesicht verliert, darf Erika bleiben, weil sie bewiesen hat, dass sie als richtiger Macho taugt und Haare auf den Zähnen mitbringt. Zum krönenden Abschluss gibt es vom Chef noch einen Klaps auf den Arsch, als Gütesiegel versteht sich. Sie ist nun ein richtiger er und somit naturgesetzmäßig absolut qualifiziert. Der Erfolg aktueller Kinoproduktionen nach Schweighöfer und Schweiger verrät, dass solche Unterhaltungsprodukte nicht aus der Zeit gefallen sind, sondern im Hier und Jetzt hoch im Kurs.

Vor diesem Gedankenspiel ist es erschütternd, wenn sich intelligente und wortgewandte Frauen wie der *Linken-Politiker Sarah Wagenknecht und der renommierte *Schriftsteller Elke Heidenreich für eine Gesinnung stark machen, welche die Frau als Opfer patriarchaler Denkstrukturen noch weiter aus unserer gesellschaftlichen Wahrnehmung verdrängt, als sie es ohnehin schon wird. Die Begründungen für die Ansichten sind so ignorant, dass es einen fassungslos zurücklässt. Wer sich gegen den großen Bruder nicht mit Tritten und Schlägen durchzusetzen weiß, der hat es verdient, wie eine anspruchslose kleine Heulsuse schikaniert zu werden. Im Kampf gegen die belächelte Identitätspolitik ihrer eigenen Partei kommentiert Wagenknecht, dass sie sich in ihrer heutigen Position nicht mehr als Opfer verkaufen würde. Ein Satz, der einem das Blut aus den Augen schießen lässt, wenn man sich die traurige Statistik zu Gemüte führt, welche das Buch Alle drei Tage der Autorinnen Backes und Bettoni behandelt.

Wo keine Probleme gesehen werden, kann es auch keine Lösungen geben. – Die unsichtbare Entmenschlichung, Vanessa Vu

Jeden Tag versucht ein Mann in Deutschland, seine Partnerin oder Ex-Partnerin zu ermorden. Jeden dritten Tag gelingt ein solcher Mord. Ja, wir sprechen nicht von Saudi-Arabien oder der Türkei, sondern der europäischen Vorzeigerepublik überragender westlicher Werte. Im Werk geht es um die fortschreitende Degradierung der Frau zum Objekt, die Entwicklung der Gewalt gegen Frauen als strukturelle Gefahr und vermutlich einem der bedeutsamsten Punkte der Art und Weise in der den weiblichen Opfern, denn sie sind Opfer nach geltendem Recht und haben es verdient, als geschädigte Individuen gesehen und gehört zu werden, der schwarze Peter zu geschoben wird. Wie kann es eine Frau wagen, sich von ihrem Mann zu trennen? Da dürfen es ruhig mal mildernde Umstände sein, wenn der Gatte nachträglich die Prügelstrafe verhängt hat (nicht). Doch freilich ist dieses Problem ein globales und keine Verkettung von unglücklichen Umständen. Als ein 21-jähriger junger Mann am 16. März in Atlanta aus purer Verachtung acht Menschen in drei verschiedenen Massagesalons erschießt, sind unter den OPFERN maßgeblich asiatische Frauen vertreten. Der zuständige Polizeisprecher spricht daraufhin von einer Versuchung, die der gläubige Christ eliminieren wollte. Außerdem habe er einen schlechten Tag gehabt. Mutmaßlich ebenso der gerade genannte Mitarbeiter der Polizei, welcher in Anbetracht seiner süffisanten Erklärung des Amoklaufes vom Dienst freigestellt wurde. Der Hass auf Asiat*innen liegt insbesondere tief in der Geschichte der AmerikanerInnen begründet. Der Hass auf Frauen schlägt hingegen tiefere Wurzeln.

Etwas ist diesmal anders. Vielleicht ist es der Umstand, dass die öffentliche Aufmerksamkeit sich zum ersten Mal auf Menschen richtet, die sie sonst übersieht, – weil sie arm sind, weil sie weiblich sind oder weil sie migriert sind. – Die unsichtbare Entmenschlichung, Vanessa Vu

Vanessa Vu offenbart in ihrem Beitrag für die Zeit, dass der Hass auf Frauen kein Problem einer abgesonderten Mittelschicht und eine besonnen angebrachte Identitätspolitik kein privilegierter Unsinn sind und anderorts dementsprechend gewürdigt werden. Bezeichnend für die Notwendigkeit eines kollektiven Umdenkens sind zudem die Ausführungen Sasha Lobos über die wachsende Frauenfeindlichkeit in den sozialen Medien. Wie Lobo zusammenfasst, ist es essenziell, nicht länger nur über Frauen hinweg zu reden. Es muss von Frauen gesprochen werden. Denn es hilft nur:

Widersprechen, aufklären, wenn nötig und situativ sinnvoll, verbale Gegenangriffe starten. Denn – und das ist leider keine Übertreibung: Frauenhass tötet. – In sozialen Medien wandelt sich das Klima – in Richtung Frauenfeindlichkeit, Sasha Lobo

* Aus Rücksicht auf die Standpunkte von Wagenknecht und Heidenreich werden sie mit dem generischen Maskulinum vorgestellt.

Quellen:

https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-05/antiasiatischer-rassismus-corona-diskriminierung-sexismus-atlanta-marco-polo-geschichte

https://www.deutschlandfunkkultur.de/backes-und-bettoni-alle-drei-tage-dann-hat-er-versucht-mich.1270.de.html?dram:article_id=493609

https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/sascha-lobo-in-sozialen-medien-wandelt-sich-das-klima-in-richtung-frauenfeindlichkeit-a-72e24390-505b-4f02-8283-308c71f7df9d?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

https://www.n-tv.de/leute/Heidenreich-Gendern-verhunzt-Sprache-article22594645.html

„Die wollen doch nur protestieren!“: eine neue bürgerliche Mitte und ihre Haltung

„Politik ist der Kampf um die rechte Ordnung.“ – Otto Suhr (1950)

Konfrontiert mit aktuellem Bewegtbildmaterial von der Karnevalsfront der regierungskritischen Wuttouristen, auch Querdenker-Szene genannt, ist es schwer, von der Hand zu weisen. Die Versessenheit durch die Befeuerung von ziellosen Ausschreitungen die eigens durchgebrannten Gemüter der Republik zu befrieden, hat längst französische Ausmaße angenommen. Schallender Beifall ist jenen sicher, welche die Verdächtigungen über die wahren Strippenzieher hinter Virus und viraler bevölkerungsfeindlicher Medienmache endlich einmal aussprechen. Das Kinderblut in der morgendlichen Kaffeetasse von Hillary Clinton, akribisch abgezapft von Tech-Terrorist Bill Gates, der nahezu nebensächlich die verheerende Entstehung einer globalen Pandemie bewerkstelligte und das alles komfortabel abgewickelt vom Hauptquartier der elitären Superbösewichte: Gesundheitsminister Jens Spahns kürzlich erdreisteter und vollständig mit Vitamin B betriebener Berliner Nobelhütte.

Das Ich im Querdenken

Wer wagt es, diesen bewegten Massen Einhalt zu gebieten? Den Grundgesetz-Gondolieres und Ruderinnen, George-Orwell-Verstehenden und in Regenbogenfahnen gewickelten Thor-Steinar-Modells, heute gekleidet in luftigen Oberteilen einer historischen Friedensbewegung, die nur das beste für dieses Land und ihre Mitmenschen einfordern. „Die wollen doch nur protestieren!“ So lautet die einfühlsame Beschwerde an linksgrün-versiffte Radikale, welche es riskieren, die, verglichen mit der Eroberung des Weißen Hauses ihrer amerikanischen Genossen des rechtschaffenen Zornes, schambehaftete Stürmung des Bundestages im Angesicht schäumender Münder als möglicherweise überspitzt zu betiteln. Doch es ist genug. Um es mit den Worten des neuen US-Präsidenten Joe Biden zu sagen, welcher sich vor kurzer Zeit zu einem erneuten Attentat durch Waffengewalt in South Colorado und einer diesbezüglichen Erwirkung strengerer Gesetze äußerte: „Enough, enough, enough.“ Wer nicht begreift, dass die Einschränkung persönlicher Freiheiten zur Sicherung eines friedlichen Miteinanders beiträgt, der sollte noch einmal im Kindergarten anfangen und sich dort belehren lassen. Oder beim ADAC. Du darfst die Straßen dieses Staates nutzen, sofern Du dich im Auto anschnallst. Ohne geht es nicht und außerdem ist es zu Deinem Besten. Danke Volvo für die Erfindung des Dreipunkt-Sicherheitsgurtes. Doch bei einer medizinischen Maske, wie sie in asiatischen Lebensräumen aus Respekt gegenüber den Mitmenschen zur häuslichen Grundausstattung gehört, ist der Spaß vorbei und erst recht bei einer Ausgangssperre, die das gesellige aufeinander Hocken im stickigen Kulturgut Partykeller verhindert. „DDR-DIKTATUR!“ Wer so etwas brüllt, hat die bürgerliche Mitte verlassen oder gar neu erfunden.

Guerilla-Gartenzwerge im Anmarsch

Nach Gauck fordert nun Wagenknecht das Reden mit Rechten ein. Entschuldigung. Denen, die dazwischengeraten sind. So heißt es nun richtig, wenn man sich an Initiativen wie #allesdichtmachen orientiert. Doch der Welpenschutz ist Geschichte. Todeslisten deutscher PolitikerInnen, körperliche Gewalt gegen JournalistInnen und Reichskriegsflaggen vor dem Parlamentsgebäude. Orwell fand in seinem dieser Tage oft zitiertem Buch 1984 die Worte: „Freiheit ist die Freiheit zu sagen, dass zwei plus zwei, vier ergibt.“ Doch mit rationalem Verhalten haben die Taten der Protestierenden, welche selbst für den bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder vor dem Einfluss der Alternative für Deutschland in das Extrem einer potenziellen „Corona-RAF“ fallen, nichts mehr zu tun. Nun wurde bekannt, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz Personen und Teile der Querdenker-Bewegung beobachtet. Der 1964 in Dresden geborene Schauspieler und öffentlich in Kritik geratene #allesdichtmachen-Initiator Jan Josef Liefers sagte hinsichtlich der Unruhen: „Es gibt nicht nur auf der Seite der Erkrankten Trauer und Leid, sondern auch auf der Seite derer, die unter diesen Maßnahmen inzwischen nun wirklich anfangen zu leiden, die sehe ich nicht so richtig vertreten.“ Jenen, die sich jedoch lediglich um die psychische Gesundheit ihrer Liebsten sorgen, die grausige Tapete daheim nicht mehr ertragen und die Rückkehr des wöchentlichen Streuselkuchenessens an Omas Küchentisch herbeisehnen, sei angeraten, sich an den Krawallen des verfassungsfeindlichen Pulkes nicht zu beteiligen und sich anderweitig den Frust von der Seele abzuarbeiten. Ansonsten könnten die Festanstellung, die weiße Weste des anständigen Bürgertums und die Anerkennung im Freundeskreis bald in Gefahr sein – und dieses Mal zu Recht.

Quellen:

https://www.tagesspiegel.de/politik/die-gefahr-einer-terrorzelle-besteht-extremismusforscher-beunruhigt-ueber-wachsende-gewaltbereitschaft-bei-querdenkern/27140028.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

https://www.spiegel.de/kultur/allesdichtmachen-jan-josef-liefers-verteidigt-aktion-ulrike-folkerts-raeumt-fehler-ein-a-87bdb82e-1fe5-492d-a68b-e74f12c33335

https://www.welt.de/politik/deutschland/article224044124/Corona-und-Sicherheit-Markus-Soeder-warnt-vor-einer-Corona-RAF.html

Generation beleidigt: Wie ihr Alten es euch mit der Jugend verscherzt

Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Twitch, Instagram und Twitter haben eure teuren Nachkommen gefressen. Die werden den Teufel tun und sie einfach wieder ausspucken. Es gibt kein Entkommen, solange ihre UserInnen keine Anstalten machen, sich eigenständig aus ihren Kommentarbereichen und virtuellen Sehnsuchtskonstrukten zu befreien. Warum auch? In den ätzenden Spiegelkabinetten der Selbstvermarktung ist es heute zu finden, das Abenteuer, welches damals von den Eltern angestoßen und mit jenen bestritten wurde, die ebenfalls von ihren Erziehungsberechtigten vor die Tür gesetzt worden waren. „Wird sich schon ein Gestrüpp finden, dass euch als Piratenschiff dient“. Oder was auch immer. Aber das war einmal. Dieser Ort heißt jetzt Internet. Da gibt es ausreichend großartige Angebote, anders gesagt gute Gründe in Hülle und Fülle, um nach dem Schulabschluss nicht das Haus verlassen zu müssen. Uni kostet halt, das destruktive BAföG-Amt kann uns mal gerne haben und 24/7 zu streamen vernebelt einem schöner die Rübe, als angestrengt Wirtschaftspolitik zu pauken. Da holt uns eure gepriesene Berufsausbildung nicht aus dem Scheinwerferlicht der digitalen Aufmerksamkeitsökonomie hervor. Wieso sollten wir es in Erwägung ziehen, uns die nächsten 30 Jahre für einen Betrieb kaputtzumachen, um uns kurz vor einer Rente, die ziemlich sicher nicht mehr existieren wird, wenn wir einmal am Stock gehen werden, aus dem Job mobben zu lassen und plötzlich auf zufällig enthaltene Flaschen in städtischen Abfalleimern angewiesen zu sein. In der Gaming-Szene nennt sich das Random Encounter. Per Crowdfunding lassen wir uns daher lieber das Leben mit Spenden finanzieren, wenn wir eine coole Idee für einen Podcast haben. Außerdem sind wir politisch aktiv in grünen Bewegungen, antifaschistischen Aktionen, etablieren neue Parteien und versuchen die aschgraue Festung der Kommunikationsproblematiken, den Bundestag, in neue Farben zu kleiden. Zugegebenermaßen ist nicht jeder unserer Ansätze und revolutionären Vorstöße pures Gold. Mit ausgestreckten Zeigefingern befinden wir uns im alltäglichen gesellschaftlichen Durcheinander auf der Jagd nach Nazis und mit dieser übertriebenen Bezeichnung meinen wir leider häufig nicht nur rechtsradikale BürgerInnen, sondern jene, die das Gendersternchen mit Argwohn betrachten, nur wissen, wie man sich auf der Straße durch die Nacht bringt und Marx nicht gelesen haben, Eier kaufen, für die möglicherweise Küken geschreddert wurden und über 90-jährige alte weiße, sich pflichtbewusst heterosexuell verhaltene Männer, in deren Kindheit auf Transsexuellsein die Todesstrafe stand.

Doch wir nehmen an, dass ihr es zu eurer Zeit besser gemacht habt. Ihr angestammten CDU/CSU-WählerInnen, scheinheiligen Facebook-Süchtigen und StayFriends-Emos. Ihr, die kopfschüttelnd über uns lacht, weil wir andere Träume und Bedürfnisse haben. Ihr, die das Raunen durch die Eckkneipe sendet, weil schon wieder ein Dunkelhäutiger in die Herren-Nationalmannschaft berufen wurde, der nicht mit dem Sandmännchen aufgewachsen ist, sondern im Dreck, in einem Entwicklungsland, dessen erbärmlicher Zustand von uns Wessis (und damit sind alle Deutschen gemeint) auf irgendeine Art und Weise und sei sie noch so geringfügig gefördert wurde. Ihr, die euch tatsächlich darüber wundert, dass die Zukunft anders aussieht, komplexer und vielfältiger ist, als es die Vergangenheit je sein konnte. Also überlegt vorher, ob es wirklich Nonsens ist, wenn eure Tochter sich danach erkundigt, wo die gekaufte Jeans hergestellt wurde. Euer ständig textender Sohn ein hoffnungsloser Taugenichts ist, weil er mit einem Zeitgeist konfrontiert wird, der jene mit einem unglaublichen Druck belastet, welche sich den sozialen Medien kritisch gegenüberstellen. Ihr, die nicht immer unrecht mit dem habt, was ihr sagt. Vielleicht finden wir dann zusammen einen Weg, auf dem wir voneinander lernen können.

Die große Hut-Verschwörung: Tagtraum. Realität? Unsinn!

Für einen Moment bin ich nicht gänzlich da. Abgedriftet. Gedanklich auf der Arbeit. Wie komme ich bloß hierher?

Eine Stimme sagt: „Der Hut hat seinen eigenen Willen.“

Wie bitte? Ich drehe mich um. Eine unscheinbar wirkende Person sitzt keine Armlänge weit von mir entfernt in einem futuristisch geformten Sessel, visuell und farblich einer einsamen Steinkoralle ähnlich. Hinter ihr erstreckt sich ein mir sehr wohl bekannter Gang in einem schier unendlichen Ausmaß. Selbst bei genauerem Hinsehen erkenne ich den innehabenden Charakter der wunderlichen Anmerkung nicht. Natürlich, dies ist ein Tagtraum. In Wahrheit ist der Sessel scheußlich.

Ich sage: „Sie tragen keinen Hut.“

Ohne jedes weitere Zutun meinerseits bricht ein Redeschwall die Totenstille in der Begegnungsstätte. Der Hut wäre nicht hier. Er würde eine andere Gesellschaft bevorzugen. Das hieße ausschließlich seine Eigene. Auf der Flucht.

Ich sage: „Der Hut flieht?“

„Unterbrechen Sie nicht. Ist das nicht komisch? Es handelt sich um einen Abhörskandal. Normalerweise hören Hüte Menschen ab. Nicht umgekehrt.“

Während die fremde Seele versucht, einen folgenden Absatz mit einem großen Atemzug freizugeben, löst sie sich in Luft auf. Ich liebe diese Gespräche, weil sie Nonsens sind, aber unschuldig. Basierend auf dem gesundheitlichen Zustand des Gegenübers. Ich höre gerne zu, weil auch ich in meiner eigenen Welt lebe, in der manchmal oben unten ist und hässliche Stühle eine fantastisch ozeanische Gestalt annehmen, wenn ich mich ausgestempelt habe und die Augen schließe. Ich schlendere entspannt ein paar Schritte und genieße skurrile Kunst an den ewig langen Wänden, die meiner Vorstellungskraft zu verdanken ist.

„Der Hut ist nicht hier!“

Ich bin nicht mehr allein.

„Ja, Sie haben es mir erklärt. Wir haben uns noch nicht vorgestellt.“

„Ich habe erklärt und Sie nicht zugehört. Der Abhörskandal.“

Ich sage: „In Ordnung. Keine Namen. Möchten Sie über etwas anderes reden?“

„Es gibt nichts, dass wichtiger ist und jetzt sind sie eingeweiht. Sie sind ein Teil der Geschichte.“

Wie ich bereits angemerkt habe, bin ich ein Sympathisant verrückten Small-Talks, doch an dieser Stelle verpflichtet abzublocken.

„In ihrer Lebensrealität mag es so sein, doch in meiner Wahrnehmung macht dieser Zusammenhang keinen Sinn.“

Das anonyme Individuum wendet sich irritiert von mir ab und setzt zu einem erneuten unbändigen Monolog an. Es geht nun ebenso um andere Kopfbedeckungen, richtige und falsche Frisuren und den Geist von Karl Lagerfeld. Ich gebe mein bestes rational zu argumentieren, Fehler in der Verschwörungsmatrix zu erfragen, aber ich komme nicht durch. Plötzlich steht ein Schuldspruch im Raum. Die Muslime wären verantwortlich für eine drohende Hut-Verknappung. Leider enden diese Konversationen ab und an unangenehm.

Ein Piepton erklingt. Dieses Mal bin ich es, der sich zurückzieht. Heimwärts in die Realität. Ich habe aus Versehen den Touchscreen des Smartphones berührt. Am anderen Ende der Leitung redet noch immer ein Mensch, der mir lieb und teuer ist. Was er sagt, ist mir hingegen weder lieb noch teuer. Nonsens, aber nicht unschuldig. Ich werde es noch glauben, die Pandemie ist ein abgekartetes Ding. Bill Gates unterwerfe uns alle mit seiner Macht. Außerdem machen seine Chemtrails … Es wäre besser, wenn wir jetzt Schluss machen würden.

Das Gespräch ist beendet und ich frage mich, auf wessen Kopf dieser Hut in der Zwischenzeit sein Exil gefunden hat.

FCB und Sat.1 sind sich einig: Lufen und Flick tauschen ihre Jobs

Dieser Wechsel ist fix! Sat.1-Moderatorin Marlene Lufen wird überraschend Hans-Dieter Flick in seiner Cheftrainer-Position des Fußball-Erstligisten FC Bayern München beerben. Jener wird im Austausch Lufens Platz als festes Teammitglied im Frühstücksfernsehen des beliebten deutschen Privatsenders einnehmen. Damit kommt der Rekordmeister einem potenziellen Rose-Terzic-Deal seiner Bundesliga-Kontrahenten Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach in Sachen PR gekonnt zuvor und schafft es erneut, die Aufmerksamkeit öffentlichkeitswirksam auf sich zu ziehen. Ein doppeltes Zerwürfnis war dem Sensationsgeschäft vorausgegangen. Während Flick aufgrund sozial begründeter Meinungsverschiedenheiten bezüglich des Umganges mit den Corona-Maßnahmen seitens des Vereines aus eigenen Stücken seinen Rücktritt in einem internen Schreiben angekündigt hatte, informierte Lufen ihre Fans per Instagram-Video über ihr drohendes Ausscheiden aus dem Morgenshow-Ensemble. Sie sprach von kreativen Differenzen als Auslöser für den nahenden Bruch. Dass ein Transferhammer aus dem geteilten Leid des ungleichen Paares entstehen konnte, ist alleinig dem Vorstandsvorsitzenden der FC Bayern München AG, Karl-Heinz Rummenigge, zu verdanken. Nach dem gestrigen Sieg der Klub-WM in Katar äußerte sich der ehemalige Weltklassestürmer ausführlich in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz zu der Verpflichtung Lufens, wie dem damit einhergehenden Abgang Flicks.

Das Besteste was wir hätten machen können!“

Es wäre Zeit gewesen. Das hätte Hansi selbst gespürt. So begann Rummenigge die PK in wohlwollendem Ton mit Bezug auf die baldige Ex-Personalie Flick. Für das Presse-Event hatten die Verantwortlichen sich einstimmig auf die Mannschaftskabine der Bestia Negra geeinigt. In der schmalen Runde aus fünfzig namhaften Journalisten, zu denen ebenfalls aus dem Ausland angereiste Medienvertreter zählten, waren medizinische Mund- und Nasenschutzmodelle optional. Schließlich sei man hier „Dahoam“, witzelte der Vorsitzende keck. Deutscher Meister, DFB-Pokal-Sieger, Champions-League-Sieger, doppelter Supercup-Sieger und jetzt Vereinsweltmeister, das sei alles schön und gut, doch reiche noch nicht. Erstens müsse das von nun an so weitergehen und zweitens werde der FC Bayern in Zukunft durchsetzungsfähiger auftreten. Flick würde sich nicht in der Lage sehen, diesen Weg zu 100 Prozent mitgehen zu können. Skrupel könne man sich auf diesem Niveau nicht erlauben.

Rummenigge stellte diesbezüglich Folgendes heraus: „Da harrt eine Truppe von professionellen Berufsfußballern mal eine Nacht lang einfach so auf dem Rollfeld aus, um auf die Starterlaubnis zu warten. Das sind keine Pfadfinder, die Jungs verkümmern seelisch in so einer Situation. Da muss dann halt auch mal die Bundeswehr aktiv werden dürfen, um uns schnellstmöglich auszuhelfen. Marlene hat Verständnis für so was. Ich glaube, in ein paar Jahren werden wir auf diese Situation zurückblicken und uns alle besinnen. Die Lufen bei den Bayern. Das Besteste was wir hätten machen können!“ Ehrenpräsident Uli Hoeneß bekräftigte in einem später erfolgten Radiointerview diese Ansicht und fügte hinzu: „Der Hans hat die richtige Entscheidung getroffen. Im Fernsehgarten ist er gut aufgehoben und wird dort ein stückweit den deutschen Fußball repräsentieren. Das ist eine wichtige Geschichte.“

Auf ein Heißgetränk mit Lauterbach

Der erfahrene Fußballlehrer Hans-Dieter Flick hatte sich in der Vergangenheit mehrfach kritisch über die dekadente Weltanschauung der Führungsriege des FC Bayern München geäußert. Insbesondere die fragwürdige Umsetzung der vorgeschriebenen Pandemie-Maßnahmen erregte seinen Unmut. Er freue sich nun auf seinen neuen Job und darauf, das Thema ernsthaft angehen zu können. Es hätte bereits ein Telefonat mit Karl Lauterbach gegeben. Der würde dann mal auf einen Kaffee und zum Torwandschießen vorbeikommen. Auch Lufen wäre dazu eingeladen. Diese hätte jedoch bereits abgesagt. Es wäre Apokalypse, was Flick da anprangern würde. Die Wissenschaft und die VirologInnen hätten zu viel Macht in dieser Angelegenheit der Profifußball hingegen zu wenig Mitspracherecht. Dem FC Bayern München ein Fehlverhalten zuzuschreiben wäre eine schwierige Modellrechnung. Als Cheftrainerin werde sie die Geschehnisse mit einer größeren Handlungsfreiheit aufarbeiten und die Gesamtproblematik hinreichend erörtern.

Teilen macht Spaß und Klicks: Wer ist der echte Dr. Phil?

Ein guter Mensch muss tun, was ein guter Mensch tun muss / Luxus und Ruhm, rumlutschen bis zum Schluss – Gute Menschen, OK Kid

Am 12. Dezember 2006 ereignete sich ein obskurer Moment im US-amerikanischen Fernsehen zwischen Trash-Regisseur Ty Beeson und Entertainer Phillip McGraw, der nachhaltig in die Annalen der Internetgeschichte eingehen sollte. Schauplatz war das Set McGraws beliebter Unterhaltungssendung Dr. Phil, welche einen bunten Mix aus Talk-Show, Familientherapie und anderweitiger psychologischer Beratung darstellt und aktuell noch immer fortgeführt wird. Die 19. Staffel ist derzeit auf CBS zusehen. Die Sendung existiert seit September 2002. Ein wahrer TV-Dino also, dieser mediale Nervenklempner, ja das ist er unbestreitbar, doch ein gleichwohl kontrovers diskutierter Charakter, dessen blank poliertes Image als leutseliger Medien-Onkel all die abgedrehten Jahre nicht ohne ein paar mächtige Schrammen überstand. So fasste The Miscellany News, Studentenzeitschrift des Vassar College und eine der ältesten nationalen Institutionen ihrer Art in einem investigativen Artikel im Februar 2019 die gesammelten Vergehen McGraws zusammen. Neben seiner fiktiven Identität als Doktor, der mittlerweile ohne Zulassung eine inhaltslose Küchenpsychologie betreiben würde, galt als prominentester Anklagepunkt der oft beklagte Missbrauch seiner Gäste. McGraw geriet im Laufe seiner Karriere des Öfteren in die Kritik, weil er TeilnehmerInnen mit unterschiedlichen Maßnahmen unter Druck gesetzt hatte, vermeintlich aus dem Grund, sie vor laufender Kamera zum Gespött seines Publikums machen zu können.

Auch Teilnehmer Ty Beeson hatte geplant, McGraw mit ähnlichen Anschuldigungen zu konfrontieren und unternahm einen seiner Persona würdigen Versuch. Geladen war er, um Stellung zu einem von ihm produzierten Independent-Film der Bumfights-Reihe zu beziehen, für den er und seine Helfer Obdachlose mit Geld und Alkohol bestachen, um gegeneinander zu kämpfen bzw. erniedrigende Aufgaben zu erfüllen. Schon die ursprünglichen Bumfights-Macher erlangten durch den Vertrieb des ersten Teiles einen traurigen Weltruhm. Der Verkauf von Kopien des Trash-Streifens machte sie zu Millionären. Auch Beeson wurde durch die Veröffentlichung eines zweiten Teiles nach eigener Angabe reich. Er habe mehrere Millionen Dollar mit dem Bumfights-Konzept verdient und sei nicht überrascht bezüglich seines Erfolges. Es sei eine kranke Welt. Seine Zielgruppe würde sich für die Dokumentation von Gewalttaten an Obdachlosen interessieren, welche er lediglich zum Arbeiten animieren würde. Für den geschulten Moderator war klar, wer in diesem Standoff der Buhmann sein würde, zu Recht, das darf gesagt sein, doch verlief seine angedachte Verurteilung Beesons nicht wie erwartet. Beeson betrat die Bühne in voller Dr.-Phil-Montur inklusive rasierter Halbglatze und warf dem Fernsehpsychologen mit unerwartetem Trotz Heuchelei vor, als dieser bereits angestrengt versuchte, seinen ungeliebten Doppelgänger aus dem Rampenlicht entfernen zu lassen. Während das Publikum den Abgang Beesons mit Applaus für den fassungslosen Host begleitete, erntete McGraw vornehmlich Spottnach dem Bekanntwerden des Vorfalls und seiner Weiterverbreitung im Internet. In Kommentarbereichen von Blogs und Video-Plattformen stellten sich viele User entgegen seiner verachtenswerten Taten auf die Seite Beesons und bestärkten den Vorwurf der Unaufrichtigkeit McGraws, insbesondere in Bezug auf seine eigenen Verfehlungen. Beeson warf damit eine Frage auf, die so alt ist, wie die Bibel und konträr zum Ekel-Effekt der Bumfights-Inszenierungen wirkte. Inwiefern ist es legitim, mit guten Taten hausieren zu gehen?

MrBeast, Philanthrop und Trendsetter

Wohnungslose Menschen sollten weit über den Einflussbereich McGraws und Ty Beesons hinaus eine krude Faszination für Selbstdarsteller beibehalten, die das Internet als Plattform für ihre aufopferungsvollen Taten entdeckt hatten. Was war es doch für eine unangenehme Mutation medial ausgeschlachteter Wohlfahrtsbekundungen als sogenannte Kultur schaffende Web-Kreateure durch die Straßen zogen und Not leidende Fremde mit Happy Meals der Fast-Food-Kette McDonalds versorgten. Eine klare Win-win-Situation für alle Beteiligten. So konnten hilfsbedürftige Gestalten ihre Sorgen für einen Augenblick bei dem Verzehr eines matschigen Cheeseburgers vergessen, während ihnen nach Aufmerksamkeit geifernde Influencer eine Kamera ins Gesicht hielten. Philanthropismus im digitalen Zeitalter, wie wunderbar. Dass sich aus dieser Modeerscheinung ein regelrechter Sport entwickeln würde, war abzusehen. Bevorzugt auf YouTube häuften sich mit der Zeit Bewegtbildbeiträge, welche amtliche Schenkungen großer Geldbeträge und luxuriöser Wertgegenstände als Prämisse einer neuen Gattung der Unterhaltung manifestierten. Kunstfiguren wie der seit 2012 unter dem Tag MrBeast aktive YouTube-Star Jimmy Donaldson erkannten den Heißhunger der Massen auf eine Zelebrierung des sorglosen Umgangs mit werbefinanzierten Unsummen.

Während er seinen Einstand als ernst zu nehmende Medienpersönlichkeit noch mit übermäßig langen Stunts feierte, innerhalb derer er sich sinnlos scheinenden Herausforderungen wie einem knapp zweitägigen Zählen bis 100000 und dem Drehen eines Fidget Spinners für 24 Stunden stellte, bezahlt er heute andere mit unwirklich scheinenden Beträgen dafür, die Rolle der Jahrmarkt-Attraktion einzunehmen. Fünfstellige Preise gibt es da schon einmal für ein bloßes Armdrücken gegen jemanden aus seiner Entourage, das kurzweilige Halten eines Klimmzuges und zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Doch gerade hier wird klar, dass es nicht darum geht, dass Teilen Spaß macht, sondern Klicks es nicht wichtig ist, ob ein Fan letztendlich in einem neuen Haus wohnt, sondern das Unternehmen im Schatten MrBeasts, welches die teure Bleibe in Wahrheit finanziert hat, von dieser Kooperation profitiert. Obgleich Donaldson für seine großzügigen Aktionen von seiner Community als bedeutendster Menschenfreund seiner Generation gefeiert wird und mit gleichermaßen surrealen Spendenaktionen Aufsehen erregte, gibt es Stimmen im Netz, die ihn für sein Standing als exzentrischer Samariter schelten, zuletzt unter dem Hashtag ‚EatTheRich‘ (fresst die Reichen). Es scheint somit weder auszureichen noch vernünftig zu sein, der anfänglich aufgekommenen Frage nachzugehen, inwiefern eine öffentliche Darstellung der eigenen Rechtschaffenheit sinnig ist, sondern vielleicht eher, was einen wahrhaftigen Humanisten ausmacht. Scherzhaft merkten Beobachter des Dr.-Phil-Vorfalls zu jener Zeit an, dass sie nicht sagen könnten, ob nun McGraw oder tatsächlich Beeson die Bühne verlassen hätte. Wer war der echte Dr. Phil und wer ist es heute? McGraw, Beeson oder etwa doch MrBeast?

Die Lösung des Falles

Es ist zu differenzieren, doch ein Tatverdacht hat sich bestätigt. Im Zuge der Ermittlungen ist klar geworden, dass niemand der beteiligten den Status eines wahren Menschenliebhabers verdient hat. Denn wer nur zur Ausübung von Nächstenliebe schreitet, wenn er an ihr mitverdient, sollte den Heiligenschein lieber nicht zu hoch hängen. Ein Philanthrop brüstet sich nicht mit Millioneneinnahmen aus billigen Filmchen, in denen Obdachlose missbraucht werden, hofft nicht auf Ruhm durch eine forciert negative Herrichtung psychisch kranker Menschen oder hat es nötig, andere zu Werbekomparsen zu degradieren. Letzteres ist schlichtweg die Aufgabe eines Kapitalisten. Im schlimmsten Fall ereignet sich eine neue Wendung und im Spiegel steht da plötzlich Dr. Phil vor uns, wenn wir selbstsüchtig handeln, wo wir uns als Gönner präsentieren. Zu den Basisanforderungen für das Ideal eines Philanthropen gehören folglich ein Mindestmaß an Selbstreflexion und Ehrlichkeit, eine Gier nach Luxus und Ruhm hingegen nicht.

Quellen:

https://www.businessinsider.com/mrbeast-youtube-jimmy-donaldson-net-worth-life-career-challenges-teamtrees-2019-11?r=DE&IR=T#mrbeast-was-born-as-jimmy-donaldson-on-may-7-1998-1

https://miscellanynews.org/2019/02/20/opinions/dr-phil-peddles-lies-manipulates-guests-for-tv-fame/

Semsrott kündigt Sonneborn: Provokanter Humanismus in der Krise?

Ein Paukenschlag erschüttert die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative, allgemein bekannt als Die PARTEI. Die Vorzeigepersonalie Nico Semsrott ist raus. Dies verkündete er in einer Stellungnahme zum gestrigen Datum des 13.01.2021, einzusehen auf seiner Homepage (nicosemsrott.eu) und begründet seinen Austritt mit einer schwerwiegenden Kritik an Mitbegründer und Parteivorsitzenden Martin Sonneborn MdEP, in welcher er seinen einstigen Parteifreund und Kollegen im Europäischen Parlament eines vorsätzlichen rassistischen sowie reaktionären Verhaltens beschuldigt. Sonneborn reagierte bereits mit einer öffentlichen Entschuldigung. Ob sich die Abwendung Semsrotts zu einer Zerreißprobe für die humanistische Satirepartei Die PARTEI entwickeln wird, bleibt abzuwarten.

Humorist und PARTEImitglied

Seit seiner Teilnahme als Spitzenkandidat bei der Bundestagswahl 2017 für die Berliner Landesliste beflügelte der ausgezeichnete Kabarettist, Satiriker und Slam-Poet Nico Semsrott, das politisch-aktivistische Rettungsboot des Satire-Magazins Titanic. Nicht nur seine gefühlskalte Miene und eine stets halb ins Gesicht geschlagene Kapuze verschafften Semsrott in den Folgejahren Bekanntheit innerhalb des politischen Spektrums Deutschlands und über die Landesgrenzen hinaus. Sowohl als niedergestimmtes Mitglied des Ensembles der Nachrichtensatiresendung ZDF-heute-show (2017 bis 2019), wie durch die Inszenierung schwarzhumoriger Wahlkampfaktionen schaffte es der bühnenerprobte Demotivationstrainer, anhaltende Akzente zu setzen und vor allem seinen politischen Gegenspielern hartnäckig in Erinnerung zu bleiben. So setzte sich Semsrott maßgeblich für eine stärkere Auseinandersetzung älterer Politiker mit jüngeren Generationen ein und wusste dahingehend gekonnt Nadelstiche zu setzen. Beispielhaft tat er dies in einem streitbaren Wahlwerbespot zur Europawahl 2019, in dem er ein Höchstwahlrecht von 62 Jahren forderte, da sogenannte Letztwähler über eine Zukunft entscheiden dürften, welche sie selbst nicht mehr erleben würden.

Am 26. Mai 2019 erlangte er ein Mandat im Europäischen Parlament nebst seinem nun in der Kritik stehenden Ex-Kollegen Martin Sonneborn. Die PARTEI erreichte in Deutschland 2,4 % der Stimmen. Im Gegensatz zu Sonneborn (fraktionslos) schloss er sich der Grünen-Fraktion an und untermauerte seinen Beschluss mit einem Bestreben, primär realpolitische Ziele verfolgen zu wollen. Auch in seiner Zeit als Mandatsträger sorgte Nico Semsrott für eindrucksvolle Performances, wie etwa seinem ungehorsamen Einspruch im mit den Logos von Beraterfirmen gespickten Pullover, welcher Ursula von der Leyens aufgedeckte Berateraffäre sarkastisch kommentierte und einem aufsehenerregenden Video, mit welchem er eine Diebstahlserie im Europäischen Parlament während der COVID-19-Pandemie in den Fokus rückte.

Ernsthaft gestrige Witze

Zum Zerwürfnis mit Sonneborn kam es nach einem Tweet, welcher eine Anspielung auf Donald-Trump-Fanartikel sein sollte, die trotz dessen anti-chinesischer Politik in China hergestellt wurden. Er formulierte seine Kurznachricht in gebrochenem Englisch – eine Persiflage auf den vorurteilsbehafteten Mangel an Fremdsprachkenntnissen von Ost-Asiaten. Semsrott kritisierte Sonneborn als latent rassistisch, zudem ignorant und rücksichtslos im Umgang mit Feedback.

„Ich habe vor einem Jahr vergeblich zu dieser Thematik mit ihm diskutiert und ihn vor einigen Tagen gebeten, über sein Posting nachzudenken und sich zu entschuldigen. Er hat es nicht gemacht. Das ist also kein Versehen, er will das eindeutig so.“

Nico Semsrott (Humorlose Erklärung, warum ich aus Die PARTEI austrete)

Der namhafte sowie als intellektuell versierter Satiriker und antifaschistischer Politiker angesehene Ex-Titanic-Chefredakteur Martin Sonneborn ist weithin bekannt für seinen angriffslustigen Aktivismus. 2006 macht er durch einen Bestechungsversuch bei der FIFA von sich reden, welchen er im Rahmen der in Deutschland ausgerichteten Fußball-WM durchführte. 2011 geriet er hingegen schon einmal in die Kritik, als er auf einem Wahlplakat mit einem schwarz geschminkten Gesicht und dem Spruch „Ick bin ein Obama“ zu sehen war.

Politiksatire im Stresstest

Mit dem getadelten Vorstoß des MdEP Martin Sonneborn gerät nicht nur seine Persona erneut in die Schusslinie. Obwohl die Mitgliederentwicklung der PARTEI für eine wachsende Beliebtheit der basisdemokratischen Initiative spricht (+36,57 %, 2019) und in den letzten Jahren kontinuierliche Erfolge bei Kommunalwahlen zu verzeichnen hatte, wird sie von ihren Opponenten oft als Prestigeprojekt Sonneborns bezeichnet. In einem skeptischen Kommentar der taz beschrieb Reporter Martin Kaul die PARTEI 2017 als „snobistisch und dekadent und zu bekämpfen“ und befeuerte damit ein noch heute vorgeführtes Extrem einer realitätsfremden politischen Vereinigung, konträr zu dem progressiven Bild einer pädagogisch wertvollen Protestorganisation andersdenkender Rezensenten. Im gleichen Zeitraum berichtete Kai Stoppel für n-tv in seinem Kommentar: „Die Existenz von „Die Partei“ mag im herkömmlichen Sinne unkonkret sein, aber sie ist keine Gefahr für die Demokratie. Sie ist eine Kleinpartei, welche auf ihre ganz eigene Art den drögen Politikbetrieb bunt macht und dadurch bereichert.“

Erst im Laufe des letztens Jahres wurden Vorwürfe eines strukturellen Sexismus innerhalb der Partei laut. Diese reagierte damals selbstkritisch und mit der Einrichtung von Beschwerdestellen. Nun sieht sich die PARTEI, betreffend der Vertretung progressiver Werte, erneut dem Vorwurf der Scheinheiligkeit ausgesetzt. Der Abgang Nico Semsrotts ist ein maßgebender Verlust und wirft ein flackerndes Licht auf die sonst so meinungsstarke Kleinstpartei, welche nach außen hin gerne eine unantastbare Oberfläche kommuniziert. Schuld daran ist Martin Sonneborns spätes einlenken, da sich die PARTEI hinter ihren bissigen Wahlsprüchen an erster Stelle als sozialpolitische Instanz durchsetzen konnte. Marco Bülow (bis 2018 SPD), welcher im Herbst zur PARTEI stieß, wird sie im Bundestag als erster Abgeordneter für den Wahlkreis Dortmund I vertreten. Er positionierte sich kurze Zeit später per Twitter-Post mit einer indirekten Abweisung der Anklagepunkte Semsrotts und ließ damit wenig Hoffnung auf ein einhelliges Verständnis der vorgebrachten Bemängelungen in der Parteispitze. Sollte die Partei die PARTEI weiterhin einen Erfolgskurs anstreben wollen, wird sie beweisen müssen, dass sie ihre Verantwortung begreift und in Zukunft kein borniertes Lachen als Entschuldigung für die Lustlosigkeit an einem Politikbetrieb vorschieben wird, zu welchem sie früher oder später als anerkannte Kraft einen in gewissermaßen konformen Beitrag leisten werden muss. Schafft sie es nicht, ihren Stolz zu überwinden, der ihr bis dato ein uneingeschränktes Pöbeln gegen das verhasste Establishment erstattet, wird sie ihren schlimmsten Kritikern in die Karten spielen und sich letztendlich als populistische Luftpumpe erweisen, der langsam, aber sicher die Puste ausgeht.

Quellenangaben:

https://nicosemsrott.eu/de/my-work/humorlose-erklarung-warum-ich-aus-die-partei-austrete

https://taz.de/Rassismusstreit-um-Martin-Sonneborn/!5744181/

A soundtrack to a terrible year: 10 great music projects and releases of 2020

What a car crash of a moment in time this is. What little hope there has been brought to us in the unlikely progression of 2020. What is there left to say, except fingers crossed to the turn of the year? 2021 could be better and is just around the corner. Allegedly waiting for us, swinging a baseball bat. So, let´s shine some light on the horror we have all dragged ourselves through during the past ominous sequence of seasons and hope for the best. While governments all over the world failed in personal union to support their people financially, especially the weakest economic forces like small businesses and freelancing artists fought with a maximum of creative measures against the impending death of the passionate labor of love securing their livelihood. In this spirit, the music scene came up with lots of heart-warming ideas to pierce through the confused sorrow and suffering, not the least by supporting crew members, charitable actions, and naturally funding their survival. Late to the party, but walking in confident, this is solarstr1ker.blog’s list featuring 10 great music projects under the radar, which provided us with inspirational works throughout this staggering period.

Ghost Park

As this selection of honorable artists is not hierarchically structured, it shall not affect the reader that Ghost Park might be the most welcome find the author has to report, meaning vastly transcending beyond the recent time, being a true gem of experimental music undertaking. Described as inspired by absurdist literature, precisionist art, and the brutalist architecture of New York City Ghost Park introduced a new series named Framework amid July, focused on manipulated recordings of piano sessions, which was continued in September with another release. The few presented tracks per volume deliver monstrous orchestral undertones, visualizing the overbearing aura of the urban gorge in the mind of the listener, intimidating and comforting alike. It´s easy to draw a line from here to 2020’s municipal blight. Conclusively the Framework series is a pleasant addition to Ghost Park’s discography, yet not comparable to the immense quality and skills in shapeshifting genres between ambient soundscapes and indie rock proven with the preceding full-length outputs.

Potion

For all the ones who would like to experience the ghost of a person, that died on the world’s most thrilling rollercoaster fronting a band mixing jazzy math guitars and rock operatic passages linked with blast beat after blast beat rhythm set to full-automatic fire, my oh my, California’s Potion got you covered. After a bunch of released tracks in 2019 and a split with Those Darn Gnomes in July of this year, their latest EP Cemetary does not reinvent the already established and lovely irritating extreme expressionism but manifests its amenities with an increased grade of production and better songwriting forming Potion’s madness to an enjoyable kind of noise terror. Long story short, Cemetary is the definitive musical perception of our feelings regarding 2020.

Vansire

The word mellow might have been invented to characterize the following project titled Live from the Decorah Farmers Market, recorded by Minnesota’s dream-pop duo Vansire right on the spot. While most artists decided to produce and perform at their homes and other strongholds of isolation in an exemplary manner, Vansire chose to take it outside, while they could and entertained clueless passersby with a brilliant live gig, two instruments at a time, offering a selection of previously released songs. Where Vansire’s flamboyant studio releases lack rough edges, nothing is missing here. The overall sound quality is so rich in-depth and approachable on these tracks, that it’s predestined to calm people down. If someone requires a sedating effect, let singer Josh Augustine’s voice take care of it.

Mikazuki BIGWAVE

This spotlight goes out to the cute beats champion of Yokohama, Japan. Yes, the one and only ミカヅキBIGWAVE, the grandmaster of future funk production, unique upbeat arrangements, and putting the Kawaii into danceable electronic grooves. With two full-length albums, an ep in between and two singles promoting an upcoming LP Mikazuki released an unbelievable mass of energetic tracks, yet diverse in their style and delivery. Moreover, it´s not only this specific achievement attained alongside the challenges that have occurred and limited the agency of artists qualifying especially 海辺のSENTIMENTAL as a noteworthy release. 2020 left the world thirsty, hungry, and pleading for relief from stress. Something entertaining, funny, and lighthearted to free our burdened souls from a great big pile of built-up negativity. One can arguably dislike the omnipresent anime fanservice this project is based on as a whole, but it´s simply impossible to deny the uplifting vibes, motivational vocal performances, and liberating lust for life it is standing for. If there is an annual award for orchestrating good times this year‘s winner is Mikazuki BIGWAVE.

The Casket Lottery

Ensuing the past returns of classic emo rock bands like Mineral (2019, One Day When We Are Young) and The Get Up Kids (2019, Problems) another well-known and respected group of the scene made a comeback in 2020. With Short Songs For End Times, The Casket Lottery released their fifth full-length record in early November. While the rawness, instrumental progressiveness, and emotional ferocity of influential releases like Moving Mountains and Survival Is For Cowards has declined over time and the experimental appeal of 2012’s Real Fear seemingly was a singular occurrence, their newest LP embraces a straightforward and mature alternative rock sound, relying on renowned strengths like the charismatic vocals of singer and guitarist Nathan Ellis and a very present bass empowering the easy to grasp and authentically lethargic songwriting. Short Songs For End Times is a record to sing along and cry out to, empathetic, but poised enough to get you through an extra month of sticking it out.

Spiritbox

Female-fronted powerhouse Spiritbox, hailing from Vancouver, Canada, is popular for its explosive combination of spheric djent elements and hard-hitting metalcore topped by Courtney LaPlante’s (ex I Wrestled A Bear Once) breathtaking ability to fluently switch between her beautiful singing voice and devilish screams. Following a significant collection of singles in 2019 they released three stand-alone songs evenly distributed with the passing of 2020 including the very successful track Holy Roller offering a mix of electronic samples and massive breakdown-ridden rhythms. In that respect, the trios uprising isn´t a coincidence, it’s based on sheer talent and a fresh understanding of modern metal. The message is clear: People who like heavy music won´t be getting around Spiritbox any longer. And that´s the bottom line.

2077

The events that affected 2020 got us to take a look into the future and question what is yet to come. Concerning this matter the eagerly anticipated AAA video game Cyberpunk 2077 couldn’t please everyone with its fashionable, yet enforced superficial definition of a dystopian science-fiction scenario and its abrasive flashy citizens. Cyberpunk, Violence, and Speed inspired grindcore project 2077’s debut release Cybernetic Dreams published the first of March however proclaimed an intriguing counter draft that should heal the wounds of those disappointed. Dirty, desperate, and agonizing, completed with ailing vocals that range between extreme coughing and black metal like death rattling 2077 grinds in the vein of nerve-wracking paragons like Gridlink, but gets it done to create an alluring atmosphere at the same time by sacrificing a bit of rapidity for the integration of wailing melodic riffs. Is the spawning of 2077 in 2020 a bad omen? As it seems we´ll find out in about half a century.

livingwithnathan

Some songs simply need to make a comeback one way or the other. For that reason married emo/hardcore duo livingwithnathan released a new version of their track, We’ll See You Tomorrow, which was planned to be part of a compilation that never came together. Originally descending from 2018’s heart-wrenching EP Grief, which deals with the loss of a dearly loved one and offered a bewitching mix of melodic rock and harsh shouting, 2020’s take comes off with a more punk-ish and distorted sound. A short, but precious musical work, that is reminding us, how painful and haunting it can be to bid farewell, just now in times of a worldwide pandemic, condemning people to die and let go without the chance to say goodbye.

Cloacal Kiss / Wax Vessel

Mentioning comebacks there is no way to not bring up this year’s phenomenal releases enabled by Wax Vessel, an independent record label, committed to limited run vinyl pressings of remastered legendary math- and grindcore music (with no compromise!). So, one is advised to act quickly and check out some of the 27 classic albums, that WV granted us within 2020, like Cloacal Kiss’s Easter containing high-quality noise assaults on your ears, from the tight instrumental production to an unbelievable extreme vocal performance.

Army of Freshmen

There could not be a better swan song to this year than Promise provided by the pop-punk veterans Army of Freshmen in late March. After two decades of spreading fun on stages all around the world, not being averse to dive into the realms of melancholy, when it had to be done, AOF came up with three new singles following their latest LP Happy To Be A Live in 2012, beginning with 2019’s Well May Her World Go Round. Compared to Everything Is Beautiful released in February of this year Promise is declaring an equally optimistic mindset, battered by the hardships of it all, but willing to push back against the odds, getting us in the right mood to leave 2020 behind:

the same way they buried you

is the same way, they buried me too

ever after, this disaster

we’ll still be here

I promise you, I promise you

I promise you, I promise you

I promise you, I promise you

Promise by Army of Freshmen