Doom 3 und der Arsch im Gesicht

Esc. Durchatmen. F*CK. Diese feigen #@!?%!. Wer soll denn da die Nerven behalten? Es ist stockdunkel und ständig springt eine dieser Kreaturen aus den Schatten hervor. Verdammte Höllenportale. Verfluchte Vieraugen. Diese UAC-Streber mussten ihr Zeltlager ja unbedingt auf dem Mars aufschlagen, um ihre komplizierten Teleportationsspielzeuge zu testen. Warum nicht auf einer schönen Insel, die von so einem Typen mit Napoleon-Komplex diktiert wird? Jetzt haben sie den Salat und liegen hier überall abgeschlachtet rum. Oder schlurfen untot auf mich zu. Und ich darf das alles ausbaden. Hoffentlich lassen sich die Kameraden von der Flotte Zeit. Ich habe sie selbst alarmiert und dann erfahren, dass dieser durchgeknallte Obernerd Betruger ihre Raumschiffe dazu missbrauchen will, seine Satansbrut auf die Erde zu schleusen. Wie war noch mal der Sicherheitscode? Habe ich grade überhaupt das PDA eingesammelt? Verdammt. NEIN. Noch mal zurück ins Labor. Okay. LOS. Nicht anhalten, schnelle Bewegungen ausführen, wachsam bleiben. Effiziens ist das A und O des Doom Slayers und das soll was heißen, denn ich schleppe mehr Zubehör mit mir rum, als eine Barbie auf Weltreise. Kettensäge, Plasmawaffe, BFG, Pistole, Schrotflinte, Taschenlampe, Granaten – mir graut es vor jedem Kampf. Manchmal ziehe ich die falsche Waffe, dann ist die Munition leer. Immer dieses Chaos. VERDAMMT! Moment. Flüstern. Da vorne tut sich was. Ein flammendes Portal. Ein weiteres Exemplar erscheint im Gang rechts von mir. IMPS. Diese nervtötenden Kreaturen, mannshoch, aber auf allen vieren besonders wendig. Ein paar Ladungen Schrot und sie werden sich wünschen, nie aus ihren Löchern gekrochen zu sein. PUGH! PUGH PUGH! Drei Salben senken sich in das Fleisch des ersten Imps und er zerfällt zu glühendem Staub. Jetzt ist der Zweite dran. PUGH! Er weicht aus. Verdammt. Jetzt stürzt er sich auf mich. Ich hasse es, wenn sie mir so auf die Pelle rücken. Seine Pranken verpassen mir wuchtige Treffer, bis ich ihn von mir wegstoßen kann und sein Ende durch meine letzte Patrone besiegele. Das kann noch nicht alles gewesen sein. Vor mir öffnet sich krächzend eine Zwischentür. Dahinter blutverschmierte Wände und ein unheilvolles Dröhnen. Sonst gibt es nichts zu sehen, doch da kommt etwas näher. Ein kratzendes Geräusch, das die Atmosphäre aufreißt. Kleine tippelnde Schritte, die über den metallischen Boden huschen. TICKS. Viele von ihnen. Arachnoide Kreaturen mit sechs Beinen und winzigen menschlichen Gesichtern. Für sich allein Kanonenfutter, doch im Rudel gefährlich. Ich bin in Geberlaune und ziehe die Chain-Gun. Mist. Auch sie ist nicht geladen. Während ich Versuche das Magazin in die Waffe zu drücken, hüpfen mir die ersten Teufelsspinnen ins Gesicht. „Grapscht mich nicht an!“, zischt unter meinem Helm hervor. Für den Augenblick bin ich außer Gefecht, da die wuchtige Chain-Gun noch nicht einsatzbereit ist. Jetzt ist es soweit. Die Ladung rastet ein und ein Tick nach dem anderen verbrennt kreischend im lauten Kugelsturm. Bevor ich aus Ärger über die unnötig eingebüßte Gesundheit fluchen kann, bekomme ich wieder Gesellschaft. Lost Souls tauchen in Gestalt von fliegenden Fratzen mit Raketenantrieb auf. „Jagt mich doch.“, denke ich mir. Warum musste ich unbedingt den Messenger vergessen? Verdammt! Meine Flucht gelingt nicht. Eins dieser Teile trifft mich im Nacken und zwingt mich dazu stehen zu bleiben und meine Plasma-Gun zu ziehen. Als die übrigen zwei zum Sturzflug ansetzen, bemerke ich genervt, dass sich die Gruppe der Verfolger vergrößert hat. Cacodemons haben sich dazu gesellt, die in der Luft aussehen, wie mutierte Fleischbällchen und eine gelbliche Energiemasse auf mich würgen. Nun fehlt nur noch eine Handvoll Cherubs, um den negativen Stresskreislauf perfekt abzurunden.

„What are you doing here? You’re gonna attract attention and then they’ll come.“ – J. Katayama, UAC-Wartungsarbeiter

Langsam glaube ich, dass der Tanzkurs an der Uni eine ernstzunehmende Alternative zu diesem morbiden Trip ins Weltall gewesen wäre, denn Doom 3 ist eine radikale Wutprobe. Die angespannte Atmosphäre sorgt für ordentlich Herzklopfen, doch der Overload an stoischen Jump-Scares, deren Niveau sich zwischen kreativen Einfällen und Geisterbahn-Trash einpendelt, ist nahezu frustrierend. ICH HABS KAPIERT! HIER WIRD MIR KEIN METER GESCHENKT! Ja, Konfrontation hat Priorität auf der Tagesordnung. Wie beim American Football, gibt es im Kampf nur den Vorwärtsgang. Anstatt die Gefechte auf dem zur Verfügung stehenden Raum auszutragen, knallen einem die außerirdischen Ungetüme, eins nach dem anderen, direkt vor den Bug. Abwechslung kommt bei wenigen Typen auf. Die Horrorstimmung, welche durch üppige Lichteffekte und schauderhafte Sounds inszeniert wird, zündet amtlich. Das Game setzt mich jedoch aus einem anderen Grund unter Hochspannung, weil ich weiß, dass die nächste Auseinandersetzung mit dem Feind zum kotzen brutal sein wird. Ein Draufgehaue, Geballere, Geschimpfe. Wer Doom 3 zockt, bekommt den diabolischen Arsch der Gesellschaft ins Gesicht gedrückt. Für jedes Erfolgserlebnis gibt es einen Schlag in die Magengrube. Kein überhebliches Getue bleibt ungesühnt, kein Fehler ohne Folgen. Schön spielen ist was für den Profifußball, hier gibt es nur Hauen und Stechen, ohne Ästhetik. Wie eine Viertelstunde auf Twitter oder die Eröffnung eines Saturns [der Elektroladen, nicht der Planet], verlangt mir dieser digitale Masochismus einen unersetzlichen Teil meiner Gemütsruhe ab. Das stumpfe Gemetzel ertrage ich nur in kleinen Dosen. Wer im Alltag zu wenig aneckt, tritt solange in meine Fußstapfen und erfreut sich an ruppigen Schockszenen plus einer Menge Gore. Alle anderen folgen mir ins Stardew Valley, denn die Welt ist schlimm genug – lasst uns einfach miteinander auskommen.


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