Caged Existence – The Burden of Purpose, EP-Review: alles andere ist wertlos

In der alternativen Musikszene herrscht ein Stau. Unmengen an Bands sind unterwegs, in abgewrackten Kleinbussen stecken sie auf dem Highway fest und blicken in Richtung bespielbarer Locations der nächstgelegenen Kleinstadt. Diese mietbaren Vans sind tickende Zeitbomben, doch Schuld am schlechten Verkehr, ist der fehlende Durchblick. Jede der Formationen ist heiß darauf, Crowds in stickigen Kellerräumen zu motivieren ihre geballten Fäuste in die Luft zu strecken, sich selbst Luft zu machen, denn sie alle teilen eine Sehnsucht, die Antwort auf die Frage, was eine Band einzigartig und erlebenswert macht. So gut, dass lange Fahrten und Autopannen auch für Fans und diejenigen bei denen noch Überzeugungsarbeit zu leisten ist, faire Konditionen für das kommende Aufeinandertreffen bleiben. Mit ihrer neuen EP The Burden of Purpose (Juni 2019) haben die Australier Caged Existence ein ordentliches Pfund geliefert, dass einen lyrischen Finger in die Wunde dieses für alternative Musiker existenziellen Dilemmas legt.

Nach einer ordentlichen EP (The Body Prison) und einem Single-Ausrufezeichen (The Body Prison: Cantos) handelt es sich bei The Burden of Purpose um eine moderate Auswahl an 3 Songs, die in ihrer Intensität keine Wünsche offenlassen. Die musikalische Grundlage besteht noch immer aus knallhartem 90´s Metalcore und dissonant quietschenden Gitarren, doch Caged Existence haben sich verändert, sind gereift und bringen dieses Mal mehr auf den Tisch als vorbildlich umgesetzte Genre-Mechaniken. Breakdown-Muster in Doppel-Bass-Teppichen treffen durch den Einsatz melodischer Riffs auf einen neuen Mitspieler. Der Titel „Liar´s Tongue“ gibt einen Vorgeschmack auf das neue Update. Das Gitarren-Strumming ist stilistisch eine Dekade weiter gerückt und erinnert an das frühe Rohmaterial von großen Namen, wie Parkway Drive und August Burns Red. Sicher ist jedoch, dass die Crew aus Melbourne ihre Hardcore-Wurzeln nicht zum Wohle einer Generalüberholung ausgerissen hat. Einen großen Anteil daran hat das herrlich schmerzhafte Bellen der Sängerin Steffanie Adele, welches zeitweise vom Gekeife des Drummers Jake Zammit Rückendeckung erhält. Wo Song Nummer Zwei „Buried Beneath“ mit bleischweren Melodic-Death-Metal-Riffs überrascht, überzeugt „Burden of Purpose“ mit feinen sonoren Vibes, welche der pöbelnden Rhythmus-Sektion gekonnt die nötige Menge an Unnachgiebigkeit nehmen. Die obligatorische Wut und Verzweiflung, welche einem diese Art der Musik abverlangt, spiegeln sich wunderbar in den düsteren, wie poetischen Lyrics wider und münden in einer treffsicheren letzten Zeile:

„The Burden of Purpose, all else is worthless.“ – Burden of Purpose

Künstler, die ihren eigenen Stil suchen und in der Mainstream-Grabbelkiste wühlen, haben wenig zu gewinnen und alles zu verlieren. Caged Existence hingegen haben auf ihrer neuen EP die Essenz ihres Sounds erkannt, das was wirklich Sinn macht, die Crowd in Bewegung versetzt und die Frage beantwortet, was eine Band erlebenswert macht: Ehrlichkeit und Hingabe, alles andere ist wertlos.

Prädikat zur EP: Das nächste große Ding nach Knocked Loose und Vein.


© Beitragsbild: Caged Existence, bandcamp

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