ObsCure, Videospiel-Review: der Mörder ist immer der Gärtner

An der Leafmore-Highschool treibt ein Serientäter sein Unwesen. Schüler verschwinden spurlos und lassen nichts als Fragen zurück. Was ist ihnen zugestoßen? Wer ist für die Taten verantwortlich? Direktor Herbert Friedman entscheidet, bewegt durch den Druck der betroffenen Eltern und örtlichen Polizeikräfte, die Einrichtung zu schließen, um dem unbekannten Entführer keine neuen Opfer zugänglich zu machen. Danach beruhigt sich die Lage. Die Vorfälle geraten in Vergessenheit. Ein paar Jahre später gelten die Räumlichkeiten der Schule nicht länger als Gefahrenzone und werden wieder für den Bildungsbetrieb freigegeben. Ein folgenschwerer Fehler, wie eine kleine Gruppe von Schülern schon bald herausfinden soll.

Nachdem Kenny Matthews seine Freundin Ashley bei einem Date versetzt und am darauffolgenden Tag nicht in der Schule erscheint, beginnen sich seine Freunde zu sorgen. Josh Carter ist einer von ihnen, und wittert durch seine Leidenschaft für den Journalismus eine heiße Story. Aufgrund dessen entschließen er, Ashley und Kenny’s Schwester Shannon sich nach Schulschluss im Gebäude zu verstecken und machen sich am Abend auf die Suche nach Hinweisen für seinen Verbleib. Schlagartig wird ihnen klar, dass sie nicht allein sind. Während sie sich ihren Weg durch die düstere Einrichtung bahnen und auf mysteriöse Informationen stoßen, werden sie von schauderhaften Pflanzenwesen angegriffen, welche aus der Dunkelheit sprießen. Die Suche nach Kenny entwickelt sich zu einem Alptraum und es tun sich weitere Fragen auf: Woher kommen die mutierten Monster und wie sind sie aufzuhalten? Ist Kenny noch am Leben? Und könnte ein Lehrer hinter den schrecklichen Vorkommnissen stecken? 

Silent Hill mit grünem Daumen 

Mit ObsCure kam im Oktober 2004 die erste Eigenproduktion des französischen Entwicklerstudios Hydravision Entertainment (heute Mighty Rocket Studio) in die Läden. PC-Spieler und Konsolenfans (Playstation 2, Xbox) konnten sich über einen frischen Survival-Horrortitel freuen, der sich an Klassikern des Genres, wie den Resident-Evil- und Silent-Hill-Reihen orientierte.

In der Third-Person-Perspektive und notdürftig bewaffnet, begann die Detektivarbeit, um das Geheimnis der Leafmore-High für jeden, der sich traute. Während sich der Spieler, losgelöst von der Gruppe, im Zweier-Team durch die unterschiedlichen Flügel rätselte, Schlüssel, Dokumente und zum Speichern des Spieles notwendige Discs einsammelte, traf er auf Gegner unterschiedlicher Größenordnung. Käferähnliche Kreaturen, zombifizierte (oder besser kompostierte?) Schüler, an der Decke lauernde Schlingpflanzen und gewaltige Frankenstein-Zöglinge forderten im Kampf eine taktische Vorgehensweise. Wie von Genre-Klassikern bekannt, war es essenziell, sparsam mit Munition und Medi-Packs umzugehen. Hinzu kam, dass kein Kommilitone vor dem Tod sicher war und durch ein Ableben unwiderruflich aus dem Spiel ausschied. Um dies zu verhindern, war es ratsam, die Ausrüstung sinnvoll auf sich selbst und den Partner aufzuteilen. Thematisch von Robert Rodriguez´s Teenie-Horror-Streifen The Faculty inspiriert, hatte das Game einen hohen Trash-Faktor, der sich unter anderem durch die halbstarken Figuren und ihre Persönlichkeiten ausdrückte. Jeder Charakter war auf seine Art und Weise unentbehrlich. Jungreporter Josh gab per Knopfdruck einen Hinweis darauf, ob noch etwas im jeweiligen Raum zu erledigen war. Die toughe Cheerleaderin Ashley verursachte mehr Waffenschaden und Hobby-Chaot Stan erkannte, wenn ein Schloss in der Nähe war, dass geknackt werden konnte. Das Spiel war jedoch durchaus darauf ausgelegt, nicht vollzählig abgeschlossen zu werden und gewann durch dieses Konzept eine gewisse Dramatik.

Obwohl ObsCure sichtbar stark gealtert ist, hat es noch immer einen nicht zu leugnenden Charme. Das liegt vor allem am kitschigen Plot, in dem unbeholfene Highschool-Schüler in ihrer gruseligen Schule aufgeputschte Flora vernichten und ihre erlittenen Verletzungen in alter Popeye-Manier durch das Trinken von Energydrinks heilen. Weitere Elemente, wie das kombinieren von Pistolen und Taschenlampen mit Klebeband, die cineastische Implementierung der Geschichte und das gut vermittelte Zusammenhörigkeitsgefühl mit den zur Verfügung stehenden Mitstreitern, lassen über die simplen Mechaniken des Spieles hinwegblicken. Wer sich beim Erkunden Zeit lässt, ist in 4 bis 5 Stunden durch. Das ist kurz, aber passend, denn unterm Strich bleibt ObsCure ein Querschnitt seiner Vorbilder. Ein Survival-Horror-Game mit B-Movie-Anspruch, welches sympathisch auf seine Eigenheiten baut.

Studio: Hydravision Entertainment
Publisher: Microïds, DreamCatcher Interactive 
Erstveröffentlichung: October 1, 2004
Plattform: Windows, Xbox, PS2
Genre: Survival-Horror
Spielmodus: Einzelspieler

Testgerät: PC


© Beitragsbild: Mighty Rocket Studio