Mayfield – Careless Love, LP: Herz bleibt zurück

Mayfield Careless Love LP

Wenn es um Musik geht, die auf Hardcore-Punk basiert, ist es ein Risiko mit Gegensätzen zu spielen. Klarer Gesang ist beispielsweise vielen Metal-Fans ein Dorn im Auge, das heißt, bis er ästhetisch wertvoll ins Songwriting integriert wird. Mayfield aus Ottawa, Kanada, ist es egal was wer in seiner oder ihrer Definition eines Genres brauch und sind Naturtalente im Zusammenbringen ansonsten konträrer Elemente. Als fehlendes Bindeglied zwischen Architects und Being As An Ocean präsentieren sich die sanften Rowdies als Energiebündel, dass sich selbst durch die eigens produzierte Spannung, die in ihren Songs entsteht mit Elektrizität versorgt. Carless Love (März 2019) ist die erste LP der aufstrebenden Band, die schon auf ihrer EP Hollow Embrace unter Beweis stellte, dass von ihnen zukünftig große Schritte erwartet werden dürfen. Ob sich die Explosivität ihrer Idee eines melodischen Hardcores auch auf eine längere Platte übertragen lässt, hat sich nun gezeigt.

Die Antwort ist: ja, ja und noch einmal ja. Auf Careless Love haben Mayfield keine Sekunde ungenutzt gelassen, um ihren Punkt klarzumachen. Gegensätze ziehen sich an. Aus farbenprächtigen Melodien (Wes Lee) und einem ausgezeichnet ausgeführtem Shouting (Patty Tirrel), dass sowohl Höhen und Tiefen kennt, ergibt sich das erste ungleiche Paar, gefolgt von engagierten mal klaren, mal geshouteten Backing-Gesängen durch Zach Loates (Gitarre) und Brad Healey (Bass) und einem stets pointiertem Drumming (Zane Knight), welches von einfachen Drum-Rolls über den kreativen Einsatz des Double-Bass bis zu kurzen Blast-Beats in allen Belangen abliefert. In einem Interview erklärte die Band dies bezüglich:

„We collectively have a wide range of music that we listen to so we try to include all influences in the creating process. We don’t try to sound a certain way.“ – (das komplette Interview auf ottawashowbox.com)

Und das hört man, denn gebündelt funktionieren diese unterschiedlichen Faktoren am besten. Zum Beispiel beim Einstieg mit „Do You Miss Me?“, wo sich melodiöse und dissonante Gitarrenpassagen die Hände reichen. In den Songs „Recovery“ und „My Heart Gets Left Behind“ sind besonders die Gesangsleistungen von Tirrel und Loates hervorzuheben, die jedem in den Arsch treten, der behauptet Hardcore und klarer Gesang gehören nicht zusammen. „Blossom“ und „Sleep Alone“ liefen der Crowd Refrains, die zum gemeinsamen Grölen einladen und zu keiner Zeit fehl am Platz wirken. Dann ist da das Interlude „The Missing Piece“, das sich im Gesamtkonzept musikalisch wohlig gut eingliedert und der Song „Blindside“ der durch eine Anlehnung an Mathcore-Riffs überrascht. Mit dem Titelsong „Careless Love“ klingt das Album ruhig aus. Ein passender Abschluss für eine LP, welche die Diversität aus harten und weichen Klängen so darzubieten weiß, wie diese. Loates sagte solarstr1ker.blog über die Motivation im Schreibprozess:

„We set out to write Careless Love with an intention to maintain a theme throughout the record. It’s not necessarily a concept album, but there’s a constant energy that’s carried from start to finish.“

Careless Love ist die richtige Adresse für alle, die ambitionierten Hardcore feiern, der mehr ist als die Summe seiner Teile und keine Angst davor haben emotional von ihm berührt zu werden.


© Beitragsbild: Mayfield, bandcamp

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