Neckbeard Deathcamp – White Nationalism is for Basement Dwelling Losers, LP: gegen Schlafzimmer-Faschismus

Neckbeard Deathcamp White Nationalism is for Basement Dwelling Losers LP against bedroom fascism

Black Metal ist nur was für Alt-Rights? Leider ist dieses Vorurteil leicht voranzutreiben. In erster Linie sparten Mitbegründer der skandinavischen Szene, wie Varg Vikernes (Burzum, Ex-Mayhem) und militante Konzept-Bands, wie Marduk, in der Vergangenheit nicht mit der Verbreitung von Braun gefärbten Gedankengut. Doch das Problem des nationalsozialistischen Einflusses ist kein Schnee von gestern und nicht länger Sache einzelner bekannter Gallionsfiguren, die ein negatives Image befeuern. Denn es sind eine international florierender Untergrundszene des NSBM (National Socialist Black Metal), sowie die Bekenntnisse krimineller Gewalttäter, die sich offenkundig mit dem Genre identifizieren, welche sowohl Medien als auch linksgerichtete Organisationen aufschreien lassen. Hardliner haben das spielen mit Tierkadavern aufgegeben, um dem Teufel nahe zu sein und suhlen sich nun lieber in rassistischen Ideologien, welche sich ohnehin gut über aggressive Musik und traditionell martialische Outfits transportieren lassen. Petrus-Kreuze sind nicht mehr cool genug. Sie müssen eisern sein. Die Machenschaften der am Black Metal „interessierten“ und für mehrere Morde verantwortlichen US-amerikanischen Neonazi-Gruppierung Atomwaffen Division sind nur ein einziger Auswuchs der Besorgnis erregenden Entwicklungen der letzten Jahre, welcher benannt werden muss – und das in einem weltweiten Kontext. Für viele vahre Black-Metal-Fans ist die Grenze des ertragbaren politischen Chaos mittlerweile überschritten. Für eine französische Band namens Neckbeard Deathcamp ist es Zeit zurückzuschießen. Mit musikalischer Gegenwehr.

„this album is dedicated to richard spencer, jeff schoep, david duke, the nsm, bedroom 4th reich bands, and nazi girls that add me on facebook“ – bandcamp-Profil-Nachricht

Als Befehlskette aus Kriegmeister Hatestorm (Vocals, Piano, Noise, Production), Superkommando Uberweinersnitchel (Guitar, Bass) und Hailz Komradez (Drums) machten sie es sich um 2018 zur Aufgabe, die vermeintliche Nazi-Connection zur Black-Metal-Szene ad absurdum zu führen. Dafür schlüpfen sie in die Rollen von rechtsradikalen Charakteren und nehmen sich in ihren Texten, das vermeintlich linke Feindbild mit einem großen Augenzwinkern zur Brust. Bereits am Cover ihres Debüt-Albums White Nationalism is for Basement Dwelling Losers (Juli 2018) wurde das satirische Motiv für die eigentliche Zielgruppe offengelegt. Dieses zierte ein Adlerwappen mit Phalluskopf und Pepe-the-Frog-Meme im getragenen Kranz, ein Industrie-Setting im Hintergrund, Stacheldraht und den Bandnamen in altdeutscher Schrift. Songs, wie „Incel Warfare“ („This nation has a problem With greasy boys in cargo shorts Who feel owed a woman Under threat of murder“) und „XXXL Obersturmfuhrer Leather Duster“ („Gewehr fire lights the sky Angry reacts fall like bombs Call of Duty basic training World of Warcraft cut my teeth“)  untermauerten obendrein, dass es sich im Großen und Ganzen um ein geniales rhetorisch ironisches Artilleriefeuer handelt. Soundtechnisch stammt WNifBDL aus den Tagen als Black-Metal noch gefühlt auf alten Nokia-Handys produziert wurde. Nicht identifizierbares Geröchel, zwischendurch halbwegs gute Riffs und schlechte Echo-Effekte inklusive.

Die Trash-Parodie-Platte ist also nichts für Genießer. Alle, die den Gag verstehen und sich mit rechtsextremen Musik-Fans weder in einem Topf sehen noch hören lassen wollen, erwartet jedoch ein kompromissloses Geballer, dass für den Moment eine Menge Spaß und Stoff für ausgelassenes Headbanging mitbringt. Am 24. Mai 2019 erscheint mit So Much For The Tolerant Left ein neues Album, dass dem Schlafzimmer-Faschismus der Szene sicherlich wieder unter dem Tisch ordentlich vor das Knie treten wird. Man sollte bei all der aktuellen Stimmungsmache allerdings immer bedenken, dass Black Metal grundsätzlich keinen faschistischen Richtlinien unterliegt und nicht jede Band, die es etwas konservativer angeht, gleich als radikal und Nazimüll abgestempelt werden sollte und muss. Ein Beispiel dafür sind die ungerechtfertigten Konzertabsagen gegen die polnische Band Mgla, bei denen Behauptungen lauter als Fakten sprachen. Stay trve!


© Beitragsbild: Neckbeard Deathcamp, bandcamp

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