Wide Eyes – Volume, LP: die Ankunft

Wide Eyes Volume LP the arrival

Um 2009 landete das Mutterschiff auf dem Planeten Erde, um die drei Musiker Chris Saniga (Gitarre, Synthesizer, Programmierung), Chris Vogagis (Schlagzeug, Gitarre, Synthesizer und Schlagzeug-Programmierung) und Danny Cullman (Keyboard, Schlagzeug, Gitarre, Synthesizer und Schlagzeug-Programmierung) abzusetzen. Der Auftrag der Multiinstrumentalisten: unserer Welt außerirdisch guten progressiven Metal zu bringen. Noch in der Vorbereitung war lange nicht klar, ob die Mission überhaupt abgesegnet werden könnte. Denn Danny Cullman war zu Beginn, dass einzige Mitglied, dass sich dem Einsatz im US-amerikanischen Akron, Ohio, verschrieben hatte. Als jedoch Vogagis und Saniga dazustießen, war auf einmal alles im vollen Gange. Das erste Lebenszeichen der Band sollte nicht einfach nur ein musikalisches Machwerk nach Handbuch, sondern ein außergewöhnlicher Beitrag für die irdische Liga der Djentleman sein. Innerhalb von drei Jahren erarbeitete das Team unter maximaler Beanspruchung ihrer Talente und durch unglaublichen Arbeitseifer eine erstaunliche Auswahl, so erzählt man sich, von 50plus Songs, die für ihr Debüt infrage kamen. Das finale Album Volume (2012) schmückte somit eine Tracklist aus 26 Stücken, mit einer Gesamtlänge von über einer Stunde und 40 Minuten.

Wide Eyes Volume verwirklicht sich im Verstand des Hörers, wie eine Anomalie mit dem Erscheinungsbild eines glitzernden, merkwürdig gefärbten, aber wunderschönen Tores in eine andere Welt. Und tritt man ein, gibt es kein zurück. Es ist eine atmosphärische Reise, die einen durch Polyrhythmen, technisch versiertes Shredding und elektronische Soundwellen hypnotisiert. Sie endet, wenn der letzte Ton gespielt wurde. Deshalb ist es so schwer einzelne Tracks herauszustellen. Nicht, weil es keine nennenswerten Momente gibt, sondern weil Volume von nennenswerten Momenten lebt. Da wären der Opener „Inception“ der durch seine zu Beginn glänzenden Effekte zu verstehen gibt, dass der Eintritt in eine andere Sphäre efolgt und später im Chaos sanfte Melodien aufscheinen lässt. Der Song „Hah!“ der sich durch kreative Riffs bemerkbar macht. In „Eskalofrio“ findet ein fantastisches Solo statt, welches auf die omnipresenten Alleinstellungsmerkmale jedes Instrumentes hinweist. Dann ist da beispielsweise „Immortalize“. Ein Track der durch die ausgiebige Verwendung von Dance- bzw. Electronica-Motiven hervorsticht. „Uno“, in dem Geschwindigkeitswechsel eine maßgebende Rolle spielen. Oder „Slipt“, dessen gedenkwürdiger Augenblick eine melodische Rockpassage ist, die nahezu klassische Werte annimmt und aus einer Komposition von Queen stammen könnte. Während sich die meisten Songs bei einer Dauer zwischen drei und vier Minuten einpendeln, verbleibt die Nummer 20 „Demarciation“ mit 10 Minuten und 45 Sekunden weit abgeschlagen an der Spitze.

Obwohl der größte Kritikpunkt Volume´s, dessen Ausmaß der Superlative ist, kann dieses Merkmal die qualitative Höchstleistung der schmal besetzten Band durch ihre Hingabe nicht schmälern. Es ist definitiv eine Herausforderung das Debütabum Wide Eyes im Ganzen durchzuhören, doch es ist ein aufregender Trip und keine Qual. Empfehlenswerterweise gar als inspirierende Hintergrundmusik. Einmal im Flow angekommen relativieren sich Zeit und Raum. Nach diesem Release war die Arbeit der Gruppe allerdings noch lange nicht getan. Sie veröffentlichten weitere drei Alben, dass letzte mit dem Namen Paradoxica in 2017, eine Single, eine EP und ein Remaster ihres hier gepriesenen Debüts. Und obwohl die folgenden Werke deutlich kürzer ausfielen, gibt es eine Aussage der Band, die sie heute noch immer am besten beschreibt: „We write way too much music.“ Bleibt nur zu hoffen, dass sie ihre Mission noch lange fortsetzen werden.


© Beitragsbild: Wide Eyes, bandcamp

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