Turnover – Peripheral Vision, LP-Review: Hallo Euphorie

Es gibt in diesem Leben so viel zu erreichen, so viel zu tun und einzuhalten. So viel zu verdienen, ohne dass ein Bewusstsein dafür herrscht, wofür es ausgegeben werden soll. So viele Türen, die für uns offen stehen. Hinter jeder von ihnen verbirgt sich ein neuer Weg, der ins Glück und zu Erfolg führen könnte. Doch da ist zu wenig Zeit, um jeder von ihnen eine Chance zu geben. Und es ist leicht den Verstand zu verlieren, wenn einem kein Einhalt durch natürliche Grenzen geboten wird. Wenn alles möglich scheint und gleichzeitig unerreichbar ist. Für ein einfaches Zahnrädchen in einer Maschinerie der Maßlosigkeit, deren Treibstoffe Stress und Druck sind. Ein futuristischer Alptraum, den die Menschen schon jetzt leben. Wer sich angesprochen fühlt, der sollte dranbleiben, denn es gibt ein musikalisches Gegengift für diese Art des modernen Wahnsinns. Der Name: Turnover.

Turnover sind eine Band aus Virginia Beach, Virginia (US), spannenden Diskographie. Angefangen als Pop-Punk-Band im Jahre 2009, brachten sie 2011 ihre selbstbetitelte EP auf die Bildfläche, die bereits hörbare Emo-Rock-Einflüsse hatte. Doch damit war ihre Verwandlung noch lange nicht abgeschlossen. Während ihr erstes Album mit dem Namen Magnolia, um 2013 einen ähnlichen Sound innehielt, aber deutlich verträumter anmutete, erschien Mitte 2017 das Dream-Pop-Release Good Nature, dass sich instrumental weiter von ihren Wurzeln entfernt hatte. Innerhalb der inzwischen vergangenen vier Jahre waren Turnover jedoch nicht untätig gewesen. Neben zwei EPs (Blue Dream, Humblest Pleasures), die jeweils als Bindeglieder der Veröffentlichungen fungierten, erschien 2015 mit dem Album Peripheral Vision eine Übergangsform, welche die Szene aufhorchen ließ.

Nicht ganz so handzahm, verspielter und mit mehr Biss als der Nachfolger Good Nature konstituierte sich Peripheral Vision als gefeierter Peak der Band. Turnover hatten sich von ihrem eingängigen Punk-Image abgewandt und waren vollkommen beim Shoegazing hängen geblieben. Mit Songs, wie „New Scream“ und „Hello Euphoria“, vervielfältigte sich lyrisch das Blickfeld, dass sich nun nicht länger ausschließlich auf das eigene Befinden konzentrierte, sondern einen Bezug auf ein Leben abseits von gesellschaftlichen Standards nahm.

„Adolescent dreams gave to adult screams Paranoid that I won’t have all the things they say I need What if I don’t want a pattern on my lawn? All I know is something’s wrong because everyday I’m Craving that new scream …“ – New Scream

Grundsätzlich blieben jedoch das Thema Selbstreflektion und die Empfindungen für nahestehende Menschen das Lebenselixier der poetischen Texte über alltägliche emotionale Zustände. 

„Bass guitarist Dempsey told Billboard about the meaning of this song:“ „Take My Head is about how it could be the best day and you’re surrounded by happy things, but you still want to be pissed off and sit by yourself.“ genius.com

Ohne die Tracklist mit einzubeziehen ist es schwer zu sagen, wo Peripheral Vision beginnt und endet. Die zweite LP Turnovers ist eine homogene Masse aus leichten Rock-Rhythmen und psychodelischen Melodien in den Fußspuren von Slowdive und My Bloody Valentine, welche dem Zuhörer die Augen schließen. Für 11 Songs heißt es, in einem Ozean aus Problemen zu versinken, die sich in einer Endlosschleife im Kopf abspielen, nach ihrem tieferen Verständnis aufzutauchen und in eine befreite Seele einzuatmen.


© Beitragsbild: Run for Cover Records, Bandcamp

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