Daisyhead – I Couldn´t Face You, EP: verlegen, verschlossen, verloren

Daisyhead I Couldn´t Face You EP

Das Jahr 2013 verfestigte den Beginn für eine neue Welle an Emo-Rock in den Vereinigten Staaten. Bands, wie Citizen, Have Mercy und Superheaven veröffentlichten ihre Debütalben und etablierten einen Sound, der traditionell melancholische Klangpassen mit harten Riffs und treibenden Drum-Beats untermauerte. Ähnliches hatte man um 2011 bereits in Ansätzen von den Gruppen Basement und Balance and Composure gehört. Der große Hype sollte jedoch erst knapp zwei Jahre später beginnen. Mit von der Partie war ein Quartett namens Daisyhead aus Nashville, Tennessee, dass sich mit seiner EP I Couldn´t Face You bemerkbar machte. Diese Musiker vereinten die althergebrachte Zärtlichkeit des Genres mit einem Grunge-Vibe à la Nirvana und Texten, die sich zwischen der Verzweiflung an der Monotonie der Dinge, Unabänderlichkeit von tragischen Ereignissen und Sehnsucht nach einem positiveren Lebensgefühl einordnen lassen.

I have a life outside my mind
But I am trapped inside
Remembering nothing
Wanting for no one
So damn hollow

– Numbing Truth

Mit einer kürze von vier Songs bot I Couldn´t Face You ein ausreichendes Spektrum, um das Potenzial der Band herauszustellen. Das Ergebnis war ein ausgewogenes Verhältnis von schwergängigen Akkordfolgen, die durch vertrackte Richtungswechsel für ein grooviges Feeling sorgten, welches hier und dort zum lethargischen Headbanging einlud. Und noch heute ist das Erstlingswerk der Band ein ordentlicher Einstiegspunkt, um sich mit der alternativen Seite des Emo-„Rocks vertraut zu machen. Die Songs Numbing Truth und der namensgebende Track I Couldn´t Face You verkaufen sich zwar durch das angebotene Riff-1×1 alles andere als progressiv, doch stellen sich mit ausgedehnten Pausen für einlullende Melodien und sensibles Picking versöhnlich. Der Track Sun überrascht mit einem hymnischen Temperament, dass sich hinten raus in einem Post-Rock-Einschlag wunderbar genießen lässt. Zum Ausklang wird es dann noch einmal ruhiger. Mit dem rockigen, aber ebenso sanften What´s Done Is Done endet I Couldn´t Face You auf einer leisen Note. Ein abrundender Faktor, der Daisyheads Musik schon damals ein eigenes Gesicht verlieh, ist die helle Stimme des Sängers Michael Roe, welche einen angenehmen Kontrast gegenüber dem eher niedergestimmten Farbton der Instrumente produziert.

Ende 2018 erschien mit der EP ve Been Better bereits das sechste Release der Band, dass sich im Wesentlichen unbeirrt in die bisher von Experimenten unberührte Diskografie einreihte. Für diesen Umstand mussten Daisyhead im Laufe der Zeit durchwachsene Bewertungen ihrer Alben hinnehmen. Wenn ihnen jedoch ein Lob gerecht wird, dann ist es, dass sie stets einen konstant qualitativen Emo-Rock hervorbringen, der auf dem Prinzip „never change a winning sound“ basiert.

My burning mind
Can´t turn back time
What´s done is done
What´s done is done

– What´s Done Is Done


© Beitragsbild: Spartan Records

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