Bayonetta, Videospiel-Review: Höllische Hexen-Prügelei der himmlischen Superlative

Der Name Hideki Kamiya steht für einen unvergleichlichen Stil bei der Kreation von Videospielwelten. Aufsehen erregte er durch seine maßgebliche Beteiligung an der Entwicklung der Horror-Klassiker Resident Evil 1 und 2, dem Hack-and-Slay-Meilenstein Devil May Cry und dem zauberhaften Cel-Shading-Adventure Okami. Vor allem mit DMC erschuf er ein erinnerungswürdiges Werk, dass seine zukünftige Arbeit prägen sollte. Nachdem es ihm jedoch versagt war an einem Folgetitel zu arbeiten, schien in ihm für lange Zeit ein kreativer Vulkan zu brodeln. Dieser sollte nur darauf warten einen neuen Action-Kracher auszuspucken, welcher in die gleiche Kerbe, wie sein einstiges Herzensprojekt schlagen würde. 2009 kam es mit dem Spiel Bayonetta endlich zum Ausbruch, einem abgedrehten Trip, um einen Kampf zwischen Licht und Dunkelheit, bei dem Bosskämpfe am Rande der Vorstellbarkeit zum Alltagsgeschäft gehörten.

The story so far

Protagonistin Bayonetta ist eine Hexe des altehrwürdigen Umbra-Clans. Dieser hütete die Welt einst Seite an Seite mit den Lumen-Weisen, um sie vor ihrem Untergang zu bewahren. Vor 20 Jahren erwachte sie auf dem Grund eines Sees aus einem 500-jährigen Dornröschenschlaf, nur um sich in einer ihr fremden Welt wieder zu finden. Ihre Reise beginnt, als sie von ihrem Informanten Enzo den Tipp bekommt, dass sich das rechte Auge, ein Artefakt aus vergangenen Tagen, in einer Stadt namens Vigrid befinden soll. Bayonetta hofft durch ihre Suche nach jenem, ihre verlorenen Erinnerungen an die Geschehnisse ihrer Zeit und den Grund für ihr Verschwinden zurückzuerlangen. Bereits vor ihrem Aufbruch wird sie von engelsgleichen Kreaturen angegriffen, aber kann sich durch ihre Fähigkeiten im Kampf behaupten. Sie verfügt nicht nur über Schusswaffenkenntnisse, welche sie durch ihre insgesamt vier Pistolen ausübt, sondern ebenfalls über eine ausgeprägte Schlagfertigkeit, die sie sowohl körperlich als auch verbal zu nutzen versteht. Der Weg zur Wahrheit und ihrem vollkommenen Gedächtnis entwickelt sich zu einem Mysterium aus Zeitsprüngen in ihre dunkle Vergangenheit und der Behauptung gegenüber den mächtigen Lumen-Kriegern des Lichtes, die mehr zu wissen scheinen als sie verraten. Ganz im Sinne von Devil May Cry präsentiert sich Bayonetta als Action geladenes Hack & Slay, welches beim Vermöbeln von skurrilen Gegnermeuten besonders Wert auf das richtige Maß an Stil legt. Dabei handelt es sich jedoch nicht um einen bloßen Abklatsch. Obwohl sich die Spielmechaniken klar an der Paradevorlage Kamiyas orientieren, schafft es Bayonetta sich durch ein originelles Universum und die Inszenierung seiner Protagonistin klar vom geistigen Vorbild abzugrenzen. Die divenhaften Sprüche und ihr erfrischender britischer Akzent können ohne Zweifel mit den rotzfrechen Einzeilern Dantes mithalten. Das Markenzeichen der selbstbewussten Hexe sind ihre langen schwarzen Haare, die sie nicht nur als eleganten Ganzkörperanzug trägt, sondern auch zu gigantischen Tierwesen formt. Diese reißen ihre am Boden liegenden Feinde nur zu gerne in Stücke und wer glaubt, dass das herrlich verrückt klingt, darf sich auf eine Vielzahl von obskuren Gegnertypen freuen. Diese treten beispielsweise als fliegende Engelsköpfe, wilde Chimären und Endgegner im Skyline-Format, stets auf eine Tracht Prügel aus, in göttliche Erscheinung. Das Kampfsystem baut gewohnt auf den Einsatz von traditionellen Combos und kreativen Finishing-Moves. Eine bunte Auswahl von Waffen und Techniken belebt dabei die Auseinandersetzung mit gegnerischen Horden. Diese können im Nachtclub des Waffenhändlers und verbündeten Dämonen Rodin im Tausch gegen Heiligenscheine besiegter Kreaturen erworben werden. Auf der Reise durch Vigrid und andere übernatürliche Orte sorgen Zeiträtsel für die Motivation dranzubleiben und sich für einen Moment vom manchmal brutalen Button-Smashing zu erholen. Auf der Soll-Seite stehen derweil ein schlauchiges Level-Design und das langweilige Einsammeln von Hintergrundinformationen im Dokumentformat.

Bayonetta wurde ursprünglich 2009 für die PS3 und Xbox 360 veröffentlicht. Die Version für Master-Race-Anhänger wurde 2017 nachgereicht. Speziell bei der getesteten PC-Portierung des Spieles ist die Kamera zu bemängeln, welche des Öfteren durch ihr gefühltes Eigenleben für Verwirrung auf dem Schlachtfeld sorgt. Dafür kann sich die Grafik sehen lassen. Trotz des hohen Anteiles an Quick-Time-Events und Sehnenscheiden zerrenden Sessions von Hauen und Stechen war und bleibt Bayonetta ein absolut würdiger Stand-Alone-Titel Kamiyas. Die auftretenden Charaktere und der fantasievolle Plot sind so charmant und witzig in Szene gesetzt, dass man sich als Spieler gleichermaßen über die Zwischensequenzen und das Weiterkämpfen freut. Selten war eine epische Fehde zwischen Licht und Dunkelheit so unterhaltsam.

Prädikat zum Spiel: Hack-and-Slay-Meilenstein, der durch bombastische Endgegner, kreative Settings und Effektfeuerwerk für erinnerungswürdige Spielmomente sorgt.

Für Fans von: Devil May Cry, Darksiders, God Of War

Studio: Platinum Games, Nex Entertainment
Publisher: Sega, Nintendo
Erstveröffentlichung: 29. Oktober 2009
Plattform: Xbox 360, PS3, PC, Wii U, Nintendo Switch
Genre: Actionspiel, Hack and Slay
Spielmodus: Einzelspieler

Testgerät: PC


© Beitragsbild: Platinum Games, GameSpot