Die Qual der Wahl, Funko POP und obligatorischer Hype

Die Steam-Bibliothek ist prall gefüllt, doch natürlich ist nichts dabei, dass gerade von Interesse ist. Ich denke, dass ich langsam einen Exorzisten benötige, denn das ist nicht das einzige Erste-Welt-Problem, das mich in dieser Woche verzweifeln lässt. Dabei ist es eigentlich simpel. Einfach mal die Klappe halten und sich freuen, dass überhaupt etwas anzugehen ist, wie es die Jungs der Pop-Punk-Band Bowling for Soup im gleichnamigen Song („Shut up and Smile“) besingen. Demnach konnte ich mich schließlich doch noch entscheiden. Zurzeit Phantom-rotiert die digitale Version von Metro: Last Light in meinem Laptop und die Qual der Wahl hat sich gelohnt. Ist zwar schon eine Weile draußen, aber bereits nach den ersten paar Spielstunden konnten mich die verlassenen Schächte der Moskauer Endzeit-U-Bahn, klaustrophobischen Kriechpassagen und der russische Akzent meiner Weggefährten wieder einwandfrei abholen. Der einzige kritische Gedanke lautet: „Ist halt mehr vom ersten Teil.“ Doch sei es drum. Denn hätte ich mich dem Völlegefühl schlichtweg hingegeben, hätte ich am Ende sowieso wieder nur Podcasts gehört, die ich bereits mehrere Male durchgelauscht habe (dafür gab es noch nicht mal ein Achievement) und darüber hinaus keine Idee für einen neuen Beitrag gehabt.

Ich bin maßlos überfüttert. Zu satt von fantastischen Welten. Das Problem ist, dass ja auch alles irgendwie geil ist. Neue Serie? Geil. Neues Spiel? Geil. Neuer Film? Geil. Es gibt keine rationale Grenze mehr zwischen wertvoll und ungenügend. Netflix ballert mehr Eigenerzeugnisse raus, als Nintendo mit Klagen gegen Rom-Portale nachziehen kann, doch nicht alles, über dem ein Fashion-Filter liegt, ist Gold. Aber die Belanglosigkeit eines Produktes muss ja nicht gleich bedeuten, dass es nicht härter gefeiert wird als die Entdeckung von Penicillin – und ich nicht darauf hereinfalle. Marketing ist eben King. Als engagierter Konsument fühle ich mich, als ob ich in einem Meer aus Funko-Pop-Figuren versinke, wenn wieder der obligatorische Hype zuschlägt. Jede davon ist dabei ein kleines Denkmal einer popkulturellen Errungenschaft. Sie alle ziehen mit ihren kleinen Vinyl-Händen an mir und ich schreie: Aufhören! Ich brauche nicht alle von euch! Nur die Alien-Queen, weil die wirklich was hermacht und Dale Cooper. Ich habe Twin Peaks nie gesehen, doch ihn bei einem Kauf von Merchandise als Extra erhalten (leiser werdendes Echo) … halten … halten.

Einst ist klar: Viel Auswahl bedeutet, dass für jeden etwas dabei ist. Mir ist jedoch aufgefallen, dass es mir immer schwerer fällt, ein Metro: Last Light mit einer angemessenen Bandbreite an Aufmerksamkeit zu würdigen. Wäre ja immerhin genug anderer Kram da, der die Zeit genauso gut von der Uhr stehlen könnte. Wenn ich bedenke, dass brasilianische Gamer damals fast ein ganzes Jahrzehnt länger auf einen offiziellen Release-Termin der PS2 (hier kam, das Gerät Ende 2001, dort Ende 2009 auf den Markt) warten mussten oder in China mal eben ein 14-jähriges Verkaufsverbot von Spielkonsolen herrschte (2000-2014), werde ich demütig. Ich möchte wieder den Durchblick bekommen und mir Zeit für einzelne Produkte nehmen, wenn es wichtigere Dinge zulassen. Jetzt geht es erst einmal gemächlich weiter Richtung The Dark Ones. Wünscht mir Glück, Kameraden.