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New Girl, das Erwachsenwerden und Langeweile

„I got nothing to do. That’s it. I’m not cracking. I just have nothing to do.“ Das sind die Worte des Charakters Nick Miller der US-amerikanischen Sitcom New Girl (Folge 15, Staffel 4) an seine Mitbewohner nachdem seine Anti-Valentinstag-Sauftour ein jehes Ende vor der letzten Bar findet. Auslöser für die plötzliche Trauer ist seine erst vor kurzen gescheiterte Liebesbeziehung. Doch eigentlich geht es um mehr. Nick ist Anfang 30, schlägt sich seit dem Abbruch seines Studiums als Barkeeper durch und weiß sonst nichts mit sich anzufangen. Ein Bild, dass in die heutige Zeit passt. Und das ist kein Zufall.

Denn obwohl die Macher von New Girl bei der Inszenierung des Plots immer wieder auf Standard-Formeln von Sitcom-Meilensteinen, wie Friends und How I Met Your Mother zurückgriffen (letztes Jahr wurde die Sendung mit einer siebten Staffel abgeschlossen), gab es stets ein gewisses Alleinstellungsmerkmal: die Rücksicht auf den Zeitgeist.

Kurz gesagt: Vier Erwachsene mit komplett unterschiedlichen sozialen Identitäten teilen sich ein Loft und ein Dasein zwischen permanent wechselnden Geschlechtspartnern und der Suche nach einem Ausweg. Dabei werden die Charaktere zwar durchweg als liebevoll verpeilte Chaoten dargestellt, jedoch wird ihre Lebensweise in keinem Fall beschönigt. Die Figuren selbst sprechen das Dilemma oft genug direkt an. Sie haben eine Sehnsucht danach erwachsen zu werden. Sie träumen von geregelten Verhältnissen und keinem Leben am Limit.

Das ist ein beeindruckendes Statement einer Show, die sich gewiss mehr Zuschauer hätte verdienen können, indem Sie zwischendurch noch einmal kurz Werbung für WGs in Berlin oder Los Angeles eingeschoben hätte. Doch sie zeichnet den Kampf unserer Jugend nahezu perfekt. Eigentlich ist das große Ziel in den Tag hinein zu Leben und Kohle mit irgendeinem Murks zu machen, aber nur um dem ganzen Zirkus am Ende im vom Influencer-Account gesponserten Hubschrauber wieder entkommen zu können.

Aber wieso ist es grade so schwer ein befriedigendes Leben zu führen? Weil es heute schwerer ist als damals, sich die Wenigsten noch mit Bullshit-Jobs zufrieden geben möchten und junge Zielgruppen zusätzlich von manipulativen und herzlich unkreativen Jobsuchmaschienen-Werbemaßnahmen darauf gepolt werden, dass nur eine Tätigkeit als Frontend-Developer in Großstadt-Umgebung das Alpha und Omega sein kann.

Nick ist in dieser Szene ein wahres Kind seiner Zeit. Weil er nicht mehr versteht, dass es nicht viel braucht, um sich von der Langeweile zu befreien. Der Langeweile, die in einem wohnt, wenn man seine Lebensqualität mit der nächsten Instagram-Story seines Lieblingsstars vergleicht.

Dabei ist Nick soviel mehr, wie ihm seine Freunde und Mitstreiter im Battle Royal um eine geerdete Existenz hoffnungsvoll zusichern. Allem voran ein geliebter Mensch und lediglich eine verlorene Seele dieser Tage, die wieder lernen muss sich selbst und ihre Fähigkeiten wertzuschätzen.


© Beitragsbild: FOX

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