Musik Soziales

Neckbeard Deathcamp – White Nationalism is for Basement Dwelling Losers, LP-Review: EXTERMINATE THE BEDROOOM REICH!

Black Metal ist nur was für Alt-Rights? Traurigerweise ist dieses Vorurteil noch immer leicht voranzutreiben. In erster Linie sparten Mitbegründer der skandinavischen Szene wie Varg Vikernes (Burzum, Ex-Mayhem) und militante Konzept-Bands wie Marduk, in der Vergangenheit nicht mit der Verbreitung von braunem Gedankengut. Doch das Problem der nationalsozialistischen Einflüsse ist kein Schnee von gestern und nicht länger Sache einzelner bekannter Galionsfiguren, die ein negatives Image fördern. Denn es sind eine international florierende Untergrundszene des NSBM (National Socialist Black Metal) sowie die Bekenntnisse krimineller Gewalttäter, die sich offenkundig mit dem Genre identifizieren, welche sowohl Medien als auch linksgerichtete Organisationen aufschreien lassen. Hardliner haben das Spielen mit Tierkadavern aufgegeben, um dem Teufel nahe zu sein und suhlen sich nun lieber in rassistischen Ideologien, welche sich ohnehin gut über aggressive Musik und traditionell martialische Outfits transportieren lassen. Petrus-Kreuze sind nicht mehr cool genug. Sie müssen eisern sein. Die Machenschaften der am Black Metal interessierten und für mehrere Morde verantwortlichen US-amerikanischen Neonazi-Gruppierung Atomwaffen Division sind nur ein einziger Auswuchs der besorgniserregenden Entwicklungen der letzten Jahre, welcher in einem weltweiten Kontext benannt werden kann. Für viele wahre Black-Metal-Fans ist die Grenze des ertragbaren politischen Chaos mittlerweile überschritten. Für eine Band namens Neckbeard Deathcamp ist es Zeit zurückzuschießen – mit musikalischer Gegenwehr.

Als Befehlskette aus Kriegmeister Hatestorm (Vocals, Piano, Noise, Production), Superkommando Uberweinersnitchel (Guitar, Bass) und Hailz Komradez (Drums) machten sie es sich um 2018 zur Aufgabe, die vermeintliche Nazi-Connection zur Black-Metal-Szene ad absurdum zu führen. Dafür schlüpfen sie in die Rollen von rechtsradikalen Charakteren und nehmen sich in ihren Texten das vermeintlich linke Feindbild mit einem großen Augenzwinkern zur Brust. Bereits auf dem Cover ihres Debüt-Albums White Nationalism is for Basement Dwelling Losers (Juli 2018) wurde das satirische Motiv des Projektes hinreichend offengelegt. Dieses ziert ein Adlerwappen mit Peniskopf und Pepe-the-Frog-Meme im getragenen Kranz, ein Industrie-Setting im Hintergrund, Stacheldraht und den Bandnamen in altdeutscher Schrift. Songs wie ‚Incel Warfare‘ („This nation has a problem With greasy boys in cargo shorts Who feel owed a woman Under threat of murder“) und ‚XXXL Obersturmfuhrer Leather Duster‘ („Gewehr fire lights the sky Angry reacts fall like bombs Call of Duty basic training World of Warcraft cut my teeth“) untermauern obendrein, dass es sich um ein geniales, rhetorisch ironisches Artilleriefeuer handelt. Soundtechnisch stammt WNifBDL aus den Tagen als Black-Metal-Platten nicht ungenießbar genug klingen konnten. Schwer identifizierbares Geröchel, zwischendurch halbwegs gute Riffs und schlechte Echo-Effekte inklusive.

Die Trash-Parodie ist nichts für Genießer. Alle, die den Gag verstehen und sich mit rechtsextremen Musik-Fans weder in einem Topf sehen noch hören lassen wollen, erwartet jedoch ein kompromissloses Geballer, das für den Moment eine Menge Spaß und Stoff für ausgelassenes Headbanging abfeuert. Am 24. Mai 2019 erscheint mit So Much For The Tolerant Left ein neues Album, dass dem Schlafzimmer-Faschismus der Szene wieder ordentlich vor das Schienbein treten wird. Stay trve!

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