New Wave of International Black Metal: Revoluzzer im Thronsaal

Black Metal ist in einem neuen Zeitalter angekommen. Tierkadaver dekorativ auf der Bühne zu platzieren ist out und Alben werden nicht mehr auf alten Nokia-Handys produziert. Das neue Schwarz ist bunt. Deshalb kommen jetzt sieben Bands, die frischen vergorenen Wind durch eure düsteren Gehörkatakomben wehen lassen werden. Macht mal Platz Emperor, tretet endlich zur Seite Mayhem – hier wird es unangepasst!

Deafhaven

Das Quintett aus San Francisco ist wohl eine der meist gehassten Black-Metal-Bands, seit Liturgy 2009 mit ihrem Debüt Renihilation das Scheinwerferlicht betraten. Ihr progressiver, transzendentaler Sound galt als Fake und Hoheitsbeleidigung an den Großmeistern der alten Schule. Heute kommt er bei vielen gut an. Bands wie Deafhaven, die eine Art Post-Black-Metal etablieren, führen das berüchtigte Erbe fort. Melodische Gitarren über minutenlangen Blastbeat-Passagen, sorgen dabei für eine träumerische und nicht selten hypnotische Grundstimmung. Ein Tipp für alle, die das für Blasphemie halten: Chillt mal bei einem Spin von DHs Sunbather!

GosT

Wo gehts hier bitte zum nächsten Dungeon-Rave? GosT zeigt euch sehr gerne den Weg. Hinter der Totenkopfmaske versteckt sich Dance- und Elektro-Komponist James Lollar, der seine Tracks schon seit seinen Anfängen mit Horrorelementen thematisiert. Auf seinem neuen Album Possessor ist eine starke Black-Metal-Note unüberhörbar. Par-tey und Black Metal? Klar, das passt – und es ist doch genial, beim nächsten Mal clubben nicht auf das eine oder andere verzichten zu müssen.

Zeal and Ardor

Schon mal was von Black-Black-Metal gehört? Das Musik-Projekt Zeal and Ardor vermischt Gospel und Black Metal und liefert damit eine wahrhaftig einzigartige Eigenkreation ab. Der Amerikaschweizer Manuel Gagneux rief Z&A um 2013 ins Leben, nachdem ein User bei einer Internet-Abstimmung beleidigend gefordert hatte, er solle Black Metal mit „n* music“ machen. Unbeeindruckt nahm er sich diesem verwerflichen Vorschlag an und erschuf diesbezüglich etwas Großartiges. Das Ergebnis sind Songs, die aus einer souligen Stimme, einschneidenden high-pitched Shouts und dem instrumentellen Wechsel zwischen Südstaaten-Grooves und Gitarrenwänden bestehen. Das Schlagzeug liefert je nach Bedarf tanzbare Rhythmen und Doppelbass-Attacken. In Deckung, Burzum-Fanatiker und Elite-Fuzzis! Zeal and Ardor nimmt keine Rücksicht auf Engstirnigkeit.

Neckbeard Deathcamp

Black Metal ist nur was für Alt-Rights? Traurigerweise ist dieses Vorurteil leicht voranzutreiben. Vor allem die Mitbegründer der skandinavischen Szene wie Varg Vikernes (Burzum, Ex-Mayhem) oder militante Konzept-Bands wie Marduk, sparen nicht unbedingt mit der Verbreitung von braunem Gedankengut. Neckbeard Deathcamp bestehen aus den Kunstfiguren Kriegmeister Hatestorm (Vocals, Piano, Noise, Production), Superkommando Uberweinersnitchel (Guitar, Bass) und Hailz Komradez (Drums). Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, die vermeintliche Nazi-Connection zur Black-Metal-Szene ad absurdum zu führen und schaffen dies, indem sie vermeintlich genau diese repräsentieren. Am Ende geben jedoch Titel wie White Nationalism is for Basement Dwelling Losers und Quatsch-Lyrics die satirische Motivation des Trios preis. Ein Spaß für all jene, die sich mit rechtsextremen Musik-Fans weder in einem Topf sehen noch hören lassen wollen. Obendrein bieten Neckbeard Deathcamp einwandfreien, klassischen Black-Metal, der ohne Feinheiten auskommt und selbst alteingesessene Metalheads begeistern kann.

The Breathing Process

The Breathing Process aus Frankreich tischen symphonischen Deathcore mit einer ordentlichen Prise Black Metal auf. Der Salzstreuer liegt so gesehen quasi in der Suppe. Wem Darkthrone und Konsorten zu folklorig, rau und lo-fi sind, könnten TBP sehr gut schmecken. Im Gegenteil: Diese bieten brachiale Riffs, höllische Vocals, Highspeed-Drumming, sphärische Keyboard-Einlagen und das alles super tight produziert. Die Franzosen sind nicht nur was für Szene-Kids mit engen Hosen, sondern ein ernst zu nehmendes Hauptgericht.

Kvelertak

Wieso nicht mal vermoderte Kellerräume und Depri-Atmosphäre gegen ein ausgelassenes Biergelage mit Gang-Vocals eintauschen. Die Norweger Kvelertak stehen für feucht fröhliche Unterhaltung im Zeichen des Black n Roll. Nach unten geneigte Mundwinkel sind auf ihren Shows Mangelware. So viel Lebensfreude ist jedoch nichts für jeden todessehnsüchtigen Anbeter der Dunkelheit. Die Musik der Nordmänner vereint eingängige AC/DC-Riffs mit gequälten Schreien und verlegt damit Szene-Konzerte aus von Kerzenschein beleuchteten Nebelschwaden in schweißgetränkte Crowds, die sich selbst und das Genre feiern. Kommt das an? Eine internationale Fangemeinde, die jeden Song auf Norwegisch mit grölen kann, sagt ja.

Lumnos

Der bitterkalte Norden hat schon lange kein Copyright mehr auf das Black-Metal-Genre. Putrefactus ist ein junger, aufstrebender Musiker aus dem heißblütigen Brasilien, und weil es nur so viele Songs über das Niederbrennen von Kirchenhäusern und die Anbetung Satans geben kann, philosophiert er über die Natur, Spiritualität und den Weltraum. Lumnos schickt den Hörer auf eine atmosphärische Reise vorbei an der Venus und durch die unendlichen Weiten. Ein trippiges Klangerlebnis, vor dem sich kein Nachtschwärmer verschließen sollte.

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