Pizza, lange Nächte und Staatsgrenzen: 8x Pop-Punk im Kurzformat

Qualitativ herausstechender Pop-Punk ist heutzutage nicht mehr so leicht auszumachen, wie er es Anfang der 2000er war. Doch wer suchet, der findet. Ob ihr grade einsteigt, jemand anderem das Genre schmackhaft machen wollt oder einfach nach Platten dürstet, die euch im Alltag musikalisch beflügeln. Folgende Bands bringen euch den Sound von Pizza-Partys, langen Nächten und endlosen Fahrten im Van.

Life Lessons – What The Silence Meant

Life Lessons (US) aus Oklahoma bieten mit ihrer EP What The Silence Meant eine optimale Grundlage, um eine verlorene Liebe zu verdauen. Wär beim Erstkontakt an die bereits etablierten Genrehelden The Story So Far denken muss, liegt nicht falsch. Die Drums sind treibend, die Gitarren liefern eingängige Melodien und chrunchige Vocals fahren das Ding direkt aus dem Mittleren Westen in eure Gehörgänge.

„Maybe one day you´ll see, when you´re done with all the Boys you meet, that you fucked up and there´s no going back. No not this time.“

Seaway – All In My Head

2011 haben Seaway (CA) das Segel auf ihrem Van gesetzt und verbreiten seit dem auch international die Lehren des kanadischen Pop-Punks. Wer auf das ikonisch funkige Gitarren-Strumming und die locker und flockig vorgetragenen Vocals, der lokalen Szene steht, kommt voll auf seine Kosten. Soundtechnisch fahren Seaway darüber hinaus im Old-School-Modus. Wer Bands wie Simple Plan, Good Charlotte und Bowling For Soup schon zu ihrer Zeit feierte, darf sich auf vier neue Ohrwürmer freuen.

„Lately they say I´m trying too hard, but maybe that´s what I needed to get this far.“

Trophy Eyes – Everything Goes Away

Everything Goes Away bietet reichlich Bölkstoff für Raufbolde und Pit-Matadore. John Floreani (Sänger) röhrt wie Omas Kaffeemühle ergreifend über seine problematische Jugend, doch begräbt darunter keine einzige Emotion. Der Einfluss von melodischem Hardcore dominiert die knapp 14-minütige Pop-Punk-Platte dabei stark. Vergleiche zu Trophy Eyes (AUS) können zu Title Fight und den frühen Comeback Kid gezogen werden, aber auch zu modernen Urgesteinen des Genres wie The Wonder Years.

„I still can’t believe, my life came down to this, but it’s an eye for an eye and I’ve got nothing left to give.“

Youth Fountain – Youth Fountain

Bei Youth Fountain (CA) habt ihr eine Faust voll Melancholie und Herzschmerz zu erwarten. Die teils hymnenartigen Melodien und geshouteten Vocals gehen euch direkt an die Nieren. Spätestens bei dem Song Worried werden alte Telefonnummern rausgekramt, um vergangene Missverständnisse zwischen einst besten Freunden klarzustellen. Hervorzuheben sind zwei absolut fähige Stimmen und eine dynamische Gitarren-Schlagzeug-Kombi, die im Kontext an die guten Senses Fail erinnert. Emocore-Enthusiasten sollten hier mal genauer hinhören.

„I believed it was you and I know I moved on, we cut ties and we both grew. So why do I believe it? Believed it. I believed it was you.“

Living With Lions – Some Of My Friends Appear Dead To Me

Sowohl das Durchschnittsalter der Bandmitglieder als auch ihre musikalischen Vorlieben geben den Kanadiern einen Vibe, der nicht nur die jüngere Generation begeistert. Living With Lions bringen mit ihrer 3-Track-EP einen Soundtrack für Pizza-Partys und nachdenkliche Herbstspaziergänge zugleich. Vor allem die authentischen und ungezwungenen Vocals von Gitarrist und Sänger Chris Brenneman haben einen Wiedererkennungswert, welcher z. B. die großen Fountains of Wayne ins Gedächtnis ruft.

„Like a ghost, fair-weather, float over me like a feather, you were never really one of them, just scarred for attention.“

Like Pacific – Like Pacific

Okay, jetzt muss es raus. Was geht eigentlich in Kanada? Like Pacific sind nun schon die 4. Gruppe im Zeichen des Ahornblattes. Sie vertrauen auf ihrer selbstbetitelten EP wie gewohnt auf ihre Popcore-Wurzeln. Auf den Vorgängern Homebound und The Worst waren diese jedoch noch sehr viel präsenter gewesen. Dagegen ist allerdings nichts einzuwenden, da die fünf von Bass und Drums angeführten Songs ausgezeichnet als eine Mischung aus erwachsenem Punk mit Pop-Einflüssen funktionieren. Wer es nicht ganz so wild und dafür druckvoller mag, ist hier in sicheren Händen.

„You had your fair share of chances no second win, now I´ll lead by example.“

Acoustic-Double-Pack: Hit The Lights, „Just To Get Through To You“ & The Wonder Years, „Burst & Decay“

„Remind them that we exist, this place is not their own, the city’s our birthright, we’ll keep our fists tight, so they’ll know.“ – Hit The Lights

Zum Schluss kommen gleich zwei Schmankerl, die genau das richtige für ausgedehnte Abende am Lagerfeuer sind – und zwar mit oder ohne Pizza. Es geht um zwei Acoustic-EPs von Bands, deren Relevanz für das Pop-Punk-Genre nicht näher erläutert werden muss. Hit The Lights und The Wonder Years liefern jeweils sechs bis sieben ihrer bekanntesten Songs in der Kuschelversion ab. Den Herren der Schöpfung, die sich vor zu viel Romantik fürchten, ist Hit The Lights Kurzspieler zu empfehlen, der sich noch mehr auf das Highschool-Parking-Lot-Crasher-Image der Ohio-Boys bezieht. The Wonder Years Burst & Decay sorgt hingegen für die Dezimierung des Taschentuch-Vorrats und gibt eurem Herz die Starterlaubnis, mal wieder etwas schneller zu schlagen.

„I circled the airport a hundred times and tried to hide the fact that I was crying, I came in on the red eye, that’s why I look like this.“ – The Wonder Years

https://thewonderyears.bandcamp.com/album/burst-decay-an-acoustic-ep